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Der Balladen-Typ

Andreas Goldmann schreibt seit 29 Jahren die Musik zur Dresdner Striezelmarkt-CD. Auch „Barock me, Gräfin Cosel“ im Boulevardtheater ist von ihm.

Von Kathrin Krüger
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Ist eigentlich ausgebildeter Sänger: Andreas Goldmann (55) hat mit dem Boulevardtheater Dresden, dem Striezelmarkt und den Krabat-Festspielen feste Auftraggeber.
Ist eigentlich ausgebildeter Sänger: Andreas Goldmann (55) hat mit dem Boulevardtheater Dresden, dem Striezelmarkt und den Krabat-Festspielen feste Auftraggeber. © Sven Ellger

Der Mann hat die Ruhe weg. In seiner ganzen Leibesfülle glaubt man Andreas Goldmann aufs Wort, dass er mit der Cosel ein halbes Jahr schwanger ging. Gemeint ist natürlich die Musik des neuen Kassenschlagers im Boulevardtheater Dresden „Barock me, Gräfin Cosel“. Das „perückte“ Musical hatte Ende Oktober Premiere und wird demnächst wieder aufgeführt. Haus- und Hofkomponist „Goldi“, wie ihn seine Freunde nennen, durfte die schmissigen Songs dazu schreiben. 

Nun legt er am 29. November auch die CD zum Stück auf den Tresen. Kostenpunkt wie immer: 10 Euro. „So können die Besucher über die Musik das Gefühl der Vorstellung mit nach Hause nehmen“, sagt der Komponist. 50 bis 60 Scheiben würden auch bei anderen Stücken pro Abend abgesetzt, zählt Theatersprecher Rex Jakob vor.

Immer, wenn Olaf Becker Regie führt, ist Andreas Goldmann als Komponist im Boulevardtheater mit von der Partie. Das Gespann kennt sich schon von der Comödie, von der beide vor fünf Jahren wechselten – als das Haus in der Materniestraße seine Arbeit aufnahm. Beckers Ideen finden in Goldmanns Kopf sinnvollen Widerhall. „Es dauert eine Weile, bis ich den richtigen Stil finde“, so der gemütliche Komponist, der sich gern als Balladen-Typ definiert. Doch er weiß nach so vielen Jahren im Geschäft, was ihn inspiriert.

Menschen sind dafür empfänglich

Im historisch-poppigen Musical „Barock me“ war vorgegeben, dass Anleihen bei Bach und Händel in die Musik einfließen sollten. Aber so, dass es modern rüberkommt, ohne avantgardistisch zu wirken. Andreas Goldmann stellte sich also vor, wie Händel oder Bach heute komponieren würden. Eingängig wie er, davon ist „Goldi“ überzeugt.

Er steht dazu, dass sein populärer Stil massentauglich ist. „Die meisten Menschen sind dafür empfänglich“, ist Andreas Goldmann Rechtfertigung genug. Allerdings würde er auch nicht alles schön schreiben. So hat er den Darstellern des Barockicals ihre musikalischen Parts auf den Leib komponiert: die Stärken betont, die Schwächen umschifft. August der Starke, die Cosel, Diva Isabella und die anderen dürfen sich mit opulenten Songs zeigen.

Andreas Goldmann hat ein großes Repertoire an Titeln im Kopf, ein Musikarchiv, aus dem er für den passenden Stil nur die richtige Schublade ziehen muss. „Das kommt auf das Genre an, das ich gerade bediene“, sagt er. Er höre selber viel Musik, um seinen eigenen Song draus zu machen.

So war es auch beim „Knusperhaus“, der 29. Striezelmarkt-Geschichte. Pünktlich zur Eröffnung des Dresdner Weihnachtsmarktes wird dieses neue Abenteuer mit den Zwergen des Weihnachtsmannes erscheinen. Die Musik im „Disney-Schneewittchen-Stil“ wird natürlich auch täglich auf der Bühne zu hören sein. Da Andreas Goldmann ausgebildeter Sänger ist – der gebürtige Burgstädter studierte an der Dresdner Musikhochschule – spricht und singt der 55-Jährige selbst einen Zwerg. Das macht ihm großen Spaß – schon seit vielen Jahren. 

Bereits 1993 hat Goldmann die ersten Weihnachtslieder produziert, damals noch im Studio in Medingen bei Radeberg. Sein heutiges Tonstudio in Altfranken müsse man sich nicht mehr so gigantisch vorstellen wie einstmals. „Ein Rechner und zwei Boxen, das war`s“, sagt der Dresdner. Auch Orchesterarrangements entstehen im dortigen Gewerbegebiet, im „Abbey Road Studio“ der Elbmetropole, wie Theatersprecher Rex Jakob scherzt. Hier werden zudem die Hits fürs Radeberger Biertheater und die jährlichen Krabat-Festspiele in Schwarzkollm geboren. 

Die komponiert „Goldi“ im Auftrag von Festspielleiter Alexander Siebecke (46). Eben jenem Produzenten, der den Striezelmarkt verantwortet – der Dresdner des Jahres. Man kennt sich lange und versteht sich gut. Der Vollständigkeit halber muss auch erwähnt werden, dass aus der Feder von Andreas Goldmann die Musik der bekannten Hexe-Baba-Jaga-Stücke drei bis sechs floss. Teil eins des erfolgreichen Straßenfegers mit Rainer König wird im Februar wieder im Boulevardtheater aufgeführt.

Goldmann singt nicht nur bei der Probe seiner Musik für die Schauspieler vor, er singt selbst auch vor Theaterpublikum und wagt sich damit „relativ weit aus seiner Komfortzone“, wie der füllige Mann bekennt: in der Musikkomödie „Azzurro“ ist er am Boulevardtheater ein Eisverkäufer. In „Die Fete endet nie“ gibt er einen Musiker in einer Bar. Andreas Goldmann: „Gesanglich trage ich das weg“. Für die „Legende vom heißen Sommer“ hat er viele Amiga-Hits arrangiert.

Einer der schönsten Momente für den Komponisten ist, wenn am Ende einer Veranstaltung „der Saal steht und tobt“. Und wenn dann die Zuschauer nach einem Autogramm Schlange stehen. Oder nach Gräfin-Cosel-Sekt aus dem Staatsweingut Radebeul. Extra für „Barock me“ geordert. Andreas Goldmann ist eher dem Wein zugetan. Er hat selbst einen Weinberg im Zschonergrund und liebt Urlaub in Frankreich.