merken
PLUS Pirna

Neun Fragen zur Mafa

Vom Schmuddelimage zum Leuchtturm: Heidenau will mit der neuen Mitte berühmt werden. Was es bedeutet, wie es aussehen soll und welche Konsequenzen das hat.

Der Entwurf, der als Grundlage für die Gestaltung der Mafa-Brache dient. Er stammt von einem der bekanntesten deutschen Architekten: Peter Kulka.
Der Entwurf, der als Grundlage für die Gestaltung der Mafa-Brache dient. Er stammt von einem der bekanntesten deutschen Architekten: Peter Kulka. © Architekt: Peter Kulka

Heidenau hat Großes vor. Genauer gesagt die neuen Eigentümer der Mafa-Brache, die sie im vergangenen Jahr im Rahmen der Zwangsversteigerung kauften. Auf den rund sieben Hektar soll in den nächsten Jahren ein neues Gebiet entstehen. Bis zu 1.700 Menschen sollen hier wohnen, arbeiten, leben. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbes hat der deutsche Stararchitekt Peter Kulka den favorisierten Entwurf geliefert. Er und die beiden anderen wurden jetzt in einer Informationsveranstaltung vorgestellt. 

So sieht es derzeit noch aus. Das linke Gebäude mit dem runden Teil gehört zu denen, die erhalten bleiben. Es wurde mit dem Aufräumen und Entmüllen des Mafa-Areals sowie dem Abriss erster Baracken begonnen.
So sieht es derzeit noch aus. Das linke Gebäude mit dem runden Teil gehört zu denen, die erhalten bleiben. Es wurde mit dem Aufräumen und Entmüllen des Mafa-Areals sowie dem Abriss erster Baracken begonnen. © Daniel Schäfer

Wie konkret sind die Pläne?

Es geht zunächst um eine Groborientierung. Entscheidend sind der Erhalt von denkmalgeschützten Gebäuden, die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Leben sowie die Schaffung öffentlicher Einrichtungen. Es gibt also noch keine konkreten Fassaden- und Hausgestaltungen. In den nächsten Schritten können auch Elemente aus den anderen beiden Entwürfen einfließen, sagt Dr. Thomas Stern. Er ist Vorstand der Meiag Sächsische Immobilien AG. Mit der Dresden Haus GmbH bildet er die Projektgesellschaft, die das Vorhaben umsetzen will.

Werden die denkmalgeschützten Gebäude abgerissen?

Von den insgesamt 30 Gebäuden auf den rund sieben Hektar Fläche bleiben fünf denkmalgeschützte im Eingangsbereich stehen. Vier gelten aufgrund ihres Zustandes als nicht erhaltensfähig und sollen abgerissen werden. Für die große Mittelhalle gibt es den Kompromiss, die Fassaden zu erhalten und sie für den Neubau zu nutzen. Für die Abrisse gibt es noch keine Freigabe vom Landratsamt. Und bis die nicht vorliegt, werde man selbstverständlich auch nicht abreißen, sagt Stern. Wenn es dann soweit ist, sollen Dokumentationen zu den Gebäuden erstellt werden. 

Was wird mit dem Mühlgraben?

Der Mühlgraben ist ein Stück historisches Heidenau, ein Stück, das mit der Zeit verschwunden ist. Das, was er einmal war, also durchgehend mit Wasser gefüllt, wird er wohl nie mehr. Dennoch soll der Mühlgraben als solches im neuen Mafa-Areal zumindest in einigen Bereich erkennbar sein. Das heißt, in die Platzgestaltung einbezogen werden und in Teilen, wo er derzeit verrohrt ist, freigelegt werden. 

Stehen dann noch mehr Läden anderswo leer?

Geschäfte, Gaststätten, Cafés - das alles klingt gut. Doch gibt es nicht genug davon, die im "übrigen" Heidenau leer stehen und wovon es dann vielleicht noch mehr gibt? Mafa-Miteigentümer Dr. Stern hat seine Erklärung für den bisherigen Leerstand. Er führt ihn auf mangelnde Attraktivität der Angebote zurück. Fehlen die Angebote, weil die Leute sie nicht wollen oder nutzen sie sie woanders, weil sie in Heidenau fehlen? Das ist die Frage, die sich in Heidenau schon einige Zeit im Kreis dreht. Ob das neue Mafa-Areal die Antwort findet, wird sich zeigen. Klar ist, für entsprechende Angebote muss es eine Nachfrage geben, die es für Anbieter interessant macht, sich eben gerade hier anzusiedeln. 

