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Leben und Stil

Der neue Umwelttrend: Haare waschen mit Seife

Wer umweltbewusst sein will, verzichtet auf das übliche Shampoo und hilft damit nicht nur den Gewässern. Aber auch den Haaren?

Saubere Sache: Ihre Seifen kommen laut Cosmin Katko (l.) und Marc-Simon Wolf von der Seifenmanufaktur Haused Wolf gut an.
Saubere Sache: Ihre Seifen kommen laut Cosmin Katko (l.) und Marc-Simon Wolf von der Seifenmanufaktur Haused Wolf gut an. © Timm Schamberger/dpa

Von Irena Güttel

Sorgsam faltet Cosmin Katko Papier um das duftende Stück Seife auf der Ladentheke. Erst die eine Seite, dann die andere, zum Schluss der Aufkleber. Viele Male am Tag machen er und sein Geschäftspartner Marc-Simon Wolf das. In ihrer Seifenmanufaktur Haused Wolf in Nürnberg ist alles selbst gemacht. Und das Geschäft läuft ihren Angaben nach gut. Der absolute Renner: Haarseife.

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Seife wirkt oft etwas altmodisch. Bei Oma und Opa lag immer so ein ausgewaschenes Stück mit Rissen in einer Seifenschale mit Gumminoppen am Waschbecken. Nicht gerade ansehnlich. Manche Menschen ekeln sich sogar regelrecht vor Seifen, weil sie diese für unhygienisch halten.

Doch das Image der guten alten Seife wandelt sich gerade. „Seifen erleben eine Renaissance“, sagt Marktforscherin Elfriede Dambacher, die auf Naturkosmetik spezialisiert ist. Vor allem wer umweltbewusst und möglichst verpackungsarm konsumieren will, seift Hände, Körper und seit neustem auch Haare ein. „Der Schaum der Seife zerfällt und belastet die Gewässer nicht“, sagt Dambacher. Außerdem sei sie sehr ergiebig. „Ein Stück hält so lange wie vier Flaschen Shampoo oder Duschgel.“

Und davon verbrauchen wir Deutschen eine Menge. Mehr als 14 Milliarden Euro gaben die Verbraucher im vergangenen Jahr nach einer Hochrechnung des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel für Schönheitsprodukte aus. Die Naturkosmetik wächst Dambacher zufolge seit Jahren und kommt inzwischen auf einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent.

Im Geschäft von Haused Wolf stapeln sich Seifen.
Im Geschäft von Haused Wolf stapeln sich Seifen. © dpa

Vor wenigen Tagen traf sich die Branche in Nürnberg auf der internationalen Naturkosmetikmesse Vivaness. Mehrere Aussteller präsentierten dort auch ihre Haarseifen, darunter Treibholz aus Nordrhein-Westfalen. „Die Nachfrage nach Haarseife ist enorm“, sagt Lucia Scheige, die Tochter des Firmeninhabers. Das Unternehmen vertreibt seit einigen Jahren drei verschiedene Haarseifen, die vor allem in Bioläden erhältlich sind. Zurzeit sind die Bestände aber so gut wie leer gekauft. „Aufgrund hoher Nachfrage vergriffen“, steht auf der Homepage. Erst im Mai soll es wahrscheinlich wieder Nachschub geben.

Im Geschäft von Haused Wolf stapeln sich Seifen in Regenbogenfarben, Pastelltönen oder tiefem Schwarz auf Blechen hinter der Kasse. Mehrere Wochen reifen die Stücke dort. In den Regalen steht an einigen Stellen ein Schild: „Ausverkauft – wird gerade nachproduziert.“ Die beiden Besitzer erweitern zurzeit die Produktion und suchen zu ihren vier Mitarbeiterinnen weitere Verstärkung, um die Lücken schneller wieder auffüllen zu können. Bisher rühren sie die Zutaten für ihre Seifen in Zehn-Liter-Töpfen in der Küche hinter dem Verkaufsraum zusammen. „Die Rezepturen sind Betriebsgeheimnis“, sagt Cosmin Katko. Nur so viel verrät er: Die Seife wird nicht gekocht, sondern kalt gerührt – und alle Zutaten sind natürlich.

Das ist nicht bei jeder Haarseife zwingend der Fall. „Es gibt keine Vorschriften, was Haarseife enthalten darf“, sagt Marc-Simon Wolf. „Es gibt auch welche, denen zusätzlich Tenside und Filmbildner hinzugefügt werden.“ Außerdem kann man Haarseifen leicht mit festen Shampoos verwechseln. Die sehen zwar ähnlich wie eine Seife aus, enthalten aber die gleichen Inhaltsstoffe wie flüssiges Shampoo. „Das ist wie bei einer Ernährungsumstellung“, sagt Cosmin Katko. „Man muss die Verpackungsrückseite genau studieren.“ Früher bekam man Haarseifen meist nur in spezialisierten Naturkosmetikgeschäften. Heute gibt es sie auch in Unverpackt-Läden, Biomärkten, Parfümerien und Drogerien. „Der Trend geht in die Breite“, sagt Elmar Keldenich vom Handelsverband Kosmetik. „Er spricht aber eine ganz bestimmte Zielgruppe an.“

Die Drogeriekette dm hat zum Beispiel seit vergangenem Herbst Haarseife im Sortiment. Zusammen mit den festen Shampoos kommt die feste Haarpflege damit auf zehn Produkte. Im Vergleich: Bei den flüssigen Shampoos sind es rund 270. „Wir betrachten die Produkte als Ergänzung unseres Sortiments“, sagt Marketinggeschäftsführer Sebastian Bayer. Ähnlich sieht es bei Konkurrent Rossmann aus: Zurzeit führt er elf feste Shampoos und etwa 280 flüssige.

„Haarseife ist nicht massentauglich“, meint Expertin Dambacher. Wieso? „Über Generationen hinweg hat sich ein Waschempfinden gebildet, dass es extrem schäumen muss und die Haare danach leicht kämmbar sind.“ Das sagt auch Keldenich: „Die Mehrzahl der Menschen wird weiterhin normales Shampoo benutzen.“ (dpa)