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Großenhain

Der Schrank aus der Villa am Bahnhof

Marianne Bley wohnte in der Villa Roch, die bald saniert wird. Ihr Schrank stammt noch von der Besitzerfamilie Roch.

Marianne Bley und der Schrank von Familie Roch. Er stand in der Villa auf dem Boden, als Bley ihn bekam.
Marianne Bley und der Schrank von Familie Roch. Er stand in der Villa auf dem Boden, als Bley ihn bekam. © Anne Hübschmann

Großenhain. Die letzte alte Villa in der Herrmannstraße 26, die lange im Dornröschenschlaf lag, wird demnächst saniert.

Eigentümer Daniel Erhardt hat sich jetzt mit dem Denkmalschutz geeinigt. „Nun müssen wir nur noch die Statik klären, aber im Sommer soll die Sanierung losgehen“, sagt der Großenhainer. Das schöne Gebäude, das mittlerweile innen verfallen ist, wurde 1913 von Baumeister Richard Roch errichtet. 

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Marianne Bley hatte noch Kontakt zur zweiten Frau des bekannten Großenhainer Baumeisters, der 1904 das damalige Krankenhaus (Siechenhaus) mit baute, die Husarenkaserne Gutenbergstraße und Vorbereitungsarbeiten für das Elektrizitätswerk.

„Ich habe 1950 meinen Mann Karl geheiratet, wir sind 1964 in die Villa in der Herrmannstraße eingezogen und haben bis 1990 dort gewohnt“, sagt die 88-Jährige, die heute auf der Berliner Straße zu Hause ist. Witwe Roch lebte da bereits auf der Rosa-Luxemburg-Straße in der sogenannten Zwiebelvilla, die später abbrannte.

„Passte gut zu unseren Möbeln“

In der Roch-Villa hätten in den 60er Jahren sechs Familien gewohnt und es gab insgesamt 10 bis 15 Kinder im Haus, erinnert sich Marianne Bley. Hier wohnten auch Kronenbergs und Klemms. Auch Familie Bley hatte fünf Kinder. Auf dem Boden, wo die Wäsche aufgehangen wurde, stand ein schöner alter Herrenschrank. Marianne Bley bekam ihn von Frau Roch geschenkt und holte ihn in ihre Wohnung. 

Auch dieses Meißner Porzellan brachte Frau Bley aus der Villa Roch mit in ihre jetzige Wohnung an der Berliner Straße.
Auch dieses Meißner Porzellan brachte Frau Bley aus der Villa Roch mit in ihre jetzige Wohnung an der Berliner Straße. © Anne Hübschmann

„Wir hatten eine große Diele, und der Schrank passte zu unseren anderen Möbeln“, sagt die 88-Jährige. Frau Roch wollte ihn nicht mehr, auch nicht das Meißner Porzellan, das dort drin stand und das Marianne Bley bis heute aufgehoben hat: ein Sahnekännchen, einen Eierbecher, eine Zuckerdose. „Frau Roch stammte aus Meißen, ihr Vater war Porzellanmaler und hatte die Stücke als Deputat bekommen“, erinnert sich Marianne Bley. Auch waren Skizzen und Zeichnungen von einem Roch-Sohn enthalten. Die sind vermutlich nicht mehr da.

Den schönen Schrank nahmen die Bleys natürlich auch in ihre neue Wohnung auf die Berliner Straße mit. Erst nutzte ihn Karl Bley, der als Naturschützer in Großenhainer bekannt war, als Herrenschrank. Seit er 2002 gestorben ist, hat Marianne Bley ihre Sachen darin.

„Ich erinnere mich, dass in der Villa Roch noch das Bauunternehmen war, als wir 1964 einzogen“, sagt die Großenhainerin. Das Dienstleistungskombinat soll erst 1973, vermutlich nach der Verstaatlichung, in die Villa am Cottbuser Bahnhof gekommen sein. Nach der Wende befand sich das Büro der SPD-Ortsgruppe in dem Haus.

Ihr Vater war bei Klette Geselle

Seit 1995 steht das Gebäude unter wechselnden Besitzern leer. Beim Tornado wurde das Dach schwer beschädigt. Erst im Vorjahr erwarb Daniel Erhardt, der jetzt auch für den Stadtrat kandidiert, das Gebäude gleich neben der Musikschule.

Aber noch etwas verbindet Marianne Bley mit der Villa Roch. Daniel Erhardt hatte beim Entkernen einen alten Tresor der Firma Anton Klette in der Wand hinter Putz gefunden. Die kunstvolle Tresortür stiftete der Großenhainer dem Museum. Marianne Bleys Vater war Schlossermeister Hermann Schmieder, der die Firma von Anton Klette in der Poststraße 1941 kaufte. Just der Großvater von Matthias Schmieder.