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Busfahrer hinterm Absperr-Band 

Kein Schülerverkehr, immer weniger Passagiere: Wie es in Zeiten von Corona mit dem Busverkehr im Landkreis Bautzen weitergeht.

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Bussfahrer werden durch die Absperrung in den Bussen geschützt.
Die Fahrkarten müssen vorher gekauft werden.
Kamenz Bussfahrer werden durch die Absperrung in den Bussen geschützt. Die Fahrkarten müssen vorher gekauft werden. © René Plaul

Kamenz/Bautzen. Die Buslinie 182 fährt Richtung Wittichenau, die 102 nach Bautzen. Die Anzeigetafel am Kamenzer Bahnhof strahlt Dienstagvormittag Normalität aus. Doch das täuscht. Normal ist nichts.

Das können Alexander Maschke und Mario Lorenz vom Büdchen, dem Bahnhofsladen mit Imbiss, am besten beobachten. Die Bahn fahre derzeit viel Luft von A nach B, sagen sie. Das sehe in den Bussen des Regionalverkehrs Regiobus ähnlich aus. Der Schülerverkehr sei quasi zum Erliegen gekommen, nachdem die Landesregierung die Schließung der Schulen angewiesen hat.

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Weiß-rotes Band versperrt in einem der Busse den Gang zum Fahrer, um den Kontakt zu den Passagieren und mögliche Ansteckungsgefahren zu unterbinden. Die Passagiere hätten Verständnis dafür, erklärt ein Fahrer um die Mittagszeit. Die wenigen, die er noch in seinem Bus habe. Aber auch wenn kaum noch Schüler unterwegs seien, könne Regiobus den Schülerverkehr nicht einfach über Nacht einstellen, sagt Andrea Radtke, Geschäftsführerin des Nahverkehrsunternehmens. Denn es seien die Landkreise, die die Linien bestellen und klare Aussagen treffen müssen. 

Dienstagvormittag seien Krisensitzungen gelaufen. Zuerst habe der Kreis Görlitz reagiert. Dort werde noch bis zum Wochenende im Normalbetrieb gefahren und ab Montag auf Ferienfahrplan umgestellt. Aus dem Kreis Bautzen kommt gegen Nachmittag die Information, dass an einem Notfahrplan für den Schülerverkehr gearbeitet werde. „Dieser wird kurzfristig mit den Verkehrsunternehmen abgestimmt“, erklärt Madlen Paul, Pressesprecherin im Landratsamt Bautzen. Am Donnerstag soll es die Entscheidung zu Fahrplanänderungen geben. Frühestens ab Montag, dem 23. März, werde ein geänderter Plan in Kraft treten.

Kunden wollen Tickets zurückgeben

Am Fahrkartenschalter im Büdchen kauft unterdessen eine ältere Dame den Fahrschein für ihre Heimreise nach Hamburg. Sie war zu Besuch bei Verwandten. Mit dem Wissen von heute hätte sie die Reise nach Sachsen gar nicht erst angetreten, gibt sie zu. Sie ist inzwischen ein Exot am Fahrkartenschalter für Bus und Bahn. Tags zuvor war der Andrang noch deutliche größer. Das allerdings, weil viele Kunden ihre Tickets zurückgeben wollten. „Es wird ja auch nicht mehr kontrolliert, ob die Fahrgäste wirklich Tickets haben“, sagt Maschke. Er fürchte, dass dann die wenigen Kunden, die jetzt noch Tickets kaufen, auch noch wegbleiben. 

Vor allem der Ausfall der Schüler als Kundengruppe sei schwer zu verkraften. Alexander Maschke zeigt mit dem Daumen nach unten. Der Kartenverkauf sei mit einem Schlag von 100 Prozent gegen Null gefallen, bei den Pendlern ebenso: „Die Waren sind da, aber die Kunden fehlen“, ergänzt sein Kompagnon. Dabei habe ihr Geschäft die Städtebahnpleite im Vorjahr noch gar nicht verdaut. Und nun werde es von der Virus-Epidemie überrollt.

Regiobus-Geschäftsführerin Andrea Radtke rechnet mit erheblichen Einbußen, wie „überall in der Wirtschaft“, sagt sie: „Wir sitzen alle in Krisensitzungen.“ Ob die Ausfälle zu kompensieren seien, darüber wolle sie nicht spekulieren. „Wir müssen Ruhe bewahren und fahren, solange es bestellt ist.“ Die beiden Büdchen-Inhaber wollen am liebsten gar nicht über die Zukunft nachdenken. Zwei, drei Wochen sei das vielleicht durchzuhalten. Wenn dann keine Unterstützung vom Staat komme, sehe es düster aus.

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