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Innenstadt erhält einen Neubau

Ein Investor saniert eine Villa an der Christoph-Lüders-Straße in Görlitz. Direkt daneben soll eine zweite entstehen.

Auf dieser Freifläche neben der Firma Allbö Raumausstattung entsteht der Neubau. Rechts ist die Christoph-Lüders-Straße zu sehen.
Auf dieser Freifläche neben der Firma Allbö Raumausstattung entsteht der Neubau. Rechts ist die Christoph-Lüders-Straße zu sehen. © Nikolai Schmidt

Fast 100 Jahre ist sie alt, die Villa aus den frühen 1920er Jahren in der Christoph-Lüders-Straße, direkt zwischen Lidl-Markt und der Firma Allbö Raumausstattung gelegen. Gebaut wurde sie einst als Wohngebäude für die Führungsebene des nahen Waggonbau-Werkes. Sie blieb bis nach 1989 Wohnhaus und wurde anschließend als Bombardier-Verwaltungsgebäude genutzt. Erst seit Kurzem steht sie leer.

Bauleiter Torsten Mattheus von der gleichnamigen Firma steht auf der Fläche, auf der der Neubau errichtet werden soll. Im Hintergrund steht die Bombardier-Villa.
Bauleiter Torsten Mattheus von der gleichnamigen Firma steht auf der Fläche, auf der der Neubau errichtet werden soll. Im Hintergrund steht die Bombardier-Villa. © Nikolai Schmidt

„Am 7. Februar haben wir mit der Sanierung begonnen“, sagt Bauleiter Torsten Mattheus von der gleichnamigen Görlitzer Firma. Für einen Görlitzer Investor, der im Moment nicht namentlich genannt werden will, ist er hier tätig. „Wir arbeiten schon seit 2004 zusammen und haben schon viele Häuser saniert und neu gebaut“, sagt er. Auch in der Christoph-Lüders-Straße passiert beides, Sanierung und Neubau. Die alte Villa nämlich erhält einen Nachbarn, der ungefähr genauso groß sein wird wie sie selbst. Am Montag war der erste Spatenstich, Ende November soll der Rohbau fertig sein, sodass der Innenausbau über den Winter laufen kann. Wann die Mieter einziehen können, hängt von der Trocknung ab, auf jeden Fall aber 2021.

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In der Villa wird nicht viel gemacht

In der Villa geht es schneller, denn sie war in gutem Zustand. Die einzige große Veränderung: Sie erhält einen Aufzug, der auf den Etagen hält. „Er liegt schon bei mir im Lager, in drei Wochen wird er fertig sein“, sagt Mattheus. Darüber hinaus werden die Wohnungseingänge angepasst, die Fußböden erhalten neue Vinyldesignbeläge und die Räume werden gemalert. Viel mehr ist gar nicht nötig, sagt der Bauleiter.

Im Parterre und im ersten Stock soll eine Zahnarztpraxis einziehen, darüber entstehen fünf Mietwohnungen: Je zwei im zweiten und dritten Stock und eine unterm Dach.
Im Parterre und im ersten Stock soll eine Zahnarztpraxis einziehen, darüber entstehen fünf Mietwohnungen: Je zwei im zweiten und dritten Stock und eine unterm Dach. © Nikolai Schmidt

Die ersten drei Wohnungen sind schon vergeben, die Mieter ziehen jetzt im Juli nach und nach ein. Es sind durchweg jüngere Leute, Familien mit Kindern, darunter auch Neu-Görlitzer, die aus Aachen an die Neiße ziehen. Gerade bei Neu-Görlitzern sei die Wohnlage gefragt, schwärmt der Investor. Die laute Hauptstraße vor der Tür stört sie offenbar nicht, stattdessen schätzen sie die Nähe zu Lidl und dem im alten Werk I vorgesehenen künftigen Rewe-XXL-Markt, zur geplanten neuen Oberschule, zu Theater und Klinikum. Und natürlich den Aufzug. Auch Baulärm und -dreck nehmen die Mieter in Kauf – und das noch über viele Monate: Die Arbeiten am Aufzug laufen, das Treppenhaus ist noch unsaniert, die leeren Wohnungen ebenfalls.

