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Musikalischer Mutmacher nach Corona-Drama

Das Heim "Abendfrieden" in Niesky ist am schlimmsten im Kreis betroffen. Stadtfeuerwehr und Bläserchor hatten da eine Idee.

Die Stadtfeuerwehr Niesky leistet Hilfe und fährt die beiden Blasmusiker mit der Drehleiter in die Höhe, damit diese am Altenpflegeheim "Abendfrieden" ein Konzert spielen können für die Bewohner, die ihre Zimmer nicht verlassen dürfen.
Die Stadtfeuerwehr Niesky leistet Hilfe und fährt die beiden Blasmusiker mit der Drehleiter in die Höhe, damit diese am Altenpflegeheim "Abendfrieden" ein Konzert spielen können für die Bewohner, die ihre Zimmer nicht verlassen dürfen. © André Schulze

Schwester Wera steht der Schreck ins Gesicht geschrieben: Was will denn die Feuerwehr bei uns?, fragt die Diakonisse. In der Tat biegt am Dienstagvormittag das Fahrzeug mit der Drehleiter der Stadtfeuerwehr Niesky von der Bautzener Straße zum Krankenhaus ab. Aber kein Notfall hat die Kameraden alarmiert, sondern der Wunsch, den Senioren im "Abendfrieden" eine musikalische Freude zu machen.  Für das Alten- und Pflegeheim, das derzeit seinen Corona-Schock überwindet. Mit 50 infizierten Bewohnern und 30 Mitarbeitern, dazu inzwischen elf Toten hat das Virus viel menschliches Leid in die Einrichtung der Diakonissenanstalt Emmaus gebracht.  

Auf das Feuerwehrfahrzeug warten bereits Imanuel Vollprecht und Thomas Burghard mit ihren Blechblasinstrumenten. Beide gehören dem Bläserchor der Nieskyer Brüderunität an und wollen den Bewohnern in dem Altenpflegeheim in der für sie schweren Zeit eine musikalische Freude machen.

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Bläser vor den Fenstern

Beide steigen in den Korb der Drehleiter, gurten sich an und werden nach oben gehievt, in Augenhöhe der Heimbewohner. Mit kirchlichen und weltlichen Melodien erfreuen sie die Bewohner im "Abendfrieden". Erst an der Vorderseite des Gebäudes, anschließend wechselt die Feuerwehr auf die Rückseite des Gebäudes, damit die beiden Musiker auch den dort wohnenden Senioren ein Ständchen durchs offene Fenster spielen können. Damit erfüllt sich der Wunsch von Oberin Sonja Rönsch, den sie am vergangenen Sonnabend in der SZ geäußert hat: Von einer Hebebühne und zwei schwindelfreien Musikern, die vor dem "Abendfrieden" aufspielen.

Denn noch immer unterliegt das Altenpflegeheim - wie alle solche Einrichtungen in Deutschland - strengen Auflagen. Besuche sind weiter untersagt. Da ist so eine Abwechslung willkommen bei den Bewohnern und dem Personal gleichermaßen. Die Senioren haben diese musikalische Darbietung mit Beifall aus ihren Fenstern angenommen. Dabei soll es nicht bleiben, versichert Oberin Schwester Sonja. Die Feuerwehr wird dieser Tage noch einmal die Drehleiter als Bühne für eine musikalische Darbietung vor das Altenpflegeheim stellen. Damit es zu keinem Massenauflauf vor dem Haus kommt, wird das Ganze bis dahin geheimgehalten.    

Menschen lassen die Senioren nicht allein

Dass die Stadtfeuerwehr und der Bläserchor aus freien Stücken den Bewohnern eine Freude machen und ihnen am Ende in einem an einem Seil befestigten Eimer noch Blumen auf den Balkon stellen, zeigt, dass die alten Leute nicht allein sind. "Wir sind überwältigt von der Anteilnahme der Menschen an den Bewohnern und dem Personal im ,Abendfrieden'", sagt Schwester Sonja.

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Diese Aktion am Dienstag reiht sich ein in weitere in den vergangenen Tagen. Seien es Blumensträuße und Blumenschalen, frisch gebackenen Kuchen, Süßigkeiten oder wie am Dienstag eine musikalische Darbietung. Die Menschen möchten den Bewohnern etwas Gutes tun, ihnen über diese schwierige Zeit hinweg helfen. Auch Schwester Sonia kann jetzt wieder mehr lächeln: "Ich bin froh, dass wir jetzt wieder genügend Personal haben, um die Senioren pflegen und betreuen zu können." Möglich macht das die Solidarität umliegender medizinischer Einrichtungen und Pflegedienste, aber auch die Medizinische Berufsfachschule von Emmaus, die mit einer "Jugendbrigade" vertreten ist. 

Für die Sicherheit der beiden Musiker sorgt Feuerwehrmann Jens Trenkler. Gurttragen ist Pflicht im Korb der Drehleiter. 
Für die Sicherheit der beiden Musiker sorgt Feuerwehrmann Jens Trenkler. Gurttragen ist Pflicht im Korb der Drehleiter.  © André Schulze
Imanuel Vollprecht, links, und Thomas Burghard vom Bläserchor Niesky zeigen sich schwindelfrei. Mit der Drehleiter ging es vor der Hausfassade nach oben. 
Imanuel Vollprecht, links, und Thomas Burghard vom Bläserchor Niesky zeigen sich schwindelfrei. Mit der Drehleiter ging es vor der Hausfassade nach oben.  © André Schulze
Feuerwehrmann Sebastian Schramm bringt die beiden Musiker auf Augenhöhe mit den Bewohnern des Nieskyer Altenpflegeheimes.
Feuerwehrmann Sebastian Schramm bringt die beiden Musiker auf Augenhöhe mit den Bewohnern des Nieskyer Altenpflegeheimes. © André Schulze

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