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Geplatzte Urlaubsträume – und nun?

Umbuchen, stornieren, abwarten: Was Verbraucherschützer SZ-Lesern in Sachen Reiserecht raten.

Ferien auf Balkonien: Sieht so der Sommer 2020 aus?
Ferien auf Balkonien: Sieht so der Sommer 2020 aus? © Silvia Marks/dpa

Zwei Wochen Indien: Das war der Traum, auf den Familie N. aus Freital lange gespart hat. Doch am 12. März, zwei Tage vor Abflug, kam die Absage. Indien hatte wegen der Corona-Pandemie ein Einreiseverbot verhängt, die Lufthansa den Flug nach Mumbai gestrichen. Der Veranstalter, Colibri UmweltReisen aus Berlin, versprach, den Reisepreis von fast 9.000 Euro zu erstatten. Doch auch nach drei Mahnungen passierte nichts. Stattdessen teilte das Unternehmen per E-Mail an Familie N. mit, dass es „aufgrund der Corona Krise Insolvenz beim Amtsgericht Charlottenburg angemeldet hat.“ Colibri ist damit vermutlich das erste Corona-Opfer in der deutschen Reisebranche.

Wie die Freitaler Familie fürchten nun viele Kunden um ihr Geld. Das zeigen auch die zahlreichen Anfragen bei Verbraucherschützern. Nicole Leistner und Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen haben am SZ-Telefon Fragen von Lesern beantwortet.

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Wohin muss ich mich wenden, wenn ich nach der Pleite des Veranstalters mein Geld zurückbekommen will – ans Reisebüro, an den Veranstalter oder an die Versicherung?

Vertragspartner für den Reisevertrag ist in aller Regel der Reiseveranstalter. Der ist auch mein Ansprechpartner zu allen Themen.

Wir haben für Mai die Reise „Bezauberndes Baltikum“ gebucht. Jetzt ist die Restzahlung fällig, aber wir sind unsicher, ob die Reise stattfindet.

Solange die Reise nicht wegen außergewöhnlicher Umstände abgesagt wird, sind Sie zur Zahlung des Restbetrages verpflichtet. Andernfalls verstoßen Sie gegen den Reisevertrag. Aber wie Sie selbst sagen: Derzeit ist völlig ungewiss, ob die derzeitigen Reisebeschränkungen tatsächlich Ende April aufgehoben werden. Dann besteht eine gewisse Gefahr, dass Sie Ihr Geld nicht zurückbekommen. Verbraucher stecken also in einem Dilemma. Wir raten Ihnen, erst einmal abzuwarten. Wenn Sie nicht zahlen, kann der Veranstalter eine Mahnung versenden und Verzugszinsen fordern. Dieses Risiko ist aber vergleichsweise gering. Die Mahnkosten betragen in der Regel fünf Euro, die Zinsen bewegen sich im Cent-Bereich. Außerdem ist uns seit der Corona-Krise noch kein Fall bekannt, wo Veranstalter Mahnungen verschickt haben.

Ich habe für Juli einen Urlaub an der Ostsee geplant und über die Zimmervermittlung in Zingst eine Unterkunft gebucht. Bis Mitte Mai würden nur 15 Prozent Stornogebühren anfallen. Soll ich kündigen?

Das kommt darauf an, ob Sie an Ihren Reiseplänen festhalten wollen oder nicht. Wenn Sie unsicher sind, sind 15 Prozent Stornogebühren so etwas wie der Spatz in der Hand. Oder Sie warten ab, ob die Reisebeschränkungen noch einmal verlängert werden. Allerdings sind bis Juli noch drei Monate Zeit. Insofern ist es durchaus möglich, dass Sie Ihren Urlaub doch noch wie geplant antreten können.

Für meine nun abgesagte Reise nach Vietnam habe ich bereits das Visum bezahlt. Kann ich die Kosten zurückfordern?

Nach unserer Auffassung ist das nicht möglich. Ein Anspruch auf Schadenersatz, der über den Reisepreis hinausgeht, besteht nur, wenn der Schaden vorsätzlich herbeigeführt wurde. Mit anderen Worten: Der Veranstalter hätte zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses wissen müssen, dass er die Reise absagen wird. Das ist aber ziemlich unwahrscheinlich.

