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Görlitz

Görlitzer Student im Paradies gestrandet

Jonathan Holfert sitzt in der Corona-Krise auf Rarotonga im Südpazifik fest. Er studiert Zahnmedizin und ist für ein Praktikum hier.

Jonathan Holfert aus Görlitz (links) und sein Mitstudent Alexander Marquardt aus Mannheim haben Ostern am menschenleeren Strand auf Rarotonga verbracht. Das ist die größte der 15 Cookinseln im Südpazifik.
Jonathan Holfert aus Görlitz (links) und sein Mitstudent Alexander Marquardt aus Mannheim haben Ostern am menschenleeren Strand auf Rarotonga verbracht. Das ist die größte der 15 Cookinseln im Südpazifik. © Foto: privat

Die Ostereier sind dieses Jahr ein bisschen größer ausgefallen für Jonathan Holfert. Eigentlich waren es Kokosnüsse auf der Insel Rarotonga im Südpazifik. „Das war ein Gemeinschaftsprojekt von dem Hostel, in dem wir derzeit wohnen“, erzählt der gebürtige Görlitzer: „Jeder musste eine Kokosnuss anmalen und dann verstecken.“ Am Ostersonntag – gleichzeitig sein 24. Geburtstag – sollte dann jeder eine Kokosnuss suchen. „Das hat quasi das Osterei ersetzt“, erzählt er.

Die Gestrandeten haben Kokosnüsse wie Ostereier angemalt und für die jeweils anderen versteckt.
Die Gestrandeten haben Kokosnüsse wie Ostereier angemalt und für die jeweils anderen versteckt. © Foto: privat

Rarotonga ist 67 Quadratkilometer groß und die Hauptinsel sowie die am dichtesten besiedelte und größte der 15 Cookinseln. Diese sind ein unabhängiger Inselstaat im südlichen Pazifik, der aber zum Teil an Neuseeland gekoppelt ist. Neuseeland liegt etwa 3.000 Kilometer Luftlinie entfernt, in die andere Richtung sind es rund 4.700 Kilometer bis Hawaii.

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Jonathan Holfert ist in Görlitz nicht ganz unbekannt: Sein Vater Matthias Holfert hat sein 2002 eröffnetes Restaurant „Patrizierhaus St. Jonathan“ in der Peterstraße nach ihm benannt. Da war er gerade sechs Jahre alt. Später machte er hier sein Abitur, war in der Freizeit als Schlagzeuger aktiv – und ging 2016 für sein Studium der Zahnmedizin nach Erlangen. Das ist der Grund, warum er jetzt auf Rarotonga ist: Zusammen mit seinem sehr guten Freund und Mitstudenten Alexander Marquardt (23) aus Mannheim absolviert er dort nach dem siebenten Semester ein Praktikum.

Jonathan Holfert (rechts) und Alexander Marquardt haben auf Rarotonga als Zahnärzte gearbeitet.
Jonathan Holfert (rechts) und Alexander Marquardt haben auf Rarotonga als Zahnärzte gearbeitet. © Foto: privat

„In Deutschland werden alle Arbeitsschritte, die während einer Behandlung am Patienten anstehen, kontrolliert und testiert“, sagt Jonathan Holfert. Das sei natürlich sehr gut so, aber andererseits fehlt ihm die Entscheidungsfreiheit: „Man bekommt nicht die Möglichkeit, sich mal auszuprobieren.“ Auf Rarotonga kann er als normaler Zahnarzt arbeiten und Behandlungen durchführen, die während des Studiums nicht ohne Weiteres möglich wären, zum Beispiel Zahnextraktionen. „Zum anderen hilft man den Ärzten und den Patienten vor Ort ungemein“, sagt er. Alle seien glücklich und dankbar, wenn sie bei den beiden Deutschen in die Behandlung kommen, obwohl diese eigentlich noch Studenten sind. Zudem besteht der Aufenthalt natürlich nicht nur aus Arbeit: „Wir bekommen die Möglichkeit, hier auch einen wunderschönen Urlaub zu verbringen.“

