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Besondere Perspektiven am Postplatz

Jetzt dreht sich das Riesenrad am Dresdner Postplatz. Von oben ist zu sehen, wie viel sich in der Stadt verändert. Von Augustusbrücke bis Zwinger-Ausstellung.

Rosmarie Dietze und ihr Enkel Henrik freuen sich über den tollen Blick auf die Dresdner Altstadt aus der Riesenrad-Gondel.
Rosmarie Dietze und ihr Enkel Henrik freuen sich über den tollen Blick auf die Dresdner Altstadt aus der Riesenrad-Gondel. © Sven Ellger

Dresden. Am Freitag, kurz vor zehn, stehen Rosmarie und Michael Dietze als Erste vorm Riesenrad am Postplatz. Der 69-Jährige und die 67-Jährige aus Hühndorf bei Wilsdruff sind hierher gekommen, da sie in der SZ davon gelesen hatten. Mit dabei ist der zehnjährige Enkel Henrik, der aus Bayern zu Besuch gekommen ist. Sie waren schon im vergangenen Jahr mit dem Riesenrad gefahren und wollen dieses Jahr gleich am ersten Tag mit dabei sein. Das Wheel of Vision ist 55 Meter hoch und hat 42 voll klimatisierte Gondeln. Bis 23. August soll es sich täglich von 10 bis 22 Uhr am Postplatz drehen. 

„Es geht los“, ruft ein Mitarbeiter. Die Dietzes steigen ein, die Gondel ruckt an. Langsam schwebt sie empor. Der Zwinger kommt in Sichtweite, dann die Semperoper. „Es ist ein wunderschöner Blick auf Dresden“, schwärmt Rosmarie Dietze. Eigentlich habe sie Höhenangst. Doch sie fahre ihrem Enkel zuliebe mit, der auch gebannt nach unten schaut. Und die Ausblicke würden sie dafür entschädigen, dass sie trotz Höhenangst eingestiegen sei. 

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Bis 23. August wird sich das Riesenrad Wheel of Vision am Postplatz drehen.
Bis 23. August wird sich das Riesenrad Wheel of Vision am Postplatz drehen. © Sven Ellger

Die Gondel ist jetzt ganz oben. „Das ist wunderbar“, sagt Michael Dietze. „Die Silhouette der Altstadt mit der Frauenkirche und der Kreuzkirche sind das Beste.“ Seine Frau findet es ganz wichtig, dass das Riesenrad auch dieses Jahr aufgebaut wurde und seine Runden dreht. „Wegen Corona gibt es schon so viele Einschränkungen in Dresden.“ Da komme diese Attraktion gerade richtig. In der Altstadt war die Hühndorferin schon eine Weile nicht mehr. „Da hat sich sehr viel verändert“, sagt sie beim Blick auf die neuen Häuser am Postplatz und die Baustellen. Direkt zu Füßen des Riesenrads werden die Mary-Ann Apartments errichtet. Zu sehen sind auch die Baustellen vorm Schauspielhaus, im Zwinger und auf der Augustusbrücke.

Diese und viele andere Perspektiven der Dresdner Altstadt und weit darüber hinaus können Fahrgäste von dem 55 Meter hohen Riesenrad aus genießen.
Diese und viele andere Perspektiven der Dresdner Altstadt und weit darüber hinaus können Fahrgäste von dem 55 Meter hohen Riesenrad aus genießen. © Sven Ellger

Zu den Neubauten am Postplatz gibt es geteilte Meinungen bei den Dresdnern. Die einen finden sie schön, andere halten sie jedoch nicht für gelungen.


Die Dietzes drehen noch eine Runde mit dem Riesenrad, dann sind sie wieder unten angekommen. Eine knappe Viertelstunde ist vorbei. „Für diesen Preis hat es sich gelohnt“, resümiert Rosmarie Dietze. Erwachsene zahlen 7,50 Euro, Kinder fünf Euro. „Es war sehr interessant. Ich kann die Fahrt nur weiterempfehlen“, pflichtet ihr Ehemann Michael bei. 

Auch an heißen Tagen kommen Fahrgäste in den Gondeln nicht ins Schwitzen. Denn sie sind voll klimatisiert.
Auch an heißen Tagen kommen Fahrgäste in den Gondeln nicht ins Schwitzen. Denn sie sind voll klimatisiert. © Sven Ellger

Kurz nach zehn sind noch nicht zu viele Fahrgäste gekommen. „Eine Familie ist aber auch ein kleiner Anfang“, so Betriebsleiter Gabriel Pal, der für das Riesenrad zuständig ist. „Ich bin hier Mädchen für alles“, sagt der 42-Jährige schmunzelnd. „Wenn schon alles abgesagt ist, bringen wir wenigstens etwas Freude in die Stadt.“

Betriebsleiter Gabriel Pal und seine Mitarbeiter wollen den Dresdnern in Zeiten ohne große Feste eine Attraktion bieten. Das Riesenrad ist eines der größten Deutschlands.
Betriebsleiter Gabriel Pal und seine Mitarbeiter wollen den Dresdnern in Zeiten ohne große Feste eine Attraktion bieten. Das Riesenrad ist eines der größten Deutschlands. © Sven Ellger

Seit 2004 arbeitet Pal bei der Düsseldorfer Riesenrad-Firma von Oscar Bruch. Ihm mache die Arbeit nach wie vor viel Spaß. Vor 14 Jahren hatte Bruch das jetzt am Postplatz aufgebaute Riesenrad für sechs Millionen Euro gekauft. Es hat unter anderem schon in Budapest, Lyon, Bern und Basel gestanden. Bruchs drei Riesenräder sind die größten Deutschlands. Das Größte ist sogar 60 Meter hoch. Im vergangenen Jahr war Wheel of Vision vor dem Schauspielhaus aufgebaut worden. Weil dort jetzt der Promenadenring ausgebaut wird, ist das dieses Mal nicht möglich. Deshalb steht es jetzt neben dem wachsenden Neubau der Mary-Ann-Apartments am Postplatz zwischen Freiberger und Annenstraße. Betreiber Bruch kündigte schon an, dass er nächstes Jahr sein Riesenrad wieder auf der Fläche vor dem Schauspielhaus aufbauen will.


Wie Dresden sich verändert - vom Riesenrad aus gesehen:

Die Augustusbrücke

Weithin sichtbar ist der gelbe Bauzaun auf der Augustusbrücke. Er trennt die sanierte elbaufwärts liegende Seite von der anderen Brückenhälfte ab, auf der jetzt gearbeitet wird. Nach dem Abbruch wird die neue untere Betonschicht auf Dresdens traditionsreichster Elbebrücke aufgebracht. In Kürze wird der neunte und letzte Bogen am Neustädter Brückenende betoniert.

Die heutige Augustusbrücke ist zwar erst zwischen 1907 und 1910 gebaut worden. Eine erste steinerne Brücke in diesem Bereich wurde aber erstmals 1287 urkundlich erwähnt. Geplant ist, dass die Sanierung der Augustusbrücke im Sommer nächsten Jahres abgeschlossen wird.

Baukräne ragen derzeit an der Augustusbrücke empor. Auch während der Coronakrise haben die Bauleute ohne Pause weitergearbeitet.
Baukräne ragen derzeit an der Augustusbrücke empor. Auch während der Coronakrise haben die Bauleute ohne Pause weitergearbeitet. © Sven Ellger

Die Altstadt-Promenade

Weit fortgeschritten ist die Sanierung des westlichen Promenadenrings um die Altstadt. Seit April wird die Fläche vor dem Schauspielhaus gestaltet, wo das Riesenrad im vergangenen Jahr stand. Zum Auftakt waren die alten Holzbeete abgebrochen und das Pflaster im Bereich der neuen Beete entfernt worden. Am Wasservorhang sollen vier dauerhafte große Pflanzbeete mit integrierten Bänken angelegt und mit attraktiven Gehölzen bepflanzt werden. Damit soll der Postplatz attraktiver werden. Derzeit werden die Betonelemente für die Einfassung der neuen Beete gesetzt. Bis September soll dieser Bereich der Altstadt-Promenade fertig gestaltet werden.