Zahnarztpraxis ist geplant

Die drei Familien beziehen große Vierraum-Wohnungen im zweiten und dritten Stock sowie im Dachgeschoss. Im Parterre und im ersten Stock soll eine große Zahnarztpraxis einziehen. „Für die Nutzungsänderung haben wir eine mündliche Zusage vom Bauamt“, sagt Mattheus. Er wartet jetzt noch auf die schriftliche Zusage, dann kann der Umbau beginnen. „Wegen der schweren Zahnarztstühle und anderer Einbauten müssen die Holzbalkendecken verstärkt werden“, sagt er. Auch sonst seien für eine Praxisnutzung noch einige Umbauten nötig. Trotzdem hofft er, dass die Ärzte im Winter einziehen können.

Dann wären im Altbau nur noch zwei Zweiraum-Wohnungen im zweiten und dritten Stock frei. Weil der Investor die Grundrisse nachträglich geändert hat, haben beide keine Balkone mehr. Er versucht jetzt, die Baugenehmigung geändert zu bekommen, um noch weitere Balkone an der Nordseite anbauen zu dürfen. „Der Denkmalschutz lehnt das ab“, sagt er. Notfalls wolle er den gerichtlichen Weg gehen. Ohne Balkone sei es schwer, Mieter zu finden.

So soll der Neubau aussehen, wenn er nächstes Jahr fertig ist. Acht Wohnungen sind geplant, jede von ihnen erhält zwei Balkone.
So soll der Neubau aussehen, wenn er nächstes Jahr fertig ist. Acht Wohnungen sind geplant, jede von ihnen erhält zwei Balkone. © Foto: privat

Im Neubau besteht das Problem nicht. Acht Wohnungen sind dort geplant – und jede von ihnen erhält sogar zwei Balkone. In der Größe variieren sie von der Zwei- bis zur Vierraum-Wohnung. Auch hier wird es einen Aufzug geben. Vermietet ist noch nichts. Anfragen gebe es viele, sagt der Investor: „Ich sammle sie alle, kann aber noch keine Mietverträge machen, weil ich noch nicht genau sagen kann, wann der Bau fertig wird.“ Die Kaltmieten im Alt- und Neubau liegen bei für Görlitzer Verhältnisse stattlichen sechs bis acht Euro pro Quadratmeter. Allerdings errichtet der Investor im Keller des Altbaus ein Blockheizkraftwerk, das beide Gebäude speist. „Dadurch wird es für die Mieter energetisch sehr attraktiv, die Betriebskosten relativieren sich“, sagt er. Zu den Baukosten hingegen will er nicht viel sagen. „Auf jeden Fall liegen sie 20 Prozent höher als noch vor vier oder fünf Jahren“, erklärt er.

14 Garagen sind entstanden

Auch das Außengelände wird völlig umgestaltet. Eine alte Linde, die sehr nah am Altbau stand, musste weichen. Am Hang hinter den Gebäuden sind 14 neue Garagen entstanden: „Eine für Mülltonnen, eine für Fahrräder und zwölf für jeweils eine Wohnung“, erklärt Mattheus. Davor wird eine Fläche als Gästeparkplatz gepflastert, ganz vorn an der Straße entsteht ein großer Parkplatz für die Arztpraxis. Doch es soll auch Grünflächen geben: Ein Hügel ist schon da, ein zweiter zwischen den beiden Gebäuden geplant. Einige Bäume sollen noch gepflanzt werden. „Und falls einzelne Mieter es wollen, kann ich ihnen auf dem Grundstück auch ein bis zwei Kleingärten mit jeweils 150 bis 200 Quadratmetern Fläche anlegen“, erklärt der Investor.

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