merken
PLUS Dresden

Dresden bekommt einen El-Sherbini-Park

Gut elf Jahre nach dem Mord an einer Ägypterin im Dresdner Landgericht wird nun der Platz vor dem Gebäude zum Marwa El-Sherbini-Park benannt.

Der Park vor dem Landgericht, in dem der Mord an Marwa El-Sherbini verübt wurde, wird bald den Namen des Opfers tragen.
Der Park vor dem Landgericht, in dem der Mord an Marwa El-Sherbini verübt wurde, wird bald den Namen des Opfers tragen. © René Meinig

Dresden. Der rassistische Mord erschütterte am 1. Juli 2009 Dresden und ganz Deutschland. Die Apothekerin aus Ägypten war zuvor von ihrem späteren Mörder in der Öffentlichkeit rassistisch beleidigt worden.

Als der Mann sich vor dem Landgericht verantworten sollte, sagte El-Sherbini als Zeugin aus. Der Täter beleidigte die Frau erneut und ermordete sie mit 18 Messerstichen. 

Anzeige
Eine Automatikuhr für Sammler und Kenner
Eine Automatikuhr für Sammler und Kenner

Die sportlich elegante 29er Casual aus dem Hause Mühle-Glashütte gibt es ab sofort in der auf 300 Stück limitierten Sonderedition „30 Jahre Deutsche Einheit“.

Auf Antrag von Grüne, Linke und SPD ging es nun darum, einen öffentlichen Platz, mit Bezug zu der Tat, nach dem Opfer zu benennen.

Im Stadtrat sprach die stellvertretende Vorsitzende des Dresdner Integrations- und Ausländerbeirates Youmna Fouad Anwar Abdelaziz. Sie war Marwa El-Sherbini-Stipendiatin. Sie verwies auf die konstant hohe Anzahl an rassistischen und menschenfeindlichen Übergriffe in Sachsen. "Dem Park den Namen zu geben, würde unserer Stadt gut zu Gesicht stehen."

Gesellschaft gegen "schleichendes Gift" verteidigen: Mordopfer Marwa El-Sherbini
Gesellschaft gegen "schleichendes Gift" verteidigen: Mordopfer Marwa El-Sherbini © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Margot Gaitzsch (Linke) betonte, dass das Ansinnen mit den Angehörigen des Opfers abgestimmt sei und es "große Zustimmung" gibt. Es biete die Möglichkeit, diesen traurigen Teil der Dresdner Geschichte öffentlich zu machen, so Richard Kaniewski (SPD).

"Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind leider alltägliche Probleme und auch aktuell", verwies Grünen-Fraktionschefin Tina Siebeneicher auf die rechten Übergriffe auf die Gemeinschaftsgärten in Prohlis. "Wir haben kein recht darauf, Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft anders zu behandeln."

CDU und Freie Wähler enthielten sich bei der Debatte und auch in der Abstimmung, einige der freien Wähler stimmten sogar dagegen.

FDP-Stadtrat Holger Hase meinte, man müsse vorsichtig sein, mit der Benennung von Straßen oder Platzen nach Opfern von Gewaltverbrechen. Dies sei häufig "Symbolpolitik". Aber es gebe auch in Dresden Rassismus. "Wir müssen unsere Gesellschaft gegen dieses schleichende Gift verteidigen", so Hase. "Und wir dürfen uns nicht weiter von linken Lager vorführen lassen." Deshalb stimmte die FDP für den Park. 

Weiterführende Artikel

Weiße Rosen für Marwa El-Sherbini

Weiße Rosen für Marwa El-Sherbini

In Dresden gedachten am Mittwoch über 150 Menschen der 2009 im Gerichtssaal ermordeten Ägypterin. Sie setzten damit auch ein Zeichen gegen Rassismus.

Dresden gedenkt Marwa El-Sherbini

Dresden gedenkt Marwa El-Sherbini

Die Ägypterin war 2009 während einer Gerichtsverhandlung ermordet worden. Nun findet eine öffentliche Gedenkveranstaltung für sie statt.

Lediglich die AfD war geschlossen dagegen. Ihr Vertreter sprach von einem "unverhältnismäßigen Umgang mit dem Fall." 

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden