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Buhnen für die Elbe in Dresden?

Der Fluss braucht mehr Wasser. Dazu gibt es Vorschläge, die auch Naturschützer zufriedenstellen könnten. 

Bei Magdeburg gibt es diese künstlich angelegten Buhnen. Sie beeinflussen den Pegel in der Flussmitte und könnten ein Vorbild für die Elbe in Sachsen sein.
Bei Magdeburg gibt es diese künstlich angelegten Buhnen. Sie beeinflussen den Pegel in der Flussmitte und könnten ein Vorbild für die Elbe in Sachsen sein. © dpa

Es wäre mehr drin für die Elbe. Mehr Wasser, mehr Schifffahrt und das ohne Staustufen, wie es sie in Tschechien gibt.

19 Wehre regulieren dort den Fluss. Deshalb ändert sich der Pegel auch dann kaum, wenn wie in diesem Sommer Regenfälle ausbleiben und nur wenig Wasser aus dem Riesengebirge und den Zuflüssen der Elbe kommt. Klaus Kautz, der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Dresden (WSA Dresden) in Pieschen ist überzeugt: Zwischen fünf und zehn Zentimeter Wasserstand könnte der Fluss in Dresden durch einfache bauliche Maßnahmen gewinnen. Durch solche, die nicht zu sehen sind, auch nicht bei Niedrigwasser. Mehr als 2 000 davon gibt es längst an der Elbe. Die Fachleute nennen sie Grund- und Randschwellen. Das sind Erhöhungen im Flussbett, die bei zuvor festgelegten Wasserständen wirken und die Fließgeschwindigkeit beeinflussen. Dazu kommen an der Elbe noch 6.900 sogenannte Buhnen, Steinaufschüttungen, die ebenfalls den Wasserabfluss regulieren, sowie Bauten längst des Flusses auf einer Strecke von mehr als 320 Kilometern.

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Diese Fließregulierungen zu erhalten ist Aufgabe der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter entlang der Elbe. Die wenigsten davon befinden sich allerdings im Einzugsbereich des Dresdner Amtes, das für die Elbe zwischen der tschechischen Grenze und der Saalemündung bei Barby in Sachsen-Anhalt zuständig ist. Es gibt sie unter anderem nahe dem Laubegaster Ufer sowie zwischen Meißen und Riesa, erklärt WSA-Chef Kautz. „Die vorhandenen können wir erhalten, es ist aber ein nicht vollendeter Ausbau der Elbe.“

Dieser Ausbau nahm 1921 seinen Anfang, als im Deutschen Reich ein „Gesetz zur Niedrigwasserregulierung der Elbe“ erlassen wurde. Daraufhin wurde unter anderem ein riesiger See beim Pirnaer Ortsteil Pratzschwitz geplant, aus dem Wasser in die Elbe fließen sollte, wenn der Pegel zu niedrig ist. „Das Gesamtprojekt wurde nie fertiggestellt“, weiß Kautz. Zwischen Meißen und Riesa sei in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch daran gearbeitet worden, in den 70ern wurden diese Arbeiten aber nicht mehr fortgeführt.

Besonders kritisch ist die Situation des Flusses bei Niedrigwasser unter anderem in Dresden und weiter elbaufwärts bis zur Sächsischen Schweiz. Flachstellen gibt es zum Beispiel an den Dresdner Brücken und oberhalb der Elbinsel in Pillnitz. Das WSA untersucht den Flussgrund regelmäßig mit Peilschiffen. So wird geprüft, wo sich unter Wasser besonders viel Material abgelagert hat und die Elbe ausgebaggert werden muss. 80 000 bis 100 000 Tonnen Kies und Sand schaufeln die Bagger jedes Jahr zwischen Tschechien und Barby aus dem Fluss. Ein Teil davon liegt am Ufer nahe der Moritzburger Straße. Dort, wo besonders viel Material weggespült wurde, schütten die WSA-Mitarbeiter den Kies und Sand wieder in den Fluss.

Mehr ist nicht möglich. Seit dem Jahrhunderthochwasser im August 2002 gebe es einen „politischen Ausbaustopp“ für die Elbe, 2017 wurde zudem das „Gesamtkonzept Elbe“ vom Bund und den Bundesländern verabschiedet, begründet Kautz die aktuelle Situation. Das Elbekonzept verbietet einen Ausbau des Flusses zur Verbesserung der Möglichkeiten für die Schifffahrt.

Nur am Rechner haben das WSA, die Universitäten in Dresden und Nürnberg und die Bundesanstalt für Wasserbau Karlsruhe deshalb untersucht, welche Auswirkungen weitere Bauwerke in der Elbe hätten: Grund- und Randschwellen sowie Leitwerke, die allesamt auch bei Niedrigwasser nicht zu sehen sind. Das Ergebnis: Wenigstens fünf Zentimeter Pegelerhöhung sind möglich. Diese Vorschläge seien derzeit aber nicht umsetzbar, sagt Kautz. Die Elbe sei zwar ein Fluss, bei dem es um die ökologische Schönheit des Naturraums gehe, um wasserwirtschaftliche und landwirtschaftliche Interessen. Seit 2002 seien aber vor allem die Interessen stark beachtet worden, die nichts mit der Schifffahrt zu tun haben. Dennoch sei sein Amt „immer bestrebt“, für optimale Verhältnisse für die Schifffahrt zu sorgen. „Im Einklang mit der Erhaltung des wertvollen Naturraums.“

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