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Dresden

Dresden kann letzte Drewag-Anteile kaufen

Die Stadtwerke haben sich gut entwickelt und erwirtschaften viel Gewinn. Doch Millionen davon fließen nach München. 

Das Kraftwerk Nossener Brücke ist ein weit sichtbares Symbol für die Leistungsfähigkeit der Drewag, die aber noch nicht komplett in kommunaler Hand ist.
Das Kraftwerk Nossener Brücke ist ein weit sichtbares Symbol für die Leistungsfähigkeit der Drewag, die aber noch nicht komplett in kommunaler Hand ist. © Steffen Füssel

Für die Stadt bietet sich eine Chance, die Drewag komplett in kommunale Hand zu bekommen. Zwar gelang es ihr, 2010 für 836 Millionen Euro Stadtwerke-Anteile zurückzukaufen und sie somit auf 90 Prozent aufzustocken. Doch zehn Prozent gehören noch immer der Münchner Thüga AG. Zum 1. Januar 2020 besteht nun die Option, auch die letzten Anteile zurückzukaufen, sodass die gesamte Drewag der kommunalen Holding Technische Werke Dresden (TWD) gehören würde. Allerdings muss die Entscheidung bis Ende Juni fallen.

„Das ist eine wesentliche Weichenstellung für eines der bedeutendsten städtischen Unternehmen“, sagte Linken-Fraktionschef André Schollbach am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Es gebe nicht viele so große Unternehmen, die ihren Sitz in Ostdeutschland haben, verwies der Politiker, der auch im Drewag-Aufsichtsrat sitzt, auf die Fakten. Schließlich betreiben die Stadtwerke in Dresden ein Strom-, Gas-, Fernwärme- und Trinkwassernetz, das insgesamt rund 9.000 Kilometer lang ist.

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Die Drewag mit ihren über 1.400 Beschäftigten hatte 2017 einen Umsatz von mehr als 1,1 Milliarden Euro und einen Gewinn von rund 80 Millionen Euro. Damit werden unter anderem Zuschüsse für die Dresdner Verkehrsbetriebe finanziert. Außerdem ist es auch möglich, immer mehr zu investieren. Wurden 2018 noch 125 Millionen Euro für die Verbesserung der Drewag-Infrastruktur ausgegeben, so sind dieses Jahr rund 170 Millionen Euro geplant.

Das gute Ergebnis zahlt sich jedoch nicht nur für die Stadt aus, sondern auch für den Zehn-Prozent-Anteilseigner Thüga AG. „Für sie ist es ein goldenes Geschäft“, sagt der Linken-Chef. „Es fließen erhebliche Gelder von Dresden nach München und damit auch Gebühren, die Dresdner Bürger zahlen.“ Penibel hat Schollbach aufgelistet, welche Summen Jahr für Jahr an die Thüga gezahlt werden. So waren es 2017 rund 7,4 und 2018 etwa 7,97 Millionen Euro. Seit 1997 gingen knapp 125 Millionen Euro an die Thüga, so der Linken-Chef. Ursprünglich zahlten die privaten Gesellschafter für 45 Prozent der Drewag-Anteile rund 82,3 Millionen Euro. Rein rechnerisch hätte die Thüga damit lediglich etwas mehr als 18,28 Millionen Euro für ihren zehnprozentigen Anteil gezahlt. Selbst die damalige Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte 2012 in einer Antwort auf eine Schollbach-Anfrage die Investition der privaten Gesellschafter als „äußerst profitabel“ bezeichnet.

Zuletzt hatte 2013 die Möglichkeit bestanden, den Thüga-Anteil zurückzukaufen. Doch die damalige CDU-Stadtratsmehrheit hatte das abgelehnt. Die Aktiengesellschaft zahlte lediglich einmalig zehn Millionen Euro, erklärt Schollbach. In den Folgejahren flossen von 2014 bis 2018 knapp 39 Millionen Euro Gewinn nach München. „Das war wieder ein Bombengeschäft für die Thüga“, so Schollbach.

„Wir setzen uns dafür ein, dass wir die Drewag wieder vollständig in kommunale Hand bringen“, sagt er. „Die Stadt wäre nicht gut beraten, die Chance verstreichen zu lassen.“ Eine konkrete Summe, was der Rückkauf der Anteile kosten würde, konnte der Linken-Chef aber nicht nennen. Bei der ersten Diskussion 2013 war eine Summe von 70 bis 100 Millionen Euro genannt worden, die letztlich die TWD aufbringen müssten. Im vergangenen Jahr hatte der Mutterkonzern bereits 49 Prozent der Stadtreinigung zurückgekauft, sodass sie jetzt komplett in kommunaler Hand ist.

Vor der Entscheidung müsste der Drewag-Geschäftsbericht des vergangenen Jahres vorliegen. Zudem lässt der TWD-Aufsichtsrat seit September 2018 ein Bewertungsgutachten für die Drewag erstellen, um den Rückkaufswert der Thüga-Anteile zu ermitteln. „Über das Bewertungsergebnis wird in den Unternehmensgremien und im Stadtrat entschieden“, hatte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) als TWD-Aufsichtsratschef damals angekündigt.

An der Spitze der Drewag und des Regionalversorgers Enso steht seit Anfang 2018 Frank Brinkmann. Sein erklärtes Ziel ist es, beide Unternehmen verstärkt zusammenzuführen, bevor sie letztlich fusionieren. Der langjährige Drewag-Geschäftsführer Reiner Zieschank findet diese Strategie genau richtig, hatte er bei Brinkmanns Übernahme der SZ erklärt.

„Der große Akt war der Rückkauf der Unternehmensanteile“, blickt er zurück. „Nach der Wende hatte man mit dem Einigungsvertrag die Energieversorgung für ‘n Appel und ‘n Ei an Westkonzerne verkauft“, sagt der aus Karlsruhe stammende Manager mit sächsischen Wurzeln. Bereits seit dem ersten Rückkauf bei Drewag und Enso würden die Kommunen viel stärker von den Gewinnen profitieren.