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Dresdner Flughafen: Neustart in Klotzsche

Nach wochenlangem Stillstand kündigen sich auf dem Dresdner Flughafen die ersten Linienmaschinen an. Der Steuerzahlerbund stellt die Zukunft des Airports in Frage.

Ins Dresdner Flughafen-Terminal soll im Juni wieder Leben einkehren.
Ins Dresdner Flughafen-Terminal soll im Juni wieder Leben einkehren. © Jürgen Lösel

Dresden. Seit fast zwei Monaten herrscht im Dresdner Flughafen-Terminal Totenstille. Die Check-in-Schalter sind geschlossen, die Geschäfte ebenso. S-Bahn-Fahrgäste, die unterm Terminal ankommen, werden über unterirdische Gänge zum Parkhaus und dann ins Freie geleitet. Die Corona-Krise hat den Airport zum Stillstand gezwungen.

Nun, genauer gesagt im Juni, soll es wieder losgehen. Dann werden in Klotzsche wieder Linien- und Urlaubsflieger starten. Als erste Fluggesellschaft hat sich Eurowings angekündigt. Dresden und Düsseldorf will die Lufthansa-Tochter zuerst miteinander verbinden, während die Mutter noch offen lässt, wann sie von Sachsens Landeshauptstadt wieder zu Deutschlands größtem Drehkreuz - Frankfurt - fliegen wird. Auch Stuttgart und Köln sind erst einmal nicht auf der Abflugtafel zu finden.

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Flughäfen fordern Finanzhilfe vom Staat

Für den Dresdner Flughafen geht es jetzt darum, Geld zu verdienen. Um die Mitarbeiter zurück aus der Kurzarbeit zu holen. Aber auch, um die Zukunft des Airports zu sichern. Denn diese wird ausgerechnet in der Corona-Krise infrage gestellt. So rechnet der Bund der Steuerzahler vor, was der Flughafen kostet: Rechne man die Zuschüsse dazu, die Klotzsche von seinen Anteilseignern bekommt, stehe ein Minus von 4,7 Millionen Euro am Ende des Geschäftsjahres 2018. Die Rechnung basiert auf der aktuellsten Bilanz. Für Leipzig gibt der Verein, der sich gegen Steuerverschwendung und Staatsverschuldung einsetzt, einen Verlust in Höhe von gut 13 Millionen Euro an. Überschrieben ist die Mitteilung mit "Teure Ausflüge für die Steuerzahler".

Hauptursache sei die enttäuschende Passagierentwicklung der vergangenen Jahre, so der Steuerzahlerbund. Während die größten deutschen Airports Fluggäste gewannen, sank das Aufkommen an allen zwölf Regionalflughäfen, auch durch die Insolvenzen von Air Berlin und Germania. Hinzu komme die Konkurrenz untereinander. "Insofern ist eine Konsolidierung auch der Regionalflughäfen eigentlich unvermeidlich", heißt es. Gerade Standorte wie Dresden seien in einer schwierigen Lage.

Einen Bezug zur Corona-Krise stellt der Steuerzahlerbund in seiner Stellungnahme nicht her. Der Zeitpunkt der Erklärung ist wohl aber nicht zufällig gewählt worden. Denn der Flughafenverband ADV, dem auch der Dresdner Airport angehört, fordert vom Bund aktuell Finanzhilfen. Die Flughäfen wollen, dass ihnen die Vorhaltekosten für die Betriebsbereitschaft erstattet werden. Außerdem müssten die Flughäfen Zugang zu den Son­der­kre­dit­pro­gram­men der KfW und der Län­der erhal­ten. "Es herrscht Alarm­stufe Rot", sagt ADV-Präsident Ste­fan Schulte. 80 Prozent der Beschäftigten würden sich in Kurzarbeit befinden.

Wie schwierig die Lage derzeit ist, verdeutlicht diese Beispielrechnung: So zahlen Fluggesellschaften für jede Landung eine Gebühr an den Dresdner Flughafen. Für einen einigermaßen neuen Airbus A319 zum Beispiel werden in Klotzsche gut sieben Euro pro Tonne des Höchstabfluggewichtes fällig. Macht knapp 600 Euro. Hinzu kommen Passagier- und Sicherheitsentgelte. Je Gast sind das zusammen rund 15 Euro für Flüge in die EU. Ergibt bei einem gut ausgelasteten A319, der zum Beispiel nach Frankfurt oder Kreta fliegt, noch einmal fast 2.000 Euro. Fürs Abstellen des Flugzeugs verlangt der Airport ebenfalls Geld. Geld das jetzt nicht mehr eingenommen wird - in der Sommersaison, in der täglich weit über 20 Starts auf der Flugtafel stehen würden.

"Die Kos­ten lau­fen wei­ter, Ein­nah­men gibt es fast keine"

Es ist keine direkte Erwiderung auf die Rechnung des Steuerzahlerbundes. Aber der ADV bemüht sich derzeit verstärkt, die Daseinsberechtigung aller deutschen Flughäfen zu unterstreichen. "Ja, aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Pandemie ein Desaster", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Bei­sel. "Die Kos­ten lau­fen wei­ter. Ein­nah­men gibt es fast keine." Doch in den vergangenen Wochen seien im Ausland gestrandete Deutsche zurückgeflogen und Rettungsflüge durchgeführt worden. Nach Dresden wurden zum Beispiel mehrere schwer erkrankte Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich geflogen, um sie hier behandeln zu können.

Um den Einnahmeausfall in der Corona-Krise zu kompensieren, hatte der Mutterkonzern des Dresdner Flughafens, die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG), zum 1. April unter anderem eine Betriebsvereinbarung unterzeichnet, die Kurzarbeit für alle Mitarbeiter ermöglicht. Außerdem ist festgelegt worden, dass Starts und Landungen mindestens 24 Stunden vorher angemeldet werden müssen, humanitäre Flüge ausgenommen. 

Ende März landete unter anderem dieser Militärtransporter mit zwei italienischen Corona-Patienten in Klotzsche.
Ende März landete unter anderem dieser Militärtransporter mit zwei italienischen Corona-Patienten in Klotzsche. © Jürgen Lösel

"Unser wichtigstes Ziel ist es, unsere Arbeitsplätze durch diese Krise zu bringen – das wird uns auch gelingen", sagte Vorstand Götz Ahmelmann Ende März. "Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir unbedingt vermeiden." Am Dresdner Flughafen ist die Landeshauptstadt Dresden indirekt über einen Anteil von 1,9 Prozent an der MFAG beteiligt, die wiederum 94 Prozent am Dresdner Flughafen hält.

Noch in dieser Woche will die Flughafengesellschaft mitteilen, in welchem Umfang der Flugbetrieb in den kommenden Wochen wieder aufgenommen wird, und welche Regeln dann im Terminal gelten. 

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