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Aufwind für Erinnerungsprojekt

Wie sah es im Kriegsgefangenenlager Stalag VIIIA in Görlitz aus? Das ist heute schwer zu vermitteln. Eine Baracke könnte nun in Polen dabei helfen.

Seit 1942 steht diese Baracke am Lutherplatz, jetzt soll sie nach Polen in das Gelände des ehemaligen Gefangenenlagers Stalag VIIIA.
Seit 1942 steht diese Baracke am Lutherplatz, jetzt soll sie nach Polen in das Gelände des ehemaligen Gefangenenlagers Stalag VIIIA. © Nikolai Schmidt

Nach 78 Jahren nochmal umziehen. Dafür am neuen Ort viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das steht der grünen Baracke am Lutherplatz bevor. Vom kaum beachteten Häuschen zu einem Weltkriegs-Denkmal. Das jedenfalls schwebt dem Meetingpoint Music Messiaen Verein vor, der sich als einziger auf den Aufruf der Stadtverwaltung Görlitz gemeldet hatte. Diese hatte bei Gedenkstätten in ganz Deutschland gefragt, ob jemand die Baracke möchte.  

Denn, da wo sie jetzt steht, kann sie nicht bleiben: auf dem Gelände des Awo-Pflegeheimes an der Krölstraße. 1942 kam sie hierher - zur Erweiterung des damaligen Zentralhospitals. In jenen Jahren wurden Tausende dieser Baracken gebaut - entwickelt von der Nieskyer Firma Christoph & Unmack. Hier arbeitete Konrad Wachsmann, der wie kein anderer für die industrielle Holzbauweise steht und als einer der bedeutendsten Architekten der 1920er und 30er Jahre gilt. Zu Kriegszeiten wurden genau diese in Niesky konzipierten Holzbaracken auch für Konzentrationslager verwendet.

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Ähnliche Baracke stand im Görlitzer Gefangenenlager

Das ist der Grund, warum der Meetingpoint Music Messiaen Verein die Baracke vom Lutherplatz gerne hätte. Seit 2007 arbeitet er die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag VIIIA auf, das 1939 am südöstlichen Stadtrand von Görlitz errichtet wurde und heute in Zgorzelec liegt. 2015 wurde hier das Zentrum für Erinnerung, Bildung und Kultur eröffnet. Die Baracke soll als Zeitzeuge hierher gebracht und restauriert werden, um dann Ausstellungsgebäude zu werden. "Ein ähnlicher Typ Baracke stand damals auf dem Lagergelände. Mit dieser nun wollen wir zeigen, wie es in so einer Baracke damals ausgesehen hat, wie man geschlafen hat oder welche Waschmöglichkeiten es gab", sagt Frank Seibel vom Meetingpoint. Ein Konzept dazu soll im Sommer erarbeitet werden.

Modulbauweise macht den Transport einfacher

Wie genau aber der Transport und Aufbau vonstatten gehen soll und vor allem, wie das finanziert wird, ist noch unklar. Einfach ist das Vorhaben nicht. Immerhin hatten mehrere angefragte Gedenkstätten wegen des hohen Aufwands abgesagt, wie Bürgermeister Michael Wieler berichtet. Wobei der Transport an sich nicht das große Problem werden sollte, schließlich gibt es noch alte Pläne, die genau besagen, wie genau diese Baracken auf- und abgebaut werden. "Die Verantwortung des sauberen Abbaus liegt bei der Awo, der die Baracke gehört", sagt Frank Seibel. Die städtische Denkmalbehörde ist auch mit im Boot, sie soll den Abbau genau dokumentieren. 

Auch die Baracke hinter der Synagoge an der Otto-Müller-Straße war einst ein KZ-Gebäude, und zwar im Biesnitzer Grund.
Auch die Baracke hinter der Synagoge an der Otto-Müller-Straße war einst ein KZ-Gebäude, und zwar im Biesnitzer Grund. © Nikolai Schmidt

Zweite Baracke im Blick

"Wir sind mit einer Baufirma in Verbindung, die in Zeithain schon an einem ähnlichen Projekt gearbeitet hat", sagt Frank Seibel. Von hier soll es demnächst einen Kostenvoranschlag geben. Dann will man sehen, welche Fördermöglichkeiten es gibt. "Wir sind zuversichtlich, dass das Gesamtprojekt bis Jahresende steht und wir es 2021 passend zum Stadtjubiläum realisieren können. Wir wollen das Thema gern in diesen Zusammenhang bringen", sagt Seibel. 

Zusammen mit dem Verein hat er eine weitere Baracke im Blick - jene hinter der Synagoge auf der Otto-Müller-Straße. "Das ist die Arztbaracke aus dem KZ-Außenlager  Biesnitzer Grund und stammt ebenfalls von Christoph & Unmack", so Seibel.   

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