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SOE: Weggefährten würdigen verstorbenen Kurt Biedenkopf

Im Alter von 91 Jahren ist Kurt Biedenkopf verstorben. Wie ihn Politiker und Unternehmer aus Sächsischer Schweiz und Osterzgebirge in Erinnerung behalten.

Ehrengast bei der Einweihung des neuen Kirchplatzes in Glashütte: Kurt Biedenkopf im September 2020.
Ehrengast bei der Einweihung des neuen Kirchplatzes in Glashütte: Kurt Biedenkopf im September 2020. © Egbert Kamprath

Er hat den Freistaat geprägt wie kaum ein anderer: Kurt Biedenkopf, Sachsens erster Ministerpräsident nach der Wiedervereinigung, ist am 12. August verstorben. Zwölf Jahre war der CDU-Politiker von 1990 bis 2002 im Amt und hat dabei auch im heutigen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge politische Spuren hinterlassen. Welche? Weggefährten erinnern sich an ganz persönliche Begegnungen.

"Kurt Biedenkopf war ein Segen für den Freistaat", sagt Jens Michel, früherer CDU-Landtagsabgeordneter, der im August Präsident des Sächsischen Rechnungshofes werden soll. Biedenkopf, den er seit 1990 kennt und schätzt, hätte für Sachsen viel bewegt. Er sei ein Stratege gewesen, der nach der Wiedervereinigung einen langfristigen Plan für Sachsen im Kopf hatte.

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Im Duo mit Sachsens damaligem Finanzminister Georg Milbradt (CDU) sei er seinerzeit unschlagbar gewesen - "unabhängig von allen unschönen Begleiterscheinungen", meint Michel und spielt damit auf Affären und den parteiinternen Machtkampf mit Milbradt an, den er als Finanzminister schließlich entlässt.

Biedenkopf zieht im Wahlkampf

Jens Michel hätte Biedenkopf viel zu verdanken. 2009, als der Lohmener erstmals für ein Landtagsmandat kandidierte, unterstützte ihn Biedenkopf im Wahlkampf. Der 54-Jährige erinnert sich an einen Termin in Sebnitz. Im Sebnitzer Hof hatten er und Biedenkopf damals zum Seniorenkaffee geladen. "Und der Saal war voll", sagt Jens Michel. Ob seinetwegen, lässt er dezent offen.

Wahlkampf 2009: Der damalige Bewerber für ein CDU-Landtagsmandat, Jens Michel, holte Kurt Biedenkopf nach Sebnitz, wo er auf Annegret Schowalter und Günther Gebauer (v.r.) traf.
Wahlkampf 2009: Der damalige Bewerber für ein CDU-Landtagsmandat, Jens Michel, holte Kurt Biedenkopf nach Sebnitz, wo er auf Annegret Schowalter und Günther Gebauer (v.r.) traf. © Archivfoto: Frank Baldauf

Bis ins hohe Alter hätte Kurt Biedenkopf eine intellektuelle Brillanz gehabt, die bewundernswert sei. Noch im vergangenen Jahr haben sich beide persönlich getroffen und ausgetauscht. "Seinen Tod bedauere ich sehr", sagt Michel.

Bürgermeister wird zum Chauffeur

Anfang der 1990er-Jahre traf der langjährige Bürgermeister von Glashütte, Frank Reichel (CDU), zum ersten Mal auf Kurt Biedenkopf. 1992 ging es um die Privatisierung der Uhrenfirma Glashütte Original. „Zusammen haben wir Gespräche geführt.“ Auch die Firma Lange habe man besucht. „Das war sehr wichtig. Kurt Biedenkopf hat gesehen, welches Potenzial die Firmen haben“, sagt Reichel. Es folgten weitere Treffen.

1998 hat der Ratschef mit ihm und anderen den Verein "Haus der Uhr" gegründet. „Ich kann mich noch gut an den Gründungstag erinnert. Es war ein Tag im Dezember, es hatte geschneit. Ich bekam ein Anruf vom Flugdienst in Dresden und wurde gefragt, ob ich den Ministerpräsidenten im Schlottwitz abholen könnte“. Dorthin würde er mit einem Hubschrauber gebracht. Frank Reichel sagte zu und holte ihn mit seinem Auto ab: „Das war schon ein besonderer Moment.“ Biedenkopf wurde Gründungsmitglied Nummer eins. Auch später habe sich Biedenkopf für Glashütte engagiert. Oft war er in den Uhrenbetrieben zu Gast. Auch für die Gründung der Museumsstiftung engagierte er sich.

