merken
PLUS

Dynamo

Dynamos Doc: Warum wir keine Spieler testen

Der Mannschaftsarzt der Fußballprofis ist gefragt wie nie – und in der Uniklinik Dresden derzeit unabkömmlich.

Onays Al-Sadi, hier mit Vize-Kapitän Patrick Ebert, ist seit dieser Saison Dynamos Mannschaftsarzt.
Onays Al-Sadi, hier mit Vize-Kapitän Patrick Ebert, ist seit dieser Saison Dynamos Mannschaftsarzt. © Lutz Hentschel

Die Sache mit dem Klopapier kann auch er nicht erklären, zumindest nicht aus medizinischer Sicht. Das sei völlig unverständlich, sagt Dynamos Mannschaftsarzt Onays Al-Sadi. Er meint die Hamsterkäufe, bei denen Klopapier ganz oben auf dem Einkaufszettel steht genauso wie Desinfektionsmittel, Handschuhe, Mundschutz.

Weil diese Dinge seit Tagen schon im Handel zur Mangelware zählen, werden sie gestohlen, auch in Krankenhäusern. „Ja, das ist tatsächlich vorgefallen“, sagt Al-Sadi in einem Interview auf der Homepage des Fußball-Zweitligisten.

Erfüllen Sie sich Ihren Wohntraum

Eine Veränderung wäre doch gut, oder etwa nicht? Tipps zum Thema Einrichtung und Wohnen gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de. Ein Blick hinein lohnt sich!

Der 39-Jährige arbeitet als Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Notfallmedizin an der Uniklinik in Dresden, sozusagen an der Basis. Seit dieser Saison ist er der medizinische Ansprechpartner Nummer eins bei Dynamo und in diesen Tagen gefragter denn je.

Die Spieler, das bestätigte Cheftrainer Markus Kauczinski im SZ-Interview, würden den Coronavirus nicht unterschätzen, etwa wie andere speziell junge Leute. „Vor unserem Auseinandergehen vor einer Woche habe ich gespürt, dass sich die Spieler schon Gedanken machen – um ihre Gesundheit und die ihrer Familien und Freunde. Das beschäftigt sie“, sagte Kauczinski. Einige Spieler seien mittlerweile auch zur Untersuchung in der Uniklinik gewesen, doch Al-Sadi gibt Entwarnung. „Diesbezüglich erfreut sich der Kader aktuell bester Gesundheit“, betont der Arzt.

In der vergangenen Woche hat er die Mannschaft ausführlich zum Thema Coronavirus informiert. „Es gab niemanden, der das grundsätzlich anders bewertet hat. Ich glaube, dass ihnen klar ist, was das für gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Konsequenzen hat. Alle Spieler sind sich ihrer eigenen Verantwortung in der jetzigen Situation bewusst“, sagt Al-Sadi. Jeder tue alles, um dem Präventivgedanken folgen.

Virologe: 2021 wird erst wieder gespielt

Darum geht es aktuell, deshalb die drastischen Maßnahmen der Politik. Und deshalb auch keine Corona-Tests in den nächsten Wochen für die Spieler. Ohne begründeten medizinischen Hintergrund mache das laut Al-Sadi keinen Sinn.

„Da halten wir uns an die Vorgaben der Bundesregierung, des Robert-Koch-Institutes und der Uniklinik Dresden. Demnach werden Spieler erst dann getestet, wenn sie Atemwegserkrankungen haben, die auch mit Fieber einhergehen oder aber wenn sie Kontakt zu Personen hatten, die mit dem Coronavirus infiziert worden sind“, erklärt der Mediziner, der in die tägliche Abstimmungsrunde der Dynamo-Verantwortlichen eingebunden ist. Deren derzeit entscheidende Frage: Ab wann kann, ab wann darf wieder ein Mannschaftstraining stattfinden? Und wie könnte das ablaufen? Für Kauczinski muss es Anfang der Woche wieder losgehen. Denn am 3. April tritt Dynamo zum Auswärtsspiel beim Tabellenführer Bielefeld an. Das ist der aktuelle, aber heftig diskutierte Stand der Dinge.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg geht indes davon aus, dass in diesem Jahr gar kein Profifußball mehr gespielt wird. Er halte es nicht für realistisch, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Andere Experten rechnen mit einer Fortsetzung frühestens im Mai, dann allerdings ohne Zuschauer.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Dynamo: Weiter kein Mannschaftstraining

Der Trainer will trotz Corona-Krise auf den Platz, eine behördliche Verfügung verbietet das. Offizielle Spielpause ist aber nur bis 2. April.

Symbolbild verwandter Artikel

Dynamos Trainer in der Corona-Warteschleife

„Am liebsten würde ich am Wochenende wieder anfangen", sagt Markus Kauczinski und ist dennoch hin- und hergerissen. Das große Interview.

Symbolbild verwandter Artikel

Dynamo führt Kurzarbeit ein

Auf der Geschäftsstelle und in der Nachwuchs-Akademie des Fußball-Zweitligisten führt die Corona-Krise zu ersten Einschnitten.

Selbst aus medizinischer Sicht fällt Al-Sadi eine Prognose schwer. Er spricht von einer schwierigen Frage, die aus mehreren Blickwinkeln diskutiert werden müsse. „Auch das ist so dynamisch, dass sich das abschließend nicht bewerten lässt – zumal es in einigen Mannschaften bereits Nachweise von Corona gibt“, sagt er und betont noch mal, worauf es jetzt ankommt: vom Coronavirus bedrohte Personengruppen zu schützen und die Zahl der Infizierten nicht so schnell zu steil ansteigen zu lassen, damit das Gesundheitssystem gerüstet ist.

Was das aber mit Klopapier zu tun hat, ist wirklich schwer erklärbar. Dafür muss man nicht Arzt sein.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.