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Der Streit um den Wunsch-Schulplatz

Über 100 Dresdner Familien hatten sich beschwert, weil ihren Kindern eine andere Schule zugewiesen worden war. Was aus den Widersprüchen wurde.

Viele Dresdner Schulen sind so begehrt, dass die Plätze in den Klassenzimmern nicht für alle Bewerber reichen. Oft sind Klagen die Folge.
Viele Dresdner Schulen sind so begehrt, dass die Plätze in den Klassenzimmern nicht für alle Bewerber reichen. Oft sind Klagen die Folge. © Sebastian Kahnert/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Sechs Wochen Ferien gehen zu Ende. Für Tausende Dresdner Kinder startet nächste Woche aber nicht nur das neue Schuljahr, sie wechseln auch die Schule oder kommen überhaupt erst in die Schule. Eine Zeit voller Neugier und Freude, möchte man meinen. Doch mehr als 100 Familien hatten in den vergangenen Wochen Ärger, denn ihre Kinder sind nicht an der Wunschschule angenommen worden – zu viele Bewerber, zu wenig Platz. Sie haben Widerspruch eingelegt, sind teilweise bis vors Gericht gezogen. Hatten sie damit Erfolg?

Genauer gesagt waren 142 Familien nicht mit der Ersatzschule zufrieden und legten beim Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) Widerspruch ein, so Behördensprecherin Petra Nikolov auf SZ-Anfrage. Die meisten Beschwerden gab es zu den Oberschul-Zuweisungen (62), gefolgt von den zugeteilten Plätzen an Grundschulen (45) und Gymnasien (35).

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Längerer Schulweg als Hauptargument

Dass es Ärger geben würde, war abzusehen. Insbesondere an den Oberschulen in Plauen und Löbtau mussten wegen zu vieler Anmeldungen Auswahlverfahren durchgeführt werden. Schüler wurden an weiter entfernte Schulen in der Johannstadt, der Neustadt und in Striesen "umgelenkt". Bei den Grundschulen war schwerpunktmäßig die Universitätsschule, bei den Gymnasien das Gymnasium Pieschen betroffen. Eltern waren vor allem wegen der weiteren Schulwege nicht einverstanden.

Von den 142 Widersprüchen kamen 22 vor Gericht, allein fünf wegen Ablehnungen am Pieschener Gymnasium und zwei an der Uni-Schule. In lediglich drei Fällen bekamen die Eltern bisher Recht zugesprochen, woraufhin das Lasub Beschwerde einlegte. Bei einer dieser Beschwerden wurde schließlich zugunsten der Behörde entschieden, sprich, das Schulplatz-Auswahlverfahren wurde als rechtmäßig anerkannt. In den anderen beiden Beschwerdeverfahren steht eine Entscheidung noch aus. Die Zahl der noch offenen Widerspruchsverfahren minimiere sich täglich, so Nikolov.

In den vergangenen Jahren entschied das Verwaltungsgericht in mehreren Fällen im Sinne der Familien. So zum Beispiel im vergangenen Jahr. Damals widersprachen 19 Familien, deren Kinder an ein bestimmtes Gymnasium wollten. Das Gericht hob neun Ablehnungen wieder auf, unter anderem wegen unzumutbarer Härte. Sechs Widersprüche lehnte das Gericht ab. Sowohl das Lasub als auch Eltern legten daraufhin Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht ein und versuchten dort ihr Glück. Vier Anträge zogen Eltern zurück, da ihre Kinder auf der Nachrückerliste doch noch nach oben rutschten.

"Je mehr Auswahlkriterien, desto angreifbarer die Entscheidung"

Über die Aufnahme entscheidet der Schulleiter im Rahmen der vorhandenen Plätze. Übersteigt die Zahl der Anmeldungen die vorhandene Kapazität, wird an den Schulen ein Auswahlverfahren in Gang gesetzt. Zunächst wird geschaut, ob im kommenden Schuljahr bereits ein Geschwisterkind an der Schule lernt. Ist dies der Fall, gilt dies als Pluspunkt. Anschließend wird der Schulweg als Kriterium herangezogen. Wären Kinder länger als eine Stunde zur Schule unterwegs, wenn sie abgelehnt würden, wäre das nicht mehr zumutbar. Gute Karten hat außerdem, wer in der Nähe der Schule wohnt. Schließlich entscheidet das Los über Kinder, die zwar alle vorangegangenen drei Kriterien erfüllen, aber nicht alle unterkommen können.

Einen sehr großen Ansturm gab es in diesem Jahr auf die 116. Oberschule an der Feuerbachstraße in Leubnitz-Neuostra. Auf 84 Plätze haben sich 158 Schüler beworben. Schulleiter Tobias Jäger hat in seinem Auswahlverfahren allerdings nur ein Kriterium zugrunde gelegt. "Wir haben lediglich geschaut, welcher Schüler ein Geschwisterkind an unserer Schule hat." Alle anderen Plätze wurden im Losverfahren vergeben - der Wohnort und die Nähe zur Schule spielten keine Rolle. Der Grund: "Je mehr Kriterien wir bei der Auswahl einbeziehen, desto angreifbarer ist die Entscheidung im Falle einer Klage", erklärt Jäger.

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Dennoch waren 20 Familien mit der Ablehnung ihrer Kinder nicht einverstanden und haben ihr widersprochen. Bislang konnten aber alle Fälle geklärt werden, auch, weil Eltern ihren Widerspruch zurückgezogen haben. Das könne etwa daran liegen, dass die Ausweichschule doch für gut befunden wurde. Geklagt hat gegen Jägers Entscheidung keine Familie. 

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