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Die besten Inspirationen aus der Ideen-Schmiede

Die Konferenz TEDxDresden fand erstmals im Kulturpalast statt. Die Premiere verlief allerdings etwas holprig. 

Die fünfte Ideenkonferenz TEDxDresden feierte eine Premier. Sie fand erstmals im Kulturpalast statt.
Die fünfte Ideenkonferenz TEDxDresden feierte eine Premier. Sie fand erstmals im Kulturpalast statt. © Christian Juppe

Wie oft bei Premieren klappt nicht immer alles auf Anhieb. So verlief der Start der vierten Ideenkonferenz TEDxDresden im Kulturpalast etwas holprig. Die Technik fiel aus, um wie versprochen Redner und die Übersetzung ihrer Vorträge auf die große Leinwand zu übertragen. Das international stattfindende Veranstaltungsformat, wobei TED für Technology, Entertainment und Design steht, erfreut sich auch in Dresden zunehmender Beliebtheit. Nach drei Jahren im Societätstheater waren die Veranstalter um den Verein Atticus e.V. in den Konzertsaal des Kulturpalastes umgezogen, damit mehr Teilnehmer die unabhängig organisierte Vortragsreihe mit internationalen Gästen erleben können.

Als Motto hatte Kurator Christoph Sträter „Heart and Mind – Herz und Verstand“ gewählt. Der Menschen ist von Natur sowohl emotional als auch rational. Er überschätzt allerdings die eigene Vernunft und unterschätzt dabei das Entscheidungen von Gefühlen und Empfindungen beeinflusst werden. „Im digitalen Zeitalter sprechen Medien uns vor allem emotional an und beeinflussen damit unser Verhalten. Wir müssen diesen Zusammenhang verstehen“, begründete Sträter das Motto. Wenn man sich dessen bewusst sei, könne man zu mehr Toleranz gelangen und gleichzeitig das eigene Verhalten vor Manipulation etwa durch „alternative Fakten“ schützen, heißt es im Programmheft. 

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 Sträter versprach den rund 1.000 Teilnehmern aber auch Gründe, die sie bewegen könnten, in der Stadt zu bleiben, egal wie die Landtagswahl kommenden Sonntag ausgeht. TEDxDresden zeige, wie viel man erreichen kann, wenn man sich organisiert und welche mutigen Dresdner es gibt, die sich auf die große Bühne stellen, um ihre Ideen, Leidenschaften und Werte zu teilen, betonte Atticus-Chef Eric Hattke.

Herz und Verstand sind nicht trennbar

Den Auftakt machte Denise Dörfel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Psychologie an der TU Dresden. Sie forscht zu Strategien ob und wie Emotionen reguliert werden können und was die Folge ist, wenn man Emotionen wie Ärger, Trauer, Stolz oder Freude im Job unterdrücken muss. Ihr Fazit: Herz und Verstand sind nicht trennbar. Führungskräfte sollten sich trauen, Gefühle zu zeigen, um authentisch zu wirken.

Michael Schindhelm , verantwortlich für Dresdens Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2025, kämpfte anschließend jedoch damit, sie zu unterdrücken, um nicht wütend von der Bühne zu gehen, als seine Präsentation technisch nicht funktionierte. Statt später im Schnelldurchlauf durch die Vortragsslider zu hetzen, wäre es vielleicht besser gewesen, ganz auf sie zu verzichten und einfach loszusprechen darüber, was das Motto der Bewerbung „Neue Heimat Dresden 2025“ meint, wie er es ausfüllen will und warum Kultur und Kunst die besten Instrumente für den gesellschaftlichen Wandel sind. Das hätte beides gezeigt, Herz und Verstand.

Mit den schwierigsten Fragen menschlichen Daseins wie etwa „Wie gelingt ein sinnvolles Leben?“, „Was ist wirklich wichtig im Leben?“ und „Wie wird man 100 Jahre alt?, beschäftigte sich Klaus Brinkbäumer, Ex-Spiegelchefredakteur und jetzt Zeit-Autor. Er berichtete über seine Interviews von 100-Jährigen rund um den Globus und welche Erkenntnisse er daraus zieht. So beklagten viele Frauen, nicht genügend für die eigene Bildung gekämpft zu haben, und viele Männer, im Laufe der Zeit ihre Freunde verloren zu haben. Brinkbäumers Tipp für ein hohes Alter: Jeden Tag eine Handvoll Nüsse essen. Das beherzigt er nun auch selbst.

Roboter über die Jacke steuern

Natürlich spielten auch neue Technologien eine wichtige Rolle auf der TEDxDresden. Künstliche Intelligenz und der Vormarsch humanoider Roboter bereiten vielen Menschen Angst. Christian Piechnik, Mitgründer des bekannten Dresdner Startups Wandelbots, und sein Team haben sich die Demokratisierung der Robotik auf die Fahnen geschrieben. Wandelbots hat eine intelligente Jacke entwickelt, die es Laien ermöglicht, Roboter zu programmieren und zu steuern.

Piechnik nutzte seinen Vortrag für ein Plädoyer, Veränderungen durch Künstliche Intelligenz nicht aufzuhalten, aber stärker ins Gespräch darüber zu kommen, „wie wir es zulassen wollen, dass Roboter unser Leben gestalten“. Und für das positive Gefühl sorgte sein achtjähriger Sohn James, den er auf die Bühne holte. James sollte dem Roboter zeigen, wie er einen Safe voller Gummibärchen knacken kann. Das ging zu Herzen.

Die erste TEDxDresden im Kulturpalast war abwechslungsreich, nachdenklich und unterhaltsam. Die Ideenkonferenz hat das Potenzial, den Konzertsaal beim nächsten Mal im Jahr 2020 bis auf den letzten Platz zu füllen und das vielleicht auch mit Gästen, die nicht vor allem aus dem Umfeld von Universität und Startup-Szene kommen. Zu wünschen wäre es. 

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