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Zeuge entlastet „falschen Polizisten“

Ein Türke soll Kopf einer Bande gewesen sein, die auch in Dresden Senioren betrogen hat. Das LKA machte Fehler, nun wurde der Mann freigesprochen.

Feststeht: Mehrere Menschen sind auf Telefonbetrüger reingefallen. Die Frage ist nur, wer es war.
Feststeht: Mehrere Menschen sind auf Telefonbetrüger reingefallen. Die Frage ist nur, wer es war. © dpa/Hauke-Christian Dittrich (Symbolfoto)

Die Taten gibt es, die Opfer auch. Eine Bande hat aus einem Callcenter in der Türkei heraus Senioren angerufen. Die Anrufer haben sich als Polizisten ausgegeben und die Opfer mit unterschiedlichen Begründungen dazu gebracht, Geld, Goldbarren und weitere Wertgegenstände auszuhändigen oder zu überweisen. 

Velit D. wurde deshalb bandenmäßiger Betrug in sieben Fällen und versuchter Betrug in zehn Fällen vorgeworfen. Zwischen Juni 2015 und Mai 2017 sollen er und seine Komplizen einen Schaden von 977.000 Euro angerichtet und betagte Männer und Frauen teilweise in den Ruin getrieben haben. D. soll immer wieder ältere Menschen angerufen und sich als Polizist ausgegeben haben – in Kempten, München, Nürnberg, Offenburg, Iserlohn, Köln, Baden-Baden, Gera, Dresden und Radebeul. 

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In mehreren Fällen haben Geschädigte tatsächlich ihre Konten abgeräumt und das Geld Kurieren übergeben. Eine Frau aus Radebeul, von der die Täter insgesamt mehr als 380.000 Euro erbeutet hatten, habe sogar selbst Goldbarren im Wert von 175.000 Euro nachts per Taxi nach Berlin gefahren.

Das LKA Sachsen meinte, D. irgendwann eindeutig überführt zu haben, anhand von Mitschnitten einer Telefonüberwachung. Im Dezember 2018 wurde er in Papenburg festgenommen, saß bis gestern in Untersuchungshaft. D. bestritt von Anfang an die Taten. Es gab bereits mehrere Verhandlungstage am Landgericht Dresden, zuletzt im Mai. 

D. hatte umfassend erklärt, dass es möglicherweise solche Betrüger-Callcenter in der Türkei gebe. Er habe sich aber bereits vor Jahren mit seiner Familie überworfen. Er habe keinen Kontakt dahin, lebe seit 2015 in Papenburg und habe drei Jobs, um seine Frau und die zwei Kinder ernähren zu können. Eine Ermittlerin hatte indes ausgesagt, über D.s Handy seien sie an Listen mit Namen von Geschädigten und weitere Hinweise gelangt. Noch in der Türkei habe D. von drei Männern, die in Verbindung mit einem anderen Telefonbetrüger stünden, per „MoneyGram“ 7.000 Euro aus Deutschland überwiesen bekommen.

Der Prozess war im Mai unterbrochen worden, weil ein Stimmgutachter, ein Professor der Universität Marburg, klären sollte, ob die Mitschnitte, die als Hauptbeweis angeführt waren, D. zugeordnet werden können. Der sagte am Montag eindeutig Nein! Auch die Aussage des leitenden Ermittlers in der Sache vom LKA Kiel warf kein gutes Licht auf die Arbeit der Kollegen aus Sachsen. Er habe allen beteiligten Ermittlern in den unterschiedlichen Landeskriminalämtern bereits im Herbst mitgeteilt, dass sie sich melden sollen, falls sie bei den Ermittlungen auf D. stoßen. Nicht aber, dass D. einer der Täter sei. Vielmehr könnten es Verwandte von ihm sein, weshalb die Stimmauswertung besonderer Sorgfalt bedurfte. 

Nach diesen Aussagen forderte sogar die Staatsanwaltschaft einen Freispruch für D. So kam es am Montag dann auch. Die Staatskasse trägt die Kosten des Verfahrens und D. erhält eine Haftentschädigung.

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