Nach der Ankunft breitete sich Corona auf der Welt aus

Gelandet sind die beiden am 8. März. Da ging es mit Corona weltweit gerade so richtig los. Das bekamen Jonathan Holfert und Alexander Marquardt schnell zu spüren. „Nachdem wir allen vorgestellt wurden, haben die Ärzte festgelegt, dass ab dem nächsten Tag nur noch Notfallbehandlungen durchgeführt werden dürfen, sodass wir im Prinzip nur einen einzigen normalen Arbeitstag hatten“, sagt der Görlitzer. Das bedeutet, dass Zähne nur noch gezogen und nicht anders behandelt werden dürfen, da durch das Bohren und das dabei entstehende Aerosol eine große Infektionsgefahr besteht. „Für uns ist das eigentlich nicht so schlimm, da wir genau für Zahnextraktionen hergekommen sind“, sagt er. Mittlerweile gibt es fünf Teams, von denen jeweils eins immer in der Zahnklinik arbeitet. So wird die Zahl derer, die gleichzeitig in der Klinik sind, reduziert. Die beiden Studenten sind Teil eines solchen Teams, dürfen aber auch an allen anderen Tagen in der Klinik helfen: „Das tun wir auch.“

Bei der Wanderung auf dem Needle-Walk gibt es in der Mitte der Insel eine herrliche Aussicht.
Bei der Wanderung auf dem Needle-Walk gibt es in der Mitte der Insel eine herrliche Aussicht. © Foto: privat

Anfangs gab es auf Rarotonga drei Corona-Verdachtsfälle. Alle drei wurden negativ getestet, später kam kein weiterer Fall hinzu. Doch obwohl die Insel offenbar coronafrei ist, hat sich vieles verändert. Fast alle Bars, Restaurants und Imbisse bieten nur noch Essen zum Mitnehmen an. In Supermärkte dürfen nicht mehr als fünf Personen hinein, und diese dann auch nur allein. Doch auf der anderen Seite hat sich die Insel merklich geleert. Geschätzte 200 Touristen sind noch da. Dadurch bekommt er immer mehr den Lebensstil der Inselbewohner mit, sagt Jonathan Holfert: „Die Insel wird wohl nie wieder so zu erleben sein, da sonst ein Vielfaches an Touristen hier ist.“

Die beiden gehen sehr viel schwimmen, schnorcheln oder relaxen einfach am Strand. Sämtliche Veranstalter für Ausflüge bieten mittlerweile ihre Touren für deutlich weniger Geld an, um die wenigen Touristen, die noch da sind, anzulocken und diesen dann wenigstens ein Lachen bereiten zu können. Neulich haben Jonathan Holfert und Alexander Marquardt eine geführte Tour mit einer Einheimischen gemacht, die sie zu Schildkröten, Stachelrochen und schönen Korallenriffen gebracht hat. Sie waren auch Hochseeangeln und konnten den gefangenen Thunfisch gleich einpacken. Ein Höhepunkt war eine Wanderung auf dem Needle-Walk, bei der sie zur Mitte der Insel gingen und auf einen Felsvorsprung kletterten, von dem sie eine wunderbare Aussicht hatten. Kajaks dürfen sie mittlerweile kostenlos benutzen, sodass sie viele Kajak-Touren machen und die kleinen Vorinseln auf eigene Faust erkunden: „Wir kriegen die Zeit also ganz gut rum.“

Das Schild weist den Weg: Bis Berlin sind es 16.503 Kilometer.
Das Schild weist den Weg: Bis Berlin sind es 16.503 Kilometer. © Foto: privat

Der für den 8. April geplante Rückflug wurde frühzeitig abgesagt. Jonathan Holfert ist bewusst, dass diese Zeit eine einmalige Chance ist: „Wir stecken im Zwiespalt zwischen nach Hause kommen und hier bleiben.“ Einerseits wollen beide noch bleiben, weil es so schön ist und sie in Deutschland zwei Wochen Quarantäne erwarten, anderseits wird vonseiten der Regierung dringend empfohlen, einen Flug wahrzunehmen. Bisher gab es aber noch gar keinen. 

„Niemand weiß, wie sich die Situation entwickelt und wie lange Neuseeland und andere Transitländer ihre Grenzen dicht machen“, sagt Jonathan Holfert: „Da könnte es schon sein, dass wir ansonsten für viele weitere Wochen, wenn nicht sogar einige Monate, festsitzen.“ Aber ein, zwei Wochen würden sie es noch aushalten, sagt er. Jetzt, am Mittwoch, kam die Nachricht, in der ein Rückholflug angekündigt wurde. Wenn alles klappt, geht es am Sonnabend los. Jonathan Holfert wird gleich nach Görlitz kommen und in Quarantäne gehen. Am Montag beginnt das achte Semester: „Wir werden wohl alle Uni-Veranstaltungen online machen können“, sagt er.

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