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Zittau

Wird der Lausche-Lift je wieder laufen?

Der letzte Winter war ein Totalausfall - mit schlimmen Folgen für den Waltersdorfer Skiverein. In der Corona-Krise aber hat dafür niemand mehr ein Ohr.

Frank Hirschmann vom Alpinen Skiverein in Waltersdorf konnte den Lauschelift in der letzten Saison kein einziges Mal zum Laufen bringen.
Frank Hirschmann vom Alpinen Skiverein in Waltersdorf konnte den Lauschelift in der letzten Saison kein einziges Mal zum Laufen bringen. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Frühling ist in Hochform. Die Sonne strahlt in diesen Tagen beinahe schon sommerwarm. Aber Tilo Knöbel steckt immer noch der Winter in den Knochen: Ein Winter, der diesmal keiner war. "Ein Totalausfall", sagt Knöbel. Er kann sich nicht erinnern, dass es das schon mal gegeben hat: Überhaupt kein Schnee!

Der Schnee geht Tilo Knöbel auch bei dem herrlichen Frühsommerwetter nicht aus dem Kopf. Er ist der Vorsitzende des Alpinen Skivereins an der Lausche (ASVL), und gerade geht es darum, ob und wie der Verein weiter existieren kann.

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Der ASVL betreibt den Skilift an der Lausche, hat viel Geld in die Erneuerung und die Instandhaltung investiert, in den Tüv, für Versicherungen und Stromabschläge. Aber er hat in diesem Winter, der keiner war, keinen einzigen Cent dafür eingenommen. Denn der Lift, den zu finanzieren für den Verein ohnehin jedes Jahr ein Kraftakt ist, ist in diesem Winter keinen einzigen Tag gelaufen.

Noch nie in der Geschichte des Liftbetriebs hat es das gegeben. Selbst in den schneearmen Wintern 2005/06 und 2015/16 war der Lift wenigstens sechs Tage in Betrieb. Aber der Verein braucht im Grunde 45 Lift-Tage pro Saison, damit sich der ganze Aufwand rechnet.

Und jetzt auch noch die Corona-Krise

Jetzt also rechnet Tilo Knöbel zu Hause am Schreibtisch. Um laufende Kosten und Verpflichtungen zu begleichen, haben Vereinsmitglieder sogar privates Geld in die Vereinskasse gegeben - in der Hoffnung, dass sie es irgendwann wieder einnehmen können.

Aber wird es dieses Irgendwann überhaupt geben können? Wird der Lausche-Lift je wieder laufen? Tilo Knöbel hofft es. "Für alle, die vom Winter leben, war die vergangene Saison ja katastrophal", sagt er. 

Eigentlich wollte er dieses Problem jetzt - mit gebührendem Abstand - thematisieren. "Aber jetzt ist Corona", sagt der Eibauer. "Da fällt alles andere komplett hinten runter." Eigentlich wollte er die politisch Verantwortlichen jetzt fragen, wie es mit dem Wintertourismus - also auch mit dem Liftbetrieb - nach ihren Vorstellungen künftig weitergehen könnte, wenn der Verein das nicht mehr stemmen kann.

Denn genau darum geht es dem Vereinsvorsitzenden: "Wir sind mit dem Liftbetrieb  vollkommen allein gelassen", sagt er. "Obwohl das ja nicht nur das Sportgerät für unsere Vereinsmitglieder ist, sondern auch ein Tourismusmagnet und Wintersportangebot für alle." Aber für dieses Problem hat gerade niemand ein Ohr.

Corona sorgt für weitere Einbußen

Dabei ist der Verein auch selbst von der Corona-Krise betroffen. Um wenigstes etwas Geld in die Kasse zu bringen, sollte im März endlich die im Winter immer wieder verschobene Rocknacht am Hang stattfinden, eine Kult-Veranstaltung, die der Verein jedes Jahr am Fuße des Lausche-Hangs organisiert. 

Mit Einnahmen von 2.000 Euro hatte der Verein gerechnet. Aber die Corona-Krise hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wenigstens in diesem Fall hatte Tilo Knöbel auf Hilfe gehofft. Aber in dem Fragebogen, den er ausfüllen muss, um in den Genuss von Corona-Hilfen für Vereine zu kommen, passt sein Fall nicht hinein.

Wärmster Winter seit 140 Jahren

© SZ Grafik

Der meteorologische Winter 2019/20 wird in Europa als der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 140 Jahren in die Geschichte eingehen - auch in die der Oberlausitz. Bis auf fünf Tage, in denen es hier geringfügig kälter war als im Durchschnitt des langjährigen Mittels im Referenzzeitraum von 1961 bis 1990, waren alle anderen Tage wärmer - und das teilweise erheblich um bis zu zehn, elf Grad.

Noch drastischer verhält es sich mit dem Niederschlag. Nur in den letzten sechs Februartagen hat es in der Region geringfügig mehr geregnet als im Durchschnitt, an allen anderen Tagen aber viel, viel weniger. Jüngste Prognose-Modelle der Klimaforscher gehen davon aus, dass sich der Trend hin zu höheren Temperaturen und weniger Niederschlägen bis zum Jahr 2100 sogar beschleunigt fortsetzen wird.

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