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Corona-Isolation macht Musiker erfinderisch

Dem Trend zu Homevideos als Ersatz für abgesagte Livekonzerte sind auch Görlitzer Musiker gefolgt. Der Aufwand dahinter ist oft nicht zu sehen.

Der Solofagottist Martin Bandel vom Görlitzer Verein Philmehr! hat wie viele andere Musiker in Corona-Zeiten ein Homevideo aufgenommen, weil Kammerkonzerte gerade nicht stattfinden können.
Der Solofagottist Martin Bandel vom Görlitzer Verein Philmehr! hat wie viele andere Musiker in Corona-Zeiten ein Homevideo aufgenommen, weil Kammerkonzerte gerade nicht stattfinden können. © PhilMehr!

Wer in diesen Wochen Musiker fragt, wie sie die "Corona-Zeit" verbringen, der hört vor allem: Die Proben und Konzerte fehlen uns, wir möchten auftreten! Wohl deshalb sind derzeit zahlreiche Videos im Netz unterwegs, die Musiker in ihren jeweiligen Wohnungen aufgenommen haben

 Jeder für sich spielt seine Stimme, alles zusammen ergibt ein kleines Konzert, obwohl die Musiker das Werk nicht gemeinsam aufgenommen haben. Sondern einer hat am Rechner alle Videos zusammengefügt und ein kleines Gesamtkunstwerk kreiert. 

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Aufwendiges Dreieinhalb-Minuten-Video

Stefan Dedek, Soloposaunist der Neuen Lausitzer Philharmonie, hat das für den Görlitzer Kammermusikverein Philmehr! übernommen und ein Video veröffentlicht, an dem 14 Musiker mitgewirkt haben. "Ich hätte nie gedacht, wie aufwendig das ist", sagt Stefan Dedek, der dem Verein vorsteht, seit dessen Gründerin Vera Tacke 2014 nach Hamburg gezogen ist. Das Stück "Zwischen Gestern und Morgen" komponierte er damals zu ihrem Abschied. Jetzt hat er es für die 14 Musiker neu arrangiert. 

In Corona-Zeiten ohne Konzerte und Proben nehmen viele Musiker zu Hause Videos auf und schneiden sie zu "Konzerten" zusammen. Zum Beispiel der Görlitzer Philmehr!-Verein mit Musikern der Neuen Lausitzer Philharmonie und aus deren Umfeld.
In Corona-Zeiten ohne Konzerte und Proben nehmen viele Musiker zu Hause Videos auf und schneiden sie zu "Konzerten" zusammen. Zum Beispiel der Görlitzer Philmehr!-Verein mit Musikern der Neuen Lausitzer Philharmonie und aus deren Umfeld. © PhilMehr!

Gemeinsam per Videochat zu musizieren und das Ergebnis aufzunehmen, sei wegen der zeitlichen Verzögerung nicht möglich, sagt er. Also habe jeder Musiker nach dem Metronom seine Partie im richtigen Tempo eingespielt und aufgenommen.

"Danach habe ich mehrere Tage und Nächte daran gesessen, alles aufeinander abzustimmen und so zusammenzufügen, dass es wie ein gemeinsames Stück klingt", sagt Stefan Dedek. Fast eine ganze Woche Arbeit stecke darin, aber der Aufwand habe sich gelohnt: Nun sei er mit der Technik vertraut und für weitere Aufnahmen vorbereitet. 

Trost für neue Kammermusikreihe

Dieses Video erschien bereits am 4. April, als der Philmehr!-Verein das erste Konzert der neuen Kammerkonzertreihe "Schatzkammermusik" im Schönhof geben wollte. "Wir waren so froh über diese neue Kooperation mit dem Schlesischen Museum", sagt Stefan Dedek.

"Umso wichtiger war es uns, Kontakt zu unserem Publikum zu halten, als klar war, dass es ausfällt." Seitdem sind weitere Videos entstanden, mal mit kleineren Besetzungen, mal mit solistischen Darbietungen. 

Mehr musikalische Grüße in den nächsten Wochen

Ein Fagott-Terzett ist seit Karfreitag auf Youtube zu erleben und seit Ostersonntag ein Barockstück, das die Sopranistin Maria Skiba, der Lautenist Frank Pschichholz und Stefan Dedek an der Barockposaune eingespielt haben.

Voriges Wochenende ging ein Video online, in dem der Solofagottist Martin Bandel im bunten Baumhaus seiner Kinder ein Stück spielte. In den kommenden Wochen will der Philmehr!-Verein weitere musikalische Grüße auf seinem Youtube-Kanal "Philharmonische Brücken e. V. Görlitz" veröffentlichen. 

Auch Yellowcap hat ein Video veröffentlicht

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Und sie sind nicht die einzigen Görlitzer Musiker, die sich per Videobotschaft an ihr Publikum wenden. "Musikalische Quarantänegrüße" versandten zum Beispiel Björn Bewerich und Julia Bögershausen bereits am 22. März. Und auch die in Görlitz gegründete, heute vor allem Dresdner Ska-Band Yellowcap veröffentlichte jetzt ein Homevideo, das in den jeweiligen Wohnungen der Bandmitglieder entstanden ist.

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