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Ab Dezember droht an Tschechiens Grenze Chaos

Das Nachbarland rüstet sein Mautsystem für Autobahnen um - und das wird erfahrungsgemäß viele völlig überraschen.

© Symbolbild: Marko Förster

Kilometerlange Schlangen an der Grenze nach Tschechien. Glaubt man dem tschechischen Verkehrsministerium, droht dieses Szenario Anfang nächster Woche allen Grenzübergängen für Lkw. Grund ist die Einführung eines neuen, satelliten-gestützten Mautsystems in unserem Nachbarland. Alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen deshalb registriert und mit einer neuen Bordeinheit ausgestattet werden.

Allerdings ist bisher nur ein kleiner Teil der deutschen Spediteure dieser Aufforderung nachgekommen. „Aus Deutschland fehlen noch immer drei Viertel der insgesamt 28.000 Fahrzeuge. Das betrifft vor allem kleine Speditionen“, sagt Miroslav Benes, Sprecher des neuen Maut-Betreibers Czech Toll. Nicht besser ist die Situation in Tschechien und anderen Ländern. Laut Beneš sind immer noch über 200.000 Fahrzeuge nicht registriert.

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Das Problem ist, dass ab 1. Dezember die bisherigen Bordeinheiten nicht mehr funktionieren. Ohne neue Bordeinheit ist die Fahrt auf mautpflichtigen Straßen aber verboten und es drohen hohe Strafen. Benes erwartet deshalb, dass die Spediteure ihre Lkws erst bei der Einfahrt nach Tschechien registrieren. Das ist an den Grenzübergängen möglich, wo sich Autofahrer schon heute mit einer Bordeinheit versorgen können. 

„Wir haben unsere Anwesenheit dort noch einmal verstärkt. Auch mobile Teams sind im Einsatz. Doch wir fürchten, dass es trotzdem zu langen Wartezeiten führen wird“, sagt Benes. Während am Sonntag noch Lkw-Fahrverbot herrscht, werden sich ab Montag die Sattelschlepper wie zu Zeiten der Grenzkontrollen kilometerweit zurück nach Deutschland reihen.

Als besonders risikoreich gelten die Übergänge Breitenau/Schönwald (Krasny Les) mit bis zu fünf Kilometern Stau sowie Schirnding/Mühlbach (Pomezi nad Ohri) und Waidhaus/Roßhaupt (Rozvadov). An der Grenze zu Polen und der Slowakei könnten es sogar bis zu 12 Kilometer werden. Zwar ist geplant, Pkws und bereits registrierte Lkws an der Schlange vorbeizuleiten. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten, zumal im Advent traditionell verstärkt tschechische Besucher Richtung Deutschland unterwegs sind.

„Wir haben keine extra Maßnahmen vorbereitet, werden aber wenn nötig reagieren“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Mehr Zeit sollten Autofahrer auf jeden Fall einplanen. Czech Toll rät sogar, die Autobahnübergänge Anfang der Woche ganz zu meiden.

Speditionen sind die Leidtragenden

Bis Mitte der Woche sollte sich der Verkehr wieder beruhigen. So weit hätte es aber nicht kommen brauchen, wie Věra Kovarova meint. Die stellvertretende Chefin der oppositionellen STAN-Partei kritisiert den späten Start der Registrierungsphase. Die begann erst im September. Grund waren Ungereimtheiten bei der Ausschreibung des neuen Maut-Betreibers.

Wie viele Firmen in Sachsen betroffen sind, lässt sich nicht sagen. „Bei uns wurden keine Probleme gemeldet, was nicht heißt, dass es keine gibt“, sagt Dietmar von der Linde, Geschäftsführer des Landesverbandes des sächsischen Verkehrsgewerbes. Und bei der Straßenverkehrs-Genossenschaft (SVG) sieht man den Mautwechsel kritisch.

„Die Ummeldung hat viel zu kurzfristig vor dem heißen Start begonnen und die Informationen flossen nur spärlich“, sagt SVG-Vorstand Tim Zumpe, den der Anmelderückstau deshalb nicht wundert. „Die Leidtragenden sind letztlich die Speditionen.“ Gerade für kleinere Firmen sei der Boxentausch im laufenden Betrieb eine Belastung.

Mehr Präsenz in Breitenau

Zumpe plädiert für die Übernahme des EETS-Systems, das in vielen Ländern vor allem West- und Südeuropas bereits funktioniert. Spediteure brauchen dann für alle Länder nur eine Box. „Die gute Nachricht ist, dass Tschechien auf die Einführung von EETS vorbereitet ist“, sagt Czech-Toll-Sprecher Miroslav Benes. Allerdings gebe es zur Zeit keinen Fahrplan, wann Tschechien dem System beitreten könnte.

Benes empfiehlt den Speditionen, noch jetzt die Zeit zu nutzen, und sich an den über 210 Verkaufsstellen mit einer neuen Bordeinheit auszustatten. Dabei handelt es sich überwiegend um Tankstellen. „Derzeit gibt es noch keine Staus“, sagt Benes und fügt hinzu: „Die Registrierung ist kostenlos. Pro Bordeinheit ist eine Kaution in Höhe von 2.468 Kronen fällig.“ 

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Die verstärkte Präsenz am Grenzübergang Breitenau wird zudem bis Ende Januar aufrecht erhalten. Denn es ist davon auszugehen, dass sich viele Speditionen erst nach und nach mit der neuen Box ausstatten.

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