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Freital

Wie der Innenminister seinen Wahlkreis verteidigt

Roland Wöller gewinnt das Direktmandat in Freital, Dorfhain, Tharandt und Wilsdruff. Dabei bekommt er ungewohnte Unterstützung.

Roland Wöller und seine Ehefrau Corinna Franke-Wöller verfolgen auf Gut Pesterwitz am Handy die Zwischenstände am Wahlabend.
Roland Wöller und seine Ehefrau Corinna Franke-Wöller verfolgen auf Gut Pesterwitz am Handy die Zwischenstände am Wahlabend. © Andreas Weihs

Als Roland Wöller am Sonntagabend um 19.34 Uhr auf Gut Pesterwitz eintrifft, lehnt er noch alle Glückwünsche seiner Parteifreunde ab. Einzig seine Frau Corinna herzt er, es gibt Küsschen, sie hat Blumen für ihn. Doch noch ist nicht klar, wer den Wahlkreis 48 mit Freital, Dorfhain, Tharandt und Wilsdruff für die nächsten fünf Jahre im Landtag vertreten wird.

Sein Kontrahent: Norbert Mayer von der AfD. Der Freitaler Ex-CDU-Mann hat zunächst die Stimmenauszählung in einem Wahllokal verfolgt und ist dann nach Dresden gefahren zur zentralen Wahlparty der AfD. Dort ist die Stimmung natürlich prächtig, wenngleich Sachsens AfD-Chef Jörg Urban schon von Neuwahlen spricht, die er einklagen will, weil von der Liste der Partei nur 30 Kandidaten zugelassen worden sind. Norbert Mayer steht dort an 27. Stelle. Das heißt, er ist sicher drin im Landtag, egal ob er mehr Erststimmen auf sich vereinen kann als Roland Wöller.

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Für den amtierenden Innenminister hingegen heißt es warten, bis alle Wahllokale ausgezählt sind. In Pesterwitz kommt er zwar mit guter Laune an, das Gesamtergebnis der CDU ist ja doch besser als erwartet, doch die Nervosität ist ihm anzumerken. Er kann eben nicht auf die Liste vertrauen. Sein erneuter Einzug in den Landtag hängt vom Direktmandat ab.

Viele wählen taktisch

Im Wahlkampf hatte die CDU vor allem am Schluss noch einmal richtig investiert. Die AfD als stärkste Kraft in Sachsen? Das sollte unbedingt verhindert werden. So hat auch Roland Wöller in seinem Wahlkreis ordentlich Klinken geputzt und um Wählerstimmen geworben. Auch seine Wahlkampfhelfer waren viel unterwegs. So einen intensiven Wahlkampf habe die CDU noch nie gemacht, heißt es aus Parteikreisen.

Am Ende hat auch das zum Erfolg beigetragen. Vor allem aber war es wohl der Wunsch vieler, die sonst nicht den CDU-Kandidaten wählen und auch das zweite Kreuz nicht bei den Konservativen gesetzt haben, dass ihr Wahlkreis nicht von einem AfD-Mann repräsentiert wird. Stichwort: taktisches Wählen. Denn nur so lässt sich erklären, warum Roland Wöller als Direktkandidat deutlich mehr Stimmen bekommen hat als die CDU-Zweitstimmen.

„Am Ende zählt das Ergebnis“, sagt Wöller, als sein Sieg kurz nach 22 Uhr endlich feststeht. „Deshalb herzlichen Dank allen Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen.“ Er sehe das als Auftrag und Ansporn, die vielen Dinge, die man in der Region angestoßen habe, jetzt fortzuführen. „Dorfhain, Tharandt, Wilsdruff und Freital haben großes Potenzial“, sagt Wöller. Er werde sich dafür einsetzen, dass das Behördenzentrum in Freital am Standort der alten Lederfabrik vorankommt, dass Arbeitsplätze entstehen und dass die Menschen gerne in der Region wohnen und leben.

© SZ-Grafik

Norbert Mayer sieht sich als Kandidat der AfD nicht wirklich als Verlierer im Wahlkreis. Es habe sich wieder eine Art nationale Front gebildet, so Mayer, die schädlich sei für die Demokratie. Damit meint er das Stimmverhalten vieler Wähler, die ihre Erststimme Wöller gegeben haben, die Zweitstimme aber nicht der CDU.

Mit seinem Ergebnis ist Mayer dennoch zufrieden. „Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Wer kämpft, kann auch verlieren“, sagt Mayer und tut es ganz offensichtlich erhobenen Hauptes.

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Über die Liste zieht er nun erstmals in den Landtag ein. Was will er dort bewegen? „Ich werde versuchen, in den Wahlprüfungsausschuss zu kommen“, sagt er. Die aus Sicht der AfD unzulässige Listenkürzung sei „ein schlimmes Vergehen gegen die Demokratie“, wie es Mayer nennt. Außerdem will er seine Idee weiterverfolgen, das Landeserziehungsgeld so aufzustocken, dass Eltern wirtschaftlich abgesichert sind, die ihre Kinder die ersten drei Jahre zu Hause betreuen. So könne der Erziehernotstand gelöst werden.

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