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Die spannenden Fragen vor dem Viertelfinale

Die Dresdner Footballer haben sich ein Heimspiel gesichert, aber: Wird der beste Verteidiger gesperrt? Und kommentiert der Minister live fürs Fernsehen?

Dresdens A. J. Wentland droht eine Sperre.
Dresdens A. J. Wentland droht eine Sperre. © Lutz Hentschel

Dresden. Das Zwischenziel ist erreicht. Mit beinahe letzter Kraft. Die Footballer der Dresden Monarchs beenden die Normalrunde der Nordstaffel in der zweigeteilten Bundesliga auf Rang zwei hinter dem ungeschlagenen Nordmeister Braunschweig. Damit ist klar: Im Viertelfinale der Play-offs haben die Sachsen am 22. September Heimvorteil gegen den Dritten der Süd-Staffel, die Marburg Mercenaries.

Für das zusätzliche Heimspiel mussten die Dresden Monarchs am Samstag vor 2 300 Zuschauern im Steyer-Stadion zunächst einmal die Berlin Rebels besiegen. Und dieser 20:14-Erfolg hing bis in die Schlusssekunden am seidenen Faden. „Wir haben uns im Angriff ein, zwei Fehler zu viel erlaubt, so mussten alle bis zum Ende zittern“, erklärte Trainer Ulrich Däuber.

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Dass die sportliche Spannung bis zum Ende erhalten blieb, hatte auch mit einer möglicherweise folgenschweren Entscheidung der Schiedsrichter zu tun. Die stellten in der 18. Spielminute die Hitzköpfe Adrian Joseph Wentland und Andreas Betza, Berlins Runningback, vom Platz. Die beiden Spieler sollen sich zunächst verbal provoziert und dann noch ein Handgemenge geliefert haben. Offizielle Begründung der beiden Feldverweise: unsportliches Verhalten bei Wentland, Schlagen bei Betza.

Im Normalfall wären beide Spieler wegen des Vergehens ein Spiel gesperrt – also für das Play-off-Viertelfinale. Die Diskussionen um den Spielzug dauerten knapp fünf Minuten an. „Wir haben uns das Video mehrmals angesehen. Darauf ist kein Handgemenge zu sehen. Wir werden unsere Aufnahmen beim Verband einreichen“, sagt Däuber. Das ist seit dieser Saison möglich, wenn sich ein Verein bei einer Tatsachenentscheidung benachteiligt fühlt. „Auch das Schiedsrichterkollektiv hat uns zugesagt, alle Aufnahmen noch einmal zu sichten“, betonte der Monarchs-Trainer.

Sollte die Sichtweise der Dresdner nachträglich von den Unparteiischen bestätigt und damit die Tatsachenentscheidung vom Samstag korrigiert werden, könnte Wentland an einer Spielsperre vorbeikommen. Der Ausfall des amerikanischen Muskelpakets würde die Monarchs schmerzlich treffen. Wentland gilt als bester Verteidiger der Liga. Das bestätigen auch alle Statistiken. In der Vorsaison gelangen dem blonden Hünen mit Abstand die meisten Tackles der Liga (206) „Natürlich wäre das ein tiefer Einschnitt, A. J. ist das Herz unserer Defense“, sagt Ulrich Däuber. Am Dienstag oder Mittwoch rechnen die Monarchs mit einer endgültigen Auflösung in der für das Team so eminent wichtigen Personalfrage.

Kultusminister live auf Sport 1?

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz kommentiert als Hobby die Spiele der Monarchs - bald könnte er deutschlandweit zu hören sein.
Sachsens Kultusminister Christian Piwarz kommentiert als Hobby die Spiele der Monarchs - bald könnte er deutschlandweit zu hören sein. © kairospress/Thomas Kretschel

Derweil könnten die Dresdner am 22. September anderweitig Geschichte schreiben. Offenbar erwägt der deutschlandweit empfangbare Spartensender Sport 1, die Viertelfinal-Partie aus Dresden live zu übertragen und dabei das ohnehin vom Verein gesendete Signal zu nutzen. Der überträgt jedes seiner Heimspiele als Livestream im Internet. Zum festen und ehrenamtlichen Personal von radio-monarchs.de gehört seit der Gründung 2003 auch Christian Piwarz als Kommentator. Der CDU-Politiker ist Vereinsmitglied bei den Monarchs und amtiert als Präsident des American Football-Verbandes Sachsen.

Obwohl der heute 44-Jährige im Dezember 2017 als sächsischer Kultusminister in die Landesregierung berufen wurde, gibt er sein Hobby nicht auf. „Ich brauche das als Ausgleich“, hatte Piwarz kürzlich auf einem Termin zur Rettung der alten Anzeigetafel im Steyer-Stadion erzählt. Sollte Sport 1 an seinem Vorhaben festhalten, könnte – vermutlich erstmals überhaupt – ein amtierender Minister eines deutschen Bundeslandes live im überall empfangbaren deutschen Fernsehen ein Footballspiel kommentieren. Christian Piwarz hat, Stand jetzt, am 22. September keine wichtigen politischen Termine und wäre mithin für seine Kommentatoren-Rolle frei. „Im Moment ist es so geplant“, sagte er der Sächsischen Zeitung.

Monarchs-Geschäftsführer Jörg Dreßler will die Anfrage des Spartensenders aus München noch nicht überbewerten. „Es ist alles noch in der Diskussion. Fix ist da noch gar nichts“, sagte er auf Nachfrage der SZ. Allerdings ist der Anpfiff am 22. September in Dresden für 14 Uhr geplant – um dem Sender entgegenzukommen.

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