Welche Auswirkungen haben die neue Bahnstrecke und der Lärmschutz?

Die Stadt erwartet in den nächsten Monaten weitere Aussagen zur neuen Bahnstrecke Dresden-Prag. Damit verbunden ist auch der Lärmschutz in Heidenau. Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) sagt: "Das wird spannend." Mehr Züge, mehr Lärm, mehr Lärmschutz. Das ist zuerst Sache der Bahn. Wie der Schutz konkret aussehen wird, steht noch nicht fest. Mafa-Eigentümer Stern verspricht, baulich nachzubessern, wenn dies erforderlich ist. Bisher sind entsprechende Lärmschutzmaßnahmen außerhalb der Bahnfläche zur Seite der Mafa vorgesehen. Doch das neue Areal hier ist nicht die einzige Wohnbebauung rechts und links der Bahnstrecke durch Heidenau. Der Lärmschutz wird sich also auf das Wohnen hier und die Stadt auswirken, egal wie. 

Kommt tatsächlich eine Schule?

In der Stadt Heidenau reichen, selbst wenn mehr Kinder kommen, die vorhandenen öffentlichen Schulen, sagt Bürgermeister Opitz. Sie selbst wird also keine Schule bauen, was nicht heißt, dass Heidenau nicht als Standort für eine Freie Schule interessant ist. Dazu gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen. Eine solche Schule bedeutet zwar für die städtischen Schulen eine Konkurrenz, aber damit werde man auskommen. Zudem haben Freie Schulen einen größeren Einzugsbereich, und es gibt für Freie Grundschulen keine Grundschulbezirke. 

Braucht Heidenau einen Veranstaltungsort?

Seit dem Wegfall der großen Säle in der Stadt beantworten viele die Frage mit Ja. Doch das reicht den Eigentümern nicht. "Wir werden nur bauen, wenn jemand das will", sagt Stern. Ohne Konzept und Bedarf passiere nichts. Wer am Ende einen solchen Veranstaltungsort mit Möglichkeiten für Filmvorführungen, Konzerte, Vorträge, Lesungen und mehr betreibt, wird vorher genau den Bedarf und die Nutzung kalkulieren Daran sind bisherige Anläufe gescheitert. Das ist ähnlich wie bei Handel und Gastronomie. Doch mit mehr Einwohnern könnte das wieder anders aussehen. 

Wie wird das "alte" und das "neue" Heidenau verbunden?

Heidenau hätte mit dem neuen Gebiet keinen Gewinn, wenn es als Extra-Teil betrachtet wird. Deshalb sind Verbindungen wichtig. Wegemäßige und ideelle. Als Weg gibt es nur den als Mäuseloch bezeichneten Durchgang unter der Bahn von der Thälmann- zur Thomas-Mann-Straße. Viel mehr wird da in absehbarer Zeit auch nicht möglich sein. Die Bahnstrecke bildet eine natürliche Grenze, die zu überwinden schwer ist. Deshalb soll der vorhandene Durchgang entsprechend ausgebaut werden. Die ideelle Verbindung ist das, was die neuen und alten Heidenauer mit den neuen und alten Bedingungen draus machen. 

Wann ziehen die ersten Bewohner ein?

Das kann beim derzeitigen Stand der Planungen nicht genau gesagt werden. Der Plan der Eigentümer ist, in etwa einem Jahr mit dem Bau zu starten. Die letzten Bauarbeiten sollten dann in fünf Jahren beendet sein. Irgendwann dazwischen würden dann auch die ersten Bewohner einziehen. 

1 / 9

Die Informationstafeln zum Vorhaben stehen vom 8. Oktober bis 6. November im Brunneneck vor der Bibliothek. Hier befindet sich auch eine Box, in die die Zettel mit Anregungen und Meinungen eingeworfen werden können.

Anzeige
Eine Automatikuhr für Sammler und Kenner
Eine Automatikuhr für Sammler und Kenner

Die sportlich elegante 29er Casual aus dem Hause Mühle-Glashütte gibt es ab sofort in der auf 300 Stück limitierten Sonderedition „30 Jahre Deutsche Einheit“.

Mehr Nachrichten aus Pirna und Heidenau lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

So sieht es derzeit noch aus. Das linke Gebäude mit dem runden Teil gehört zu denen, die erhalten bleiben. Es wurde mit dem Aufräumen und Entmüllen des Mafa-Areals sowie dem Abriss erster Baracken begonnen.
So sieht es derzeit noch aus. Das linke Gebäude mit dem runden Teil gehört zu denen, die erhalten bleiben. Es wurde mit dem Aufräumen und Entmüllen des Mafa-Areals sowie dem Abriss erster Baracken begonnen. © Daniel Schäfer

Was wird mit dem Mühlgraben?

