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Anleitung zum Unglücklichsein

Ein negatives Erlebnis wird erst dann zur Enttäuschung, wenn wir es so bewerten. Fünf Fallen, die Sie vermeiden sollten.

Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig.
Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig. © Matthias Rietschel

Von Ilona Bürgel

Jeden Monat bekomme ich von meiner E-Book-Plattform eine Information, wie sich meine Bücher verkauft haben. Diesmal war mein erster Gedanke: „Mehr nicht?“ Gefolgt von einem Gefühl der Enttäuschung. Ich bin mir sicher, Sie kennen ähnliche Augenblicke – und sei es die Enttäuschung, dass die Waage nach Ihren Abnehmbemühungen nicht anzeigt, was Sie sich gewünscht haben.

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Eine Situation ruft erst dadurch negative Gefühle hervor, dass wir sie negativ bewerten. Habe ich zum Beispiel hundert Bücher verkauft, ist das eine neutrale Information. Wir neigen allerdings dazu, jetzt einen Kontext zu bilden, in der Regel zu unseren Ungunsten. Wir vergleichen mit dem besseren Vormonat, erfolgreicheren Kollegen, höheren Erwartungen.

Erst der Gedanke „zu wenig“ ist unangenehm. Ich könnte ja auch denken: Wie schön, dass es Menschen gibt, die bei dem Überangebot auf dem Buchmarkt meine Bücher kaufen. Oder: Jedes verkaufte Buch ist die Chance für den Verkauf des Vertiefungsbuches.

Natürlich wird es Monate geben, wo die Zahlen besser als erwartet sind. Doch sind wir dann wirklich zufrieden? Oder schleicht sich der Gedanke ein, es könnte schon noch ein bisschen mehr sein – genauso wie beim Einkommen oder Abnehmen? Aus meiner Sicht gibt es vor allem folgende fünf mentale Vergleichsfallen, die uns unglücklich machen:

1. Wenn wir mit „früher“ vergleichen: Früher ist vorbei, der Markt hat sich genauso geändert wie unser Körper oder unsere Partnerschaft. Oft sieht die Vergangenheit aus der aktuellen Perspektive viel besser aus, als sie es war. Oder haben Sie sich, als Sie vor zehn Jahren zehn Kilo schlanker waren, schlank genug gefühlt?

2. Wenn wir uns mit „anderen“ vergleichen: Wir sind nicht die anderen, haben andere Verkaufstaktiken, andere Netzwerke, andere Gewohnheiten. Wir sehen bei den anderen meist nur einen Ausschnitt, zum Beispiel, dass sie bessere Gehälter haben. Dass der Kollege dafür mehrere Zusatzausbildungen absolviert hat oder viel mehr Auto fährt als wir, übersehen wir.

3. Wenn wir selektiv vergleichen: Unser Gehirn konzentriert sich gern auf Probleme und übersieht das Gute. So nehme ich die geringeren Verkaufszahlen wahr, aber nicht, dass mein Buch in einem Magazin gut besprochen wurde.

4. Wenn wir emotional vergleichen, oft aus einer Kränkung oder Enttäuschung heraus: Wir hadern dann mit der Situation oder mit uns, statt nüchtern nach objektiven Gründen zu suchen.

5. Wenn wir nicht ehrlich vergleichen: Es ist scheinbar einfacher, der Situation oder anderen die Verantwortung für ein Ergebnis zuzuschreiben. Doch wenn ich, wie in meinem Fall, keinerlei Marketingaktivitäten in einem Monat unternommen habe, ist es wahrscheinlich, dass nicht viel verkauft wird. Wenn ich bei einem Ernährungskonzept immer wieder Ausnahmen mache, wird es schwierig mit dem Abnehmen.

Fazit: Lassen Sie sich nicht alles von Ihrem Gehirn gefallen. Hüten Sie sich vor allem vor negativen Bewertungen. Diese schaden Ihrem Wohlbefinden und nehmen Ihnen den klaren Blick.

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