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"Im Lockdown hatten wir mehr Zeit für die Tiere"

Das Tierheim Pirna öffnet wieder für den Besucherverkehr. Über Vor- und Nachteile darüber spricht Sächsische.de mit Azubi Leon Geburek.

Leon Geburek macht eine Ausbildung zum Tierpfleger im Tierheim Pirna. An seiner Seite ist Hund Timmy.
Leon Geburek macht eine Ausbildung zum Tierpfleger im Tierheim Pirna. An seiner Seite ist Hund Timmy. © Daniel Schäfer

Seit 2019 gehört Leon Geburek (21) aus Neustadt fest zum Team des Tierheimes Pirna in Krietzschwitz. Damals absolvierte er ein Freiwilliges ökologisches Jahr in der Einrichtung. Es hat ihm so gut gefallen, dass er sich im Anschluss für eine Ausbildung zum Tierpfleger vor Ort bewarb und prompt angenommen wurde. Mit Sächsische.de spricht er über den Lockdown, über Tiere, die in der Wohnung einfach zurückgelassen werden, und über Pläne des Tierheims.

Herr Geburek, jetzt hat das Tierheim wieder für den Besucherverkehr geöffnet. Wurden vorher denn keine Tiere vermittelt?

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Doch, auch im Lockdown konnten wir zahlreiche Tiere vermitteln. Die Corona-Schutzverordnung wurde dabei selbstverständlich eingehalten. Bei den Katzen war die Quote sogar höher, als vor der Lockdown-Zeit. Die Nachfrage war eindeutig höher. Auch bei den Hunden verzeichneten wir während des Lockdowns eine höhere Nachfrage, aber nicht alle konnten vermittelt werden. Die Interessenten waren nicht immer geeignet. Denn ein Hund braucht mehr Betreuung sowie Aufmerksamkeit als eine Katze. Da kommen mehrere Faktoren zusammen.

Wie verlief das konkrete Prozedere bei der Vermittlung?

So gut, dass wir dieses System auch nach Öffnung des Heimes für den Besucherverkehr beibehalten werden. Die Interessenten melden sich bei uns. Es gibt ein Vorgespräch, welches Tier eventuell passen könnte. Dann wird ein Termin vereinbart, bei dem sich der Interessent das Tier anschauen kann und ersten Kontakt aufnimmt.

War es während des Lockdowns ohne Besucherverkehr ruhiger?

Eindeutig ja. Es gab Vorteile. Wir hatten dadurch mehr Zeit für die Tiere und konnten uns noch intensiver um den einzelnen Vierbeiner kümmern. Die Hunde waren zum Beispiel insgesamt entspannter, weil sich weniger Menschen im Heim tagsüber aufhielten. Die Atmosphäre war ruhiger. So konnten wir verstärkt und erfolgreich Leinen- und Geschirrtraining mit den Hunden durchführen. Dadurch, dass wir mehr Katzen im Lockdown vermittelt haben, hatten wir mehr Zeit für eher schüchterne Katzen und konnten zu ihnen ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Vor allem zu Katzen, die aus einer schlechten Abgabe stammen.

Was konkret bedeutet schlechte Abgabe?

Das sind zum Beispiel Tiere, die von ihren Besitzern bei Auszug einfach in der Wohnung zurückgelassen werden. Meistens werden wir dann von den Vermietern oder den Nachbarn informiert und bringen die Tiere ins Heim. Die Katzen oder Hunde sind oftmals sehr verängstigt und traumatisiert. Schließlich haben auch Tiere eine Seele. Gerade in letzter Zeit hatten wir wieder vermehrt solche Fälle. Leider.

Welche Pläne hat das Tierheim Pirna?

Das Hygienekonzept bleibt, das heißt unter anderem herrscht Maskenpflicht. Aber wir wollen auch wieder Präsenz zeigen. In den vergangenen zwölf Monaten konnten wegen Corona keine Feiern oder Veranstaltungen stattfinden. Dabei sind wir auf Öffentlichkeit angewiesen, auch um potenzielle neue Sponsoren zu werben. Auch deshalb laden wir am 17. Juli von 13 bis 16 Uhr zu Kaffee, Kuchen und Gegrilltem ein. Wir wollen wieder mit den Tierfreunden und Menschen ins Gespräch kommen und zeigen, uns gibt es noch. Bereits vorher am 26. Juni startet ein Arbeitseinsatz der Mitglieder des Pirnaer Tierschutzvereins. Das muss man sich wie ein verspäteter Frühjahrsputz vorstellen. An diesem Tag geht es um die Pflege der Außenanlagen, wie zum Beispiel das Kärchern der Außenzwinger.

Eine ganz persönliche Frage. Warum haben Sie sich entschieden, Tierpfleger zu werden? Was reizt Sie an dieser Tätigkeit, die mit viel Arbeit verbunden ist?

Ich glaube, ich kann besser mit Tieren als mit Menschen. Hunde sind meine Favoriten. Bei uns im Tierheim kommen sie aus den unterschiedlichsten Schichten. Einige sind aus Rumänien, andere wurden abgegeben, weil die Besitzer gestorben sind. Jeder Hund hat seine eigene Geschichte und somit auch seinen eigenen Charakter. Für mich ist es schön zu sehen, wie sich der Hund jeden Tag weiterentwickelt. Das macht mir Freude. Freude bereitet mir aber ebenso, wenn ein Tier in ein gutes neues Zuhause vermittelt wurde. Es ist quasi der Lohn meiner Arbeit.

Ihre Ausbildung endet im nächsten Jahr. Was kommt dann?

Das kann ich noch nicht so ganz genau sagen. Ich könnte mir aber auch durchaus vorstellen, weiterhin im Tierheim Pirna zu arbeiten. Nicht nur die Tiere stimmen hier, sondern auch das Team.

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