Der Mühlgraben ist ein Stück historisches Heidenau, ein Stück, das mit der Zeit verschwunden ist. Das, was er einmal war, also durchgehend mit Wasser gefüllt, wird er wohl nie mehr. Dennoch soll der Mühlgraben als solches im neuen Mafa-Areal zumindest in einigen Bereich erkennbar sein. Das heißt, in die Platzgestaltung einbezogen werden und in Teilen, wo er derzeit verrohrt ist, freigelegt werden. 

Stehen dann noch mehr Läden anderswo leer?

Geschäfte, Gaststätten, Cafés - das alles klingt gut. Doch gibt es nicht genug davon, die im "übrigen" Heidenau leer stehen und wovon es dann vielleicht noch mehr gibt? Mafa-Miteigentümer Dr. Stern hat seine Erklärung für den bisherigen Leerstand. Er führt ihn auf mangelnde Attraktivität der Angebote zurück. Fehlen die Angebote, weil die Leute sie nicht wollen oder nutzen sie sie woanders, weil sie in Heidenau fehlen? Das ist die Frage, die sich in Heidenau schon einige Zeit im Kreis dreht. Ob das neue Mafa-Areal die Antwort findet, wird sich zeigen. Klar ist, für entsprechende Angebote muss es eine Nachfrage geben, die es für Anbieter interessant macht, sich eben gerade hier anzusiedeln. 

Welche Auswirkungen haben die neue Bahnstrecke und der Lärmschutz?

Die Stadt erwartet in den nächsten Monaten weitere Aussagen zur neuen Bahnstrecke Dresden-Prag. Damit verbunden ist auch der Lärmschutz in Heidenau. Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) sagt: "Das wird spannend." Mehr Züge, mehr Lärm, mehr Lärmschutz. Das ist zuerst Sache der Bahn. Wie der Schutz konkret aussehen wird, steht noch nicht fest. Mafa-Eigentümer Stern verspricht, baulich nachzubessern, wenn dies erforderlich ist. Bisher sind entsprechende Lärmschutzmaßnahmen außerhalb der Bahnfläche zur Seite der Mafa vorgesehen. Doch das neue Areal hier ist nicht die einzige Wohnbebauung rechts und links der Bahnstrecke durch Heidenau. Der Lärmschutz wird sich also auf das Wohnen hier und die Stadt auswirken, egal wie. 

Kommt tatsächlich eine Schule?

In der Stadt Heidenau reichen, selbst wenn mehr Kinder kommen, die vorhandenen öffentlichen Schulen, sagt Bürgermeister Opitz. Sie selbst wird also keine Schule bauen, was nicht heißt, dass Heidenau nicht als Standort für eine Freie Schule interessant ist. Dazu gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen. Eine solche Schule bedeutet zwar für die städtischen Schulen eine Konkurrenz, aber damit werde man auskommen. Zudem haben Freie Schulen einen größeren Einzugsbereich, und es gibt für Freie Grundschulen keine Grundschulbezirke. 

Braucht Heidenau einen Veranstaltungsort?

Weiterführende Artikel

Erste Infoveranstaltung zum Mafa-Quartier

Erste Infoveranstaltung zum Mafa-Quartier

Es ist ein besonderes Vorhaben, das jetzt unter Corona-Umständen in Heidenau vorgestellt wird. Trotzdem sollen alle Interessenten eine Chance bekommen.

Drei Ideen für die Mafa

Drei Ideen für die Mafa

Die alte Maschinenfabrik soll Heidenaus neue Mitte und Zuhause für bis zu 1.500 Menschen werden. Jetzt nehmen die Pläne Gestalt an.

Seit dem Wegfall der großen Säle in der Stadt beantworten viele die Frage mit Ja. Doch das reicht den Eigentümern nicht. "Wir werden nur bauen, wenn jemand das will", sagt Stern. Ohne Konzept und Bedarf passiere nichts. Wer am Ende einen solchen Veranstaltungsort mit Möglichkeiten für Filmvorführungen, Konzerte, Vorträge, Lesungen und mehr betreibt, wird vorher genau den Bedarf und die Nutzung kalkulieren Daran sind bisherige Anläufe gescheitert. Das ist ähnlich wie bei Handel und Gastronomie. Doch mit mehr Einwohnern könnte das wieder anders aussehen. 

Wie wird das "alte" und das "neue" Heidenau verbunden?

Mehr zum Thema Pirna