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Darum kommt die f6 nicht mehr aus Dresden

Die ehemalige Hochburg der Tabakproduktion verliert ihr Markenprodukt. Angeblich liegt es an den Maschinen.

© Foto: Wolfgang Wittchen

Dresden. Yenidze und Jasmatzi, Zepter und Yramos – Dresden war um 1900 ein Zentrum der Zigarettenindustrie. Doch nur noch eine Tabakfabrik arbeitet heute in der Stadt, und sie wird künftig ausschließlich Dreh- und Stopftabak ausliefern. Der Konzern Philip Morris hat die Produktion der f6-Zigarette beendet, der letzten verbliebenen Marke in Dresden. Künftig stopfen Automaten in Polen und Tschechien die Papierhülsen dieser Sorte. Nach SZ-Informationen war diese Verlagerung der Belegschaft für das Jahresende angekündigt worden. Doch laut Unternehmenssprecher Volker Winkel war nun schon im Juni Schluss.

Laut Winkel machten die Zigaretten zuletzt fünf Prozent der Produktionskapazität in der Fabrik in Dresden-Striesen aus. Nur wenige der rund 300 Beschäftigten hatten noch mit der Zigarettenproduktion zu tun. Für sie gebe es in der Fabrik weiterhin Arbeit, sagte Winkel. Er begründete die Verlagerung damit, dass die Dresdner Maschinen neuen Anforderungen nicht mehr genügten: Auf jede Packung muss nach EU-Vorschriften ein Code gedruckt werden, mit dem sich die Lieferkette nachvollziehen lässt. Das sei mit den bisherigen Maschinen nicht möglich gewesen. Allerdings hat Philip Morris die Verpackung nun ohnehin von „Softpacks“ auf „Flip-Top-Boxes“ umgestellt, also die verbreiteten Schachteln mit Deckel zum Aufklappen.

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Testrauchen 1952 in der Zigarettenfabrik Jasmatzi und Söhne.
Testrauchen 1952 in der Zigarettenfabrik Jasmatzi und Söhne. © Foto: SLUB/ Erich Höhne und Erich Pohl

Was in der DDR eine bekannte Marke war, kommt nun aus den Philip-Morris-Fabriken in Kutna Hora in Tschechien und Krakau in Polen. Die sind weitaus größer als die Dresdner Fabrik des Konzerns. In Kutna Hora beschäftigt Philip Morris mehr als 800 Menschen. Für Polen spricht der Konzern von mehr als 3 000 Beschäftigten in der Fabrik in Krakau sowie in Büros in Warschau und in der Logistik. Die Fabrik in Kutna Hora ist in Modulbauweise errichtet worden und hat Platz zum Wachsen, weiß auch Volkmar Heinrich, Chef der zuständigen Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in Dresden. Er erklärt auch, dass der Name f6 für Filterzigarette und 60er-Jahre steht.

Heinrich schätzt das Ende der Zigarettenproduktion für die Dresdner Belegschaft nicht als bedrohlich ein. Die bestehende Fabrik sei mit dem Krümeltabak zum Selberdrehen bisher ausgelastet gewesen. Die Fabrik ist eine Mischung aus Alt und Neu, leichter Tabakgeruch ist in der Nachbarschaft häufig zu riechen, und der Lastwagenverkehr deutet auf gute Geschäfte hin. Etwa 80 Beschäftigte dort gehen über ein Altersteilzeitprogramm ohnehin bis Ende nächsten Jahres in Rente. Der Standort ist schon verkleinert worden, Gebäude wurden verkauft. Bevor daraus Wohnungen werden, findet bis 1. September dort einmalig in diesem Jahr die Kunstausstellung Ostrale statt.

Philip Morris - f6 - Zigarettenfabrik Dresden - Logo an der Fassade der Fabrik
Philip Morris - f6 - Zigarettenfabrik Dresden - Logo an der Fassade der Fabrik © Christian Suhrbier / Morgenpost

Doch der Gewerkschafter Heinrich sorgt sich, ob der Standort langfristig gesichert werden kann. Der Preisvorteil für losen Tabak sichert zunächst die Nachfrage. Doch für die Zukunft hatte Heinrich auf die geplante neue Fabrik des Philip-Morris-Konzerns am Dresdner Flughafen gehofft. 500 Arbeitsplätze sollten dort voriges Jahr entstehen, doch der erste Spatenstich fand nie statt. Der Tabakkonzern hat das Grundstück gekauft und hält laut Sprecher Winkler auch grundsätzlich an seinen Plänen fest. Dort sollten Tabakstäbchen hergestellt werden, die wie kurze Zigaretten aussehen: Heets, die im elektronischen Mundstück namens Iqos erhitzt statt wie Zigaretten verbrannt werden.

Trotz mehrerer Werbekampagnen in Großstädten wie Dresden wurde die Nachfrage nach den Heißtabak-Stäbchen nie so groß, dass Philip Morris die zusätzliche Fabrik brauchte. Der Konzern muss erst einmal seine bestehenden Heets-Fabriken in Italien, Griechenland und Rumänien auslasten. Sprecher Winkler betont, Philip Morris gebe weiterhin ein „klares Bekenntnis zum Standort Dresden“ ab. Die neue Fabrik werde gebaut, wenn sich der Markt für den Heißtabak gut entwickle.

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Auf einen anderen Arbeitsplatz im gleichen Konzern in Deutschland können die Dresdner Beschäftigten nicht hoffen: In Gräfelfing bei München sitzt nur die Verwaltung. Die andere Fabrik in Berlin-Neukölln wird zum Jahresende geschlossen, wie Philip Morris überraschend im Mai mitteilte. Dort arbeiten rund 1 000 Menschen. Laut Gewerkschafter Heinrich sollen etwa 25 von ihnen von Berlin nach Dresden wechseln.

Bisher kamen die Zigaretten der Marke f6 aus Dresden, nun ist die Fabrik nur noch für Dreh- und Stopftabak zuständig. 
Bisher kamen die Zigaretten der Marke f6 aus Dresden, nun ist die Fabrik nur noch für Dreh- und Stopftabak zuständig.  © Foto: Robert Michael

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