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Autopflege kehrt zu Roscher zurück

Anderthalb Jahre nach dem Großbrand ist Ronny Kubik wieder da. Und plötzlich kommen auch die Kunden wieder.

Ronny Kubik (vorn) und sein Mitarbeiter Nils Langer sind mit der Firma Autopflege Görlitz wieder auf dem Roscher-Gelände zu finden.
Ronny Kubik (vorn) und sein Mitarbeiter Nils Langer sind mit der Firma Autopflege Görlitz wieder auf dem Roscher-Gelände zu finden. © Nikolai Schmidt

Ohne Hilfe hätte Ronny Kubik das alles nicht durchgestanden, da ist er sich ziemlich sicher. „Familie und Freunde haben stets hinter mir gestanden und mich in der ersten Zeit wieder aufgebaut“, sagt der 42-Jährige, der seit 2008 mit seiner Firma Autopflege Görlitz selbstständig ist.

Dieses Bild stammt vom März 2019. Ronny Kubik (l.) war damals nach dem Roscher-Großbrand mit seiner Firma Autopflege Görlitz vorübergehend bei Gunnar Loitsch an der Friedrich-Engels-Straße 31 in Weinhübel untergekommen.
Dieses Bild stammt vom März 2019. Ronny Kubik (l.) war damals nach dem Roscher-Großbrand mit seiner Firma Autopflege Görlitz vorübergehend bei Gunnar Loitsch an der Friedrich-Engels-Straße 31 in Weinhübel untergekommen. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Die ganzen Jahre hatte er seine Räume im Roscher-Gelände an der Reichenbacher Straße. Als der Gewerbepark am 25. Februar vorigen Jahres in Flammen aufging, verlor er seine berufliche Existenz. Ganz besonders dankbar ist er denen, die ihm seither berufliches Asyl gaben: Der freien Kfz-Werkstatt von Gunnar Loitsch an der Friedrich-Engels-Straße in Weinhübel, wo er seine Kunden mit Autowäsche, Lackpflege und Innenraumreinigung weiterbedienen konnte, und der Firma Brandschutztechnik, wo er auch schon zuvor Neufahrzeuge gereinigt und poliert hat und auch nach dem Brand weiterhin aktiv blieb.

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Auf 30.000 Euro Schaden sitzengeblieben

Daran ändert sich auch künftig nichts. Mit allem anderen aber ist er seit vorigem Montag zurück in seinen alten Räumen bei Roscher – und auch schon voll arbeitsfähig. Er kümmert sich hier wieder um seine beiden Schwerpunkte: Handwäsche und Aufbereitung von Fahrzeugen. „Die Fläche ist fast dieselbe geblieben, nur wenige Quadratmeter sind hinzugekommen“, sagt Kubik. Drinnen aber ist alles neu, denn außer den Wänden war nichts mehr da. „Ich hatte einen Schaden von 43.000 Euro, davon hat die Versicherung 13.000 Euro übernommen“, sagt er. Hinzu kamen die drei Autos, die drinnen standen, als der Brand ausbrach. Die waren alle drei versichert. Auf den 30.000 Euro ist Kubik aber sitzengeblieben, die bezahlt ihm niemand.

Doch wenn die Sache ein Gutes hatte, dann die, dass in der Werkstatt jetzt alles neu und besser als je zuvor ist. Es gibt einen ordentlich gefliesten Boden und vor allem eine richtige Hebebühne, die Autos mit einem Gewicht von fünf Tonnen anheben kann, also auch Transporter. „Vorher hatte ich nur eine kleine mobile Hebebühne“, berichtet er. Die Neue fährt 2,10 Meter hoch. „So kann ich mir den Unterboden zusammen mit dem Kunden im Stehen anschauen“, schwärmt der Inhaber.

Jetzt ist Platz für große Fahrzeuge

Dass ihm Gunnar Loitsch in Weinhübel Asyl gab, hat ihn wahnsinnig gefreut. Aber trotzdem: Bei Roscher ist vieles deutlich besser. Um Transporter, Wohnmobile und Lkws konnte sich Kubik dort nicht kümmern, dafür reichte der Platz schlichtweg nicht aus. Bei Roscher geht das, vier Fahrzeuge passen gleichzeitig in die hohen Räume. Und die Lage ist eine ganz andere. In Weinhübel ist ihm mehr als die Hälfte der privaten Aufträge weggebrochen. Jetzt ist er seit einer Woche zurück bei Roscher – und hat schon die ersten Stammkunden wiedergesehen, die in den vergangenen anderthalb Jahren nicht bei ihm aufgetaucht sind. Offenbar war der Weg nach Weinhübel für viele zu weit. „Die Lage bei Roscher ist wirklich ideal, das ist richtig zentral“, sagt er. Die Lage sei auch der Hauptgrund gewesen, tatsächlich zurückzukehren.

Ursprünglich hatte er das gar nicht vor, er wollte sein eigener Herr sein und nicht mehr weiter Miete zahlen. Doch die Optionen, die er anfangs hatte, zerschlugen sich. Und innerstädtische Neubaustandorte sind in Görlitz schwer zu finden. Also fiel die Entscheidung, doch zu Roscher zurückzukehren. Das hat nun anderthalb Jahre gedauert. Und es ist noch immer nicht alles fertig. Zwar sind die 100 Quadratmeter großen Werkstatträume komplett, aber die knapp 30 Quadratmeter Büro und Toilette fehlen noch. „Ich hoffe, beides kommt bald“, sagt er. Bis dahin muss er eine andere Toilette auf dem Roscher-Gelände nutzen und die Büroarbeit zu Hause erledigen. Selbst Festnetz-Telefonanschluss und Internet hat er bei Roscher noch nicht.

Zwei Autohäuser haben unterstützt

Dass er die anderthalb Jahre wirtschaftlich überlebt hat, hat er nicht nur Loitsch und der Firma Brandschutztechnik zu verdanken, sondern auch zwei Autohäusern: Ford Arndt und Opel Henke. Beide haben Autos zur Aufbereitung nach Weinhübel gebracht und Kubik somit einige Aufträge beschert. Beide waren offenbar zufrieden: Sie bringen die Autos weiterhin zu ihm, jetzt eben zu Roscher. So gelang es Ronny Kubik auch, seinen einzigen Mitarbeiter Nils Langer (39) weiterzubeschäftigen.

Zum 1. März vorigen Jahres wollte er einen weiteren Mitarbeiter einstellen, weil es bis dahin gut lief. Vier Tage vorher aber zerstörte das Feuer alles. Die Einstellung des neuen Kollegen musste er daraufhin erst einmal verschieben. Vergessen aber ist das Thema nicht. Wenn die Auftragslage wieder das alte Niveau erreicht, soll der dritte Mann eingestellt werden.

Mit dem Brand endlich abgeschlossen

Mit dem Thema Großbrand, das ihm gerade in der ersten Zeit mächtig zugesetzt hat, hat Kubik mittlerweile abgeschlossen. Zwar kann er bis heute nicht verstehen, dass der Verursacher mit einer sehr milden Strafe davongekommen ist und in Markersdorf genauso weitergemacht, wie bis zum Großbrand in Görlitz. „Aber ich grüble nicht mehr nach“, sagt Ronny Kubik: „Jetzt zählt nur noch der Weg nach vorn – und es macht auch wieder Spaß.“

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