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Drei von zehn Ministern ohne Corona-App

Fast 12 Millionen Mal wurde die Software heruntergeladen. Doch wie sieht es in Sachsen aus? Eine Stichprobe im Landtag und auf den Elbwiesen.

Auf dem Smartphone des Ministerpräsidenten ist die Corona-Warn-App installiert.
Auf dem Smartphone des Ministerpräsidenten ist die Corona-Warn-App installiert. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Deutschland hat eine neue Lieblingsanwendung: Seit einer Woche führt die Corona-Warn-App die Download-Charts an und wurde mittlerweile öfter heruntergeladen, als in allen anderen EU-Staaten zusammen. Fast jeder siebte Deutsche dürfte sie bereits auf dem Handy haben. Aber gilt das auch für Sachsen?

Noch vor der Einführung zeigte eine Civey-Umfrage, dass die Datenschutzbedenken in Sachsen im bundesweiten Vergleich besonders hoch sind. Ob die Skepsis geblieben ist, lässt sich schwer sagen, denn das Robert-Koch-Institut erfasst gar keine Nutzerdaten, nicht mal die Abrufzahlen der einzelnen Bundesländer.

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Kritiker der App sind trotzdem schnell gefunden: Selbst in der Landesregierung haben drei von zehn Ministern keine Corona-App auf ihrem Handy. Sebastian Gemkow (CDU) ist noch nicht dazu gekommen, die App von seiner IT-Abteilung auf sein Handy spielen zu lassen. Der Wissenschaftsminister möchte das aber in den nächsten Tagen nachholen.

Für die beiden Minister der Grünen ist ihr Nein zur App hingegen eine ganz bewusste Entscheidung. Katja Meier fürchtet, dass Arbeitgeber oder Veranstalter zukünftig fordern könnten, die App zu installieren und so das Freiwilligkeitsprinzip auszuhöhlen. Bei Wolfram Günther sieht es ähnlich aus: Solange es keine gesetzliche Grundlage gibt, die das verhindert, kommt die Warn-App nicht auf sein Handy.

Verbreitung im Alltag

Aber wie sieht es mit der Verbreitung in der normalen Bevölkerung aus? Eine Stichprobe auf dem Elberadweg, gegenüber des Landtags zeigt, dass die App durchaus in Dresden angekommen ist. Bei sonnigen 20 Grad drängt es sich auf dem Radweg zwischen Marien- und Alberbrücke. Am Ufer und auf den Wiesen genießen kleine und größere Gruppen die Sonne und auch die Tische der Cafés auf der Hauptstraße zwischen Goldenem Reiter und Albertplatz sind gut besetzt. Oft kann der Mindestabstand gar nicht eingehalten werden. Genau für solche Situationen – beim längeren Zusammensitzen mit Personen, die man gar nicht kennt – ist die Warn-Anwendung entwickelt worden.

Mit einer Handy-Software, die alle Bluetooth-Geräte in der Umgebung aufzeichnet, lassen sich dort allein in zwanzig Minuten über 400 Sender aufspüren. Abzüglich der erkannten E-Roller, Fitnesstrackern und Kopfhörern, bleiben immer noch 358 Handys übrig: 86 davon senden eine Zahlenfolge, die von anderen Corona-Warn-App ausgelesen werden kann. Was dafür sprechen würde, dass an diesem Sonntag-Nachmittag jeder Vierte die Corona-App auf sein Handy geladen hatte. Allerdings wird der größte Teil der Spaziergänger gar kein Bluetooth eingeschaltet haben, ein anderer gar kein Smartphone besitzen. Dazu kommt, dass die Zahlencodes zum Austausch mit anderen Geräten auf denen die Corona-Warn-App installiert ist, regelmäßig wechseln, um keinen Rückschluss auf den Besitzer zuzulassen.

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Wie hoch die Verbreitung in der Bevölkerung an so einem Sommertag sein müsste, damit die App tatsächlich bei der Eindämmung der Pandemie helfen könnte – dazu gibt bislang hauptsächlich die Ergebnisse eine Studie der Universität Oxford. In einem Interview mit der der „Süddeutschen Zeitung“, erklärte Autorin Lucie Abeler-Dörner, dass die App anfange zu wirken, sobald 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Laut den aktuellen Downloadzahlen ist diese kritische Marke bereits überschritten.

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