Ausgebaut wird derzeit der Platz vor dem Schauspielhaus. Er wird ein Teil des Promenadenrings um die Altstadt.
Ausgebaut wird derzeit der Platz vor dem Schauspielhaus. Er wird ein Teil des Promenadenrings um die Altstadt. © Sven Ellger

Die Wall-Neubauten

Das Bild auf dem Gelände der früheren Wallanlagen an der heutigen Wallstraße hat sich binnen weniger Jahre völlig geändert. Dort, wo früher ein großer Parkplatz war, stehen jetzt mehrere Neubauten. Zuerst hatte 2017 der Investor Baywobau/CTR am hinteren Ende am Antonsplatz das Haus Merkur übergeben. Dann folgten die Runde Ecke direkt am Postplatz (l.) und der Komplex „Boulevard Am Wall I“. Jetzt hat Baywobau/CTR noch den benachbarten „Boulevard Am Wall II“ fertiggestellt, der hinter den rot-weißen Zäunen zu sehen ist. Der 51 Millionen Euro teure Neubau ist mit 170 Zwei- bis Fünfraumwohnungen der größte an der Wallstraße.

In den vergangenen Jahren sind diese Neubauten zwischen der Marien- und der Wallstraße entstanden.
In den vergangenen Jahren sind diese Neubauten zwischen der Marien- und der Wallstraße entstanden. © Sven Ellger

Die Zwinger-Ausstellung

Im Zwingerhof ist noch die markante Filmkuppel zu sehen, die am Sonntag schließt. Seit Juni 2019 ist dort unter dem Titel „Zwinger Xperience – Die Jahrhunderthochzeit 1719“ eine kurzweilige audivisuelle 270-Grad-Projektion über die Hochzeit des Sohns von August dem Starken zu sehen. Derzeit werden die Bogengalerie L und der Französische Pavillon, die eingerüstet sind, für die viel umfangreichere Schau „Zwinger Xperience“ ausgebaut, die ab Frühjahr 2021 zu sehen sein wird. Der Freistaat investiert rund 14,3 Millionen Euro für den Ausbau. Bis November sollen die Arbeiten soweit sein, dass die neue Zwinger-Ausstellung eingerichtet werden kann.

Dieser Anblick ist nur noch wenige Tage zu sehen. Denn die Filmkuppel im Zwingerhof wird ab 3. Juli abgebaut. Dahinter werden der eingerüstete Französische Pavillon und die Bogengalerie L für die große Zwinger-Ausstellung ausgebaut.
Dieser Anblick ist nur noch wenige Tage zu sehen. Denn die Filmkuppel im Zwingerhof wird ab 3. Juli abgebaut. Dahinter werden der eingerüstete Französische Pavillon und die Bogengalerie L für die große Zwinger-Ausstellung ausgebaut. © Sven Ellger

Die Mary-Ann-Apartments

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Zu Füßen des Riesenrads wächst der Neubau der Mary-Ann-Apartments. Der siebenstöckige Komplex entsteht seit vergangenem Jahr auf dem Gelände des abgebrochenen Fernmeldezentrums. Derzeit wird das oberste Geschoss errichtet. Ende Juli soll der Rohbau stehen. Auf fünf Etagen sind 191 Wohnungen geplant. Im Erdgeschoss sind eine Gaststätte und ein Supermarkt, im ersten Stock Büros vorgesehen. Consus investiert rund 72 Millionen Euro für den Neubau. Er wurde bereits 2017 an die Bayerische Versorgungskammer verkauft. Geplant ist, dass der markante Komplex im Sommer kommenden Jahres fertiggestellt wird.

Auf dem Gelände des früheren Fernmeldezentrums am Postplatz wachsen zu Füßen des Riesenrads die Mary-Ann-Apartments.
Auf dem Gelände des früheren Fernmeldezentrums am Postplatz wachsen zu Füßen des Riesenrads die Mary-Ann-Apartments. © Sven Ellger

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