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Dresden: Fritz ist das 1.000. Baby

Im Uniklinikum herrscht in den Kreißsälen weiterhin Hochbetrieb. Dennoch ist der Babyboom vorerst vorbei und Dresden wird langsamer wachsen als erwartet.

Tobias Stumpfhauser und Ann-Kristin Kästner halten Fritz in ihren Armen. Der Junge kam am Montag zur Welt und ist das 1.000. Baby im Dresdner Uniklinikum in diesem Jahr.
Tobias Stumpfhauser und Ann-Kristin Kästner halten Fritz in ihren Armen. Der Junge kam am Montag zur Welt und ist das 1.000. Baby im Dresdner Uniklinikum in diesem Jahr. © Sven Ellger

Dresden. Löst die Corona-Krise einen neuen Babyboom aus oder schieben viele Paare das Kinderkriegen bewusst auf, bis die Krise überstanden ist? Um das herauszufinden, müssen wir uns noch bis zum Herbst gedulden. Als sich Ann-Kristin Kästner und Tobias Stumpfhauser für ein Kind entschieden, stand Corona jedenfalls noch für mexikanisches Bier oder - deutlich weiter entfernt - den Hof um die Sonne. Dass sie ihr Kind einmal inmitten einer weltweiten Krise bekommen würden, wussten sie damals nicht. Am Montag hat ihr Sohn das Licht der Welt erblickt. Fritz ist das 1.000. Baby, das dieses Jahr im Dresdner Uniklinikum geboren wurde.

Noch mehr Babys könnte Dresden gut vertragen. Denn der Boom der vergangenen Jahre ist vorbei und die neueste Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes rechnet nicht mehr damit, dass Dresden bis zum Jahr 2035 die Marke von 600.000 Einwohnern erreichen wird. Wenn es gut läuft, werden in 15 Jahren knapp 588.000 Menschen in der Stadt leben. Ein Grund laut der Statistiker: Möglicherweise wird die Geburtenrate stagnieren. Sprich: Es wird zu wenige junge Leute geben, die Kinder zur Welt bringen.

Familie und Kinder
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Und wie sieht es dieses Jahr genau aus? Eine SZ-Umfrage unter Dresdens Krankenhäusern hat ergeben, dass zwischen dem 1. Januar und dem 27. Mai insgesamt 2.751 Kinder entbunden wurden (Uniklinikum: 1.000, Städtisches Klinikum: 634, St.-Joseph-Stift: 604, Diakonissenkrankenhaus: 513). Darunter befinden sich auch Babys, deren Mütter außerhalb von Dresden leben. 2019 kamen bis Jahresende 8.150 Kinder zur Welt. Das Uniklinikum rechnet dieses Jahr in seiner Geburtsklinik mit konstanten Zahlen. Auch das Diakonissenkrankenhaus könne, insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Krise, keinen signifikanten Rückgang an Geburten erkennen, etwa zugunsten von Hausgeburten, so Sprecher Victor Franke. Das St.-Joseph-Stift spricht ebenfalls von gleichbleibenden Zahlen.

Der vorhergesagte Rückgang in den nächsten Jahren kommt natürlich nicht überraschend. Es sind die geburtenschwachen Jahrgänge Mitte der 90er-Jahre, die sich nun auswirken. Aus den Babys von damals sind die Mütter von heute geworden. Und der Babyboom der vergangenen Jahre wird nicht vor 2030 wieder zu spürbar steigenden Geburtenzahlen führen, prognostiziert die Stadt. Pieschen, Löbtau, aber auch die Radeberger Vorstadt und die Neustadt waren zuletzt Dresdens Babyhochburgen.

Damit hängt das Wachstum Dresdens maßgeblich davon ab, wie viele Menschen nach Dresden kommen oder von hier wegziehen werden. Mit ausschlaggebend wird sein, wie sich die Mietpreise entwickeln, ob Familien ausreichend großen und bezahlbaren Wohnraum finden, und ob Dresden attraktive Jobs mit einer attraktiven Bezahlung bieten kann.

Fritz und seine Mutter freuen sich nun auf zu Hause. Der Junge wog zur Kaiserschnitt-Geburt am Montag 4.235 Gramm und war 56 Zentimeter groß. Überhaupt haben Jungen zahlenmäßig bisher leicht die Nase vorn in den Krankenhäusern.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, ein Hauptgrund des langsameren Bevölkerungswachstums liege darin, dass heute weniger Kinder geboren werden, die später einmal selbst Kinder bekommen könnten. Das stimmt zwar mit Blick auf das Ende des vorangegangenen Babybooms, betrifft aber noch nicht den hier angegebenen Zeitraum um 2035. Der Beitrag wurde entsprechend geändert.

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