Wir haben ein Ferienhaus in Schweden gebucht. Können wir das jetzt kostenfrei stornieren?

Das kommt auf Ihr Reisedatum an. Wenn die Reise noch im April geplant ist, können Sie das Ferienhaus mit Verweis auf die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes und der Ausgehbeschränkungen des Freistaates Sachsen kostenlos stornieren. Für einen späteren Reisezeitraum ist die Rechtslage momentan noch unklar.

Meine Reise nach Ägypten wurde storniert. Wie bekomme ich mein Geld zurück – und bis wann?

Nach der Stornierung muss der Veranstalter den kompletten Reisepreis zurückzahlen, und zwar sofort.

Unser Reiseveranstalter hat uns Gutscheine für die abgesagte Reise nach Mallorca angeboten. Sollen wir uns darauf einlassen?

Viele Reiseunternehmen geraten in große finanzielle Schwierigkeiten, wenn sie jetzt alle Kundengelder zurückzahlen müssen. Die Gutscheine würden ihnen helfen, die kritische Zeit zu überleben. Deshalb unterstützt die Bundesregierung diese Variante. Aus unserer Sicht würden die Bürger damit aber gezwungen, den Unternehmen zinslose Kredite zu geben – und das in einer Situation, wo viele von ihnen selbst ein geringeres Einkommen haben. Wir plädieren stattdessen dafür, die Frist für Rückzahlungen bis Ende April zu verlängern und den Unternehmen mit einem Fonds unter die Arme zu greifen.

Wir wollten vom 20. bis 30. April eine Busreise nach Österreich unternehmen. Der Veranstalter hat die Reise aber noch nicht storniert. Was kann ich tun?

Fordern Sie den Veranstalter zur Rückzahlung des Reisepreises auf und setzen Sie eine Frist – 14 Tage sind hier angemessen. Der Brief sollte am besten als Einschreiben oder – noch besser – als Fax versendet werden. Wenn Sie keine Reaktion bekommen, sollten Sie rechtliche Beratung einholen, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale oder bei einem Anwalt.

Unsere Reise wurde wegen der weltweiten Reisewarnung vorzeitig abgebrochen, und wir mussten zehn Tage vor dem geplanten Ende zurückfliegen. Bekommen wir eine Erstattung, und wie gehen wird diesbezüglich vor?

Sie haben Anspruch auf Rückzahlung des anteiligen Reisepreises, in diesem Fall also für zehn Tage. Allerdings kann der Veranstalter noch die Kosten für den Rückflug abziehen, denn den haben Sie ja bekommen.

Unsere Tochter wurde im Rahmen des Rückholprogramms der Bundesregierung vorzeitig nach Deutschland gebracht. Muss Sie die Flugkosten selbst zahlen, oder gilt dafür ersatzweise ihr ursprüngliches Ticket?

Die Kosten für den vorzeitigen Rückflug trägt wahrscheinlich der Staat. Dafür wurde ja extra ein Hilfsfonds eingerichtet. Das Geld für den bereits bezahlten Rückflug bekommt man nur erstattet, wenn der Flug tatsächlich ausfällt – dann innerhalb einer Woche. Manche Airlines halten ihren Flugbetrieb aber nach wie vor aufrecht. Ihre Tochter müsste dies also genau verfolgen.

Gibt es besondere Stornierungsbedingungen für Rentner?

Davon ist uns nichts bekannt. Und wenn es so etwas gäbe, dann wäre es unzulässig.

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Die Verbraucherzentrale Sachsen berät auch individuell. Termin unter der zentralen Rufnummer 0341-6962929 oder online www.verbraucherzentrale-sachsen.de

Viele wollen abwarten

Fast jeder fünfte Deutsche konnte aufgrund des Coronavirus einen bereits geplanten Urlaub nicht antreten.

Fast die Hälfte lässt ihre Buchung zunächst bestehen und will abwarten.

18 Prozent sind wenig optimistisch und glauben, dass ihr geplanter Urlaub vermutlich ausfällt.

31 Prozent gehen davon aus, dass ein längerer Urlaub in diesem Jahr nicht mehr möglich sein wird. (dpa) 

Quelle: Bundesweite Online-Umfrage von Yougov zwischen dem 23. und 25. März 2020.

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