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Ein Geschenk für Maras kranke Ohren

Ein Unternehmer aus Boxberg kleidet in der Schönau-Berzdorfer Grundschule ein Klassenzimmer kostenlos aus - um einem schwerhörigen Mädchen zu helfen.

Die siebenjährige Mara (links) mit ihrer Mutter Sabrina und ihrer kleinen Schwester Mia in Leuba.
Die siebenjährige Mara (links) mit ihrer Mutter Sabrina und ihrer kleinen Schwester Mia in Leuba. © Matthias Weber

Wenn sich Maja mit jemandem unterhält, schaut sie ihrem Gegenüber genau ins Gesicht. Das tut die Siebenjährige aus Leuba nicht nur aus reiner Höflichkeit - sondern auch, weil sie immer ein bisschen an den Lippen mitliest, was gesagt wird. Als Kleinkind hat sie sich diese Fähigkeit antrainiert, um ihre angeborene Schwerhörigkeit zu kompensieren. Denn Mara Vogels Gehör kann nur etwa die Hälfte dessen leisten, was normal wäre.

Seit anderthalb Jahren trägt Mara deshalb spezielle Hörgeräte. Ohne sie könnte sie dem Unterricht in der Schönau-Berzdorfer Grundschule nicht folgen. Per Funk sind die kleinen Geräte, die rosa und lila schimmernd und mit Blümchen und Schmetterlingen verziert in ihren Ohren sitzen, mit einer Art Mikrofon verbunden, das sich die Lehrerin in der Stunde umhängt. "Wenn Kinder etwas vortragen oder vorlesen, legt die Lehrerin das Gerät dann dort auf den Tisch, damit Mara immer alles gut mitbekommt", schildert die Mutter.

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Dennoch ist der Schulalltag enorm anstrengend für die Ohren der Kleinen: Immer dann, wenn mehrere Menschen durcheinander reden - oder es in den Pausen etwas lauter zugeht - hat es Mara schwer. Einzelne Stimmen aus dem Gewirr herauszufiltern ist für das kleine Mädchen Schwerstarbeit und oft gar nicht möglich. Mutter Sabrina Vogel weiß genau, wie es ihrer Kleinen geht. Denn sie leidet selbst - wie auch Maras Opa - an dieser angeborenen Höreinschränkung und kennt die Tücken. "Als ich das erste Mal in dem großen, hallenden Klassenraum in der Schule zum Elterngespräch war, bin ich über die Akustik sehr erschrocken", erinnert sich die 30-Jährige. Sabrina Vogel sprach deshalb mit Klassenlehrerin und Schulleiterin, ob man nicht wenigstens einen Teppich in den Raum legen könne, um das Hallen etwas zu dämpfen. Doch das ließ sich so nicht umsetzen. "Am Ende habe ich dann dem Bürgermeister das Problem geschildert", erinnert sich die Mutter.

Und Christian Hänel (parteilos) hatte die richtige Idee: Er sprach Bernd Ssyckor an, der mit seiner Baufirma gerade an der Schönauer Turnhalle mitarbeitet und dort eine ballwurfsichere Akustikdecke einbaut. Der Unternehmer aus dem Boxberger Ortsteil Uhyst hat auch mit einer derartigen Ausgestaltung von Schulräumen häufiger zu tun und weiß, worauf es ankommt. "Wenn wir ein Projekt für das Klassenzimmer machen würden, kostet es zwischen 5.000 und 6.000 Euro", überschlägt Ssyckor. Sehr viel für die Gemeinde, die gerade um die Turnhallenfinanzierung kämpft. "Deshalb habe ich mich entschlossen, das Material von rund 2.000 Euro zu spenden", sagt Ssyckor. Dem Hausmeister der Gemeinde hat er erklärt, wie er es im Klassenraum anbringen muss und sich am Ende das Ergebnis angesehen: "Das Zimmer ist fertig und abgenommen", erklärt Bernd Ssyckor auf SZ-Nachfrage. Wenn das noch nicht ausreiche, könne sich die Familie gern noch einmal melden.

Wie das Klassenzimmer jetzt klingt, kann Mara allerdings erst im neuen Schuljahr testen. An der Decke sind jetzt zwei sogenannte Akustiksegel angebracht, die Decke ist also mit speziellem Material teilweise abgehangen worden. Und an zwei Wänden im Zimmer ist ab etwa 60 Zentimetern Höhe ein Wandfries aus gelochten Gipskartonplatten anmontiert. "Das minimiert das Stimmengewirr im Raum beträchtlich", erklärt der Spender. Genau das könnte Mara dabei helfen, deutlich stressfreier und besser zu hören.

Maras Mutter Sabrina Vogel kann kaum fassen, dass es nun so schnell Verbesserung für ihre Tochter gibt. Denn aus beruflicher Erfahrung - die Heilerziehungspflegerin arbeitet in der Awo-Kita in Großhennersdorf für die Eingliederung von Integrativkindern - weiß sie, dass man sich auch mit einer kleineren Einschränkung vieles oft mühsam erkämpfen muss. Ihrer Tochter will sie ein ganz normales Leben ermöglichen, sie soll nicht abgestempelt sein. Deshalb ist sie sehr froh, dass die Schönau-Berzdorfer Grundschule und die Gemeinde sich so offen zeigen. Die Spende von Bernd Ssyckor hat die Familie überrascht, verblüfft - und sehr gefreut. "Wir sind wirklich sehr dankbar", sagt sie.

Familie Vogel hofft nun, dass Maras Schulleben so gut läuft wie bislang - vor allem auch dann, wenn sie Fremdsprachen lernen wird. Dass man ihnen nach der Geburt von Mara sagte, die Kleine sei taub, war für die Eltern ein großer Schock. Doch ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Sabrina Vogel, die selbst nahezu unsichtbare Hörgeräte trägt und deren Beeinträchtigung kaum zu spüren ist, weiß aber auch: Heilbar ist die Einschränkung nicht, das Hörvermögen wird weiter abnehmen. Und ohne die Technik im Ohr wäre die Kleine auch jetzt schon recht isoliert. So aber kann Mara die Ferien im kleinen Haus in Leuba, das die Familie nach einem Umzug vom Eigen seit dreieinhalb Jahren bewohnt, gemeinsam mit ihrer zweijährigen Schwester Mia, ihren Eltern und den kleinen Katzenbabys genießen.

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