Ronald Boldt (li.), damals Prokurist des Glashütter Uhrenbetriebs, und Adolf Görgl (re.), der für die historische Sammlung verantwortlich war, zeigten Anfang der 1990er-Jahre Ministerpräsident Kurt Biedenkopf den Betrieb. Es war einer der vielen Besuche B
Ronald Boldt (li.), damals Prokurist des Glashütter Uhrenbetriebs, und Adolf Görgl (re.), der für die historische Sammlung verantwortlich war, zeigten Anfang der 1990er-Jahre Ministerpräsident Kurt Biedenkopf den Betrieb. Es war einer der vielen Besuche B © SZ/Egbert Kamprath

„Er hat entschieden die Weichen mit gestellt, dass es mit der Uhrenindustrie nach 1990 wieder aufwärtsging.“ Dazu habe er auch knallhart mit der Treuhand verhandelt. „Kurt Biedenkopf war ein sehr angenehmer Mensch, er hat nie den Ministerpräsidenten rausgesteckt“, sagt Frank Reichel. Und er hat viel auf die Bürgermeister gehalten, weil diese die Arbeit vor Ort leisten müssen, sagt er rückblickend. „Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte und das ich mit ihm ein Stück des Weges mitgehen konnte. Für mich war das ein ganz toller Mann.“

Dass Kurt Biedenkopf auch eine andere Seite hat, durfte Ralf Kempe, Chef der IG Interessengemeinschaft Weißeritztalbahn, erleben. Denn Biedenkopf war nicht nur Politiker, sondern auch Eisenbahnfan. „Noch bevor er Ministerpräsident war, hat er die Weißeritztalbahn für Wahlveranstaltungen genutzt“, sagt Kempe. Nachdem er gewählt wurde, habe er ihn mehrmals getroffen, mal in seinem Büro in der Staatskanzlei oder direkt an und in der Bahn.

Privat ein großer Eisenbahnfan: Kurt Biedenkopf und seine Frau Ingrid bei der Wiedereröffnung der Weißeritztalbahn.
Privat ein großer Eisenbahnfan: Kurt Biedenkopf und seine Frau Ingrid bei der Wiedereröffnung der Weißeritztalbahn. © Archivfoto: Egbert Kamprath

Biedenkopf ließ es sich bei seinen Besuchen nicht nehmen, in die Lok einzusteigen, um dort mitzufahren. „Er hatte eine Ausstrahlung und verstand es, Leute mitzunehmen. Das hat mich begeistert“, sagt Kempe. Diese Gabe fehle heute vielen Politikern, sagt der 70-Jährige. Einen Satz werde er nicht vergessen. Zur Zukunft der Bimmel befragt, sagte Biko: „So etwas muss erhalten werden.“ Kempes Kommentar mit Augenzwinkern: „Einem Ministerpräsidenten darf man nicht widersprechen“.

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„Wir haben Prof. Dr. Kurt Biedenkopf als eine beeindruckende Persönlichkeit kennengelernt", sagt Wilhelm Schmid, Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH in Glashütte. Er sei ein vorausschauender Staatsmann gewesen, der es wie kein Zweiter verstand, die Bürger für seine Visionen zu begeistern. Hier in Sachsen sei viel Gutes entstanden, das in der Erinnerung der Menschen dauerhaft mit seinem Namen verbunden bleiben werde. "Dazu gehört auch die Wiedergeburt der sächsischen Uhrenindustrie, für die er sich als Ministerpräsident stets leidenschaftlich eingesetzt hat", sagt Schmid. Die Glashütter und ganz speziell die Mitarbeiter von A. Lange & Söhne würden seinen bedeutenden Anteil daran, dass die Uhrmacherei im Erzgebirge wieder ein Zuhause gefunden hat, nicht vergessen und ihm ein bleibendes Andenken bewahren.

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