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Einmal herum um die Tatra

"Wie geht's, Brüder?": Warum Urlauber in Poprad übernachten sollten und wie der Ski-WM-Ort Strebske Pleso mit seinen Wettkampfstätten umgeht.

Von Olaf Kittel
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Die Großschanze in Strebske Pleso ist verfallen und wird nicht mehr genutzt, nur die kleine Anlage ist noch in Betrieb.
Die Großschanze in Strebske Pleso ist verfallen und wird nicht mehr genutzt, nur die kleine Anlage ist noch in Betrieb. © Matthias Schumann

Es ist ein ganz schöner Ritt von der ungarisch-rumänischen Grenze bis in die Tatra. Zum Glück gibt`s neue Autobahnen, es fehlt nur ein Stück in Nordungarn vor der slowakischen Grenze. Von Kosice bis nach Poprad rauscht man dann problemlos und in kurzer Zeit. Und schon ist man dort, wo die Touristiker ihre Gäste am liebsten haben: In der 50.000-Einwohner-Stadt am Fuße der Hohen Tatra, nahe genug für Ausflüge in die Berge, weit genug, um die überforderten Bergorte im Nationalpark zu entlasten. Auf der Autobahn kommt man leicht hierher, mit dem Flugzeug auch, der Bahnhof wurde großzügig ausgebaut.

Für die Unterkunft wird gern ein riesiges Hotel mit umfangreichen Poolanlagen und vielen Wellness-Freuden empfohlen, ein britischer Investor hat es hingeklotzt und tatsächlich die Queen dazu gebracht, zur Eröffnung zu erscheinen. Und die Stadtväter erweiterten den begrenzten Charme der Industriestadt Poprad um die eine oder andere Attraktion, die angeblich größte Hallen-Kletterwand Europas zum Beispiel.

Die Bemühungen um Poprad werden auf der Straße unterhalb der Berge zwischen Strebske Pleso, Stary Smokovec und Tatranska Lomnica recht verständlich: Der Verkehr rauscht durch die Bergorte, stört die Natur und die Spaziergänger, die in der Hochsaison Mühe haben, über die Straße zu kommen. Ansonsten putzten sich die Städtchen nett heraus ohne zu protzen, wie viele Orte in den Alpen. Hotels und touristische Einrichtungen zu vernünftigen Preisen gibt es reichlich, sie sind ordentlich in Schuss.

Strebske Pleso wollten wir uns genauer ansehen. Der Bergsee gleichen Namens vor den Bergriesen ist noch immer wunderschön, der Wanderweg ringsherum gleicht einer belebten Magistrale. Hier stehen auch die markanten Hotels, die zum Wahrzeichen der nordischen Ski-Weltmeisterschaften von 1970 wurden. Leider ziemlich heruntergekommen, wie manche Sportanlage auch, die Sprungschanzen zum Beispiel. An den Traum einer Winter-Olympiade gemeinsam mit dem polnischen Zakopane scheint niemand mehr zu glauben.

In Tatranska Lomnica ist ein Ausflug auf die Lomnitzer Spitze in 2634 Meter Höhe Pflicht. Zum Glück gibt es Bergbahnen. In drei Etappen geht es hoch für satte 50 Euro. An klaren Tagen gibt es den besten Blick auf die Berge und die vielen kleinen Seen, die das Gebirge so attraktiv machen. Aber unser Glück hält sich in Grenzen, Wolken hängen schwer auf der Spitze, es gibt nicht viel zu sehen. Mit Mühe nur ist unser enttäuschter Fotograf in die letzte Bergbahn hinab zu bekommen. Er hätte gar zu gern hier oben irgendwie illegal übernachtet und am nächsten Morgen exklusiv für die SZ-Leser die besten Bilder geschossen.

Östlich um die Tatra herum taucht Zdiar auf, vor 30 Jahren noch der Lieblingsort vieler ostdeutscher Touristen. Hier geht es dörflicher zu, es gibt noch die schönen alten Bauernhöfe, inzwischen sind allerdings viele neue Häuser hinzugekommen, die viele neue Touristenquartiere bieten, den Ort aber nicht gerade attraktiver gestalten.

Von hier ist es nicht mehr weit bis zur polnischen Grenze. Auf der anderen Seite wird schnell klar, was starker Verkehr wirklich bedeutet und wie relativ ruhig es doch in der Slowakei zugeht. Auf der Fernstraße zwischen Zakopane und Krakau, die immer mehr autobahnähnlich ausgebaut wird, schleichen wir dahin, eingeklemmt zwischen Lastern. Überholen ist aussichtslos. Unterhaltsam auf der langen Fahrt hinab aus den Bergen sind nur die zahllosen Großplakate an der Straße, die für regionale Pantoffeln und Schönheitsoperationen in einer gynäkologischen Klinik werben.

Kein Zweifel, wir sind im geschäftstüchtigen Polen angekommen.

Weitere Beiträge aus der Serie

Matthias Schumann, Fotograf für die SZ und in vielen Krisenländern mit der Kamera unterwegs, und Autor Olaf Kittel wollten wissen, wie es heute, 30 Jahre nach dem Umbruch, in den einstigen „Bruderländern“ aussieht. Alle Beiträge aus der Serie "Wie geht's, Brüder?" finden Sie unter folgendem Link:

WIE GEHT'S, BRÜDER?

Ost-Tour-Reporter laden Leser ein: Zum Abschluss der großen Serie „Wie geht`s, Brüder?“ lädt die Sächsische Zeitung am 20. August um 19 Uhr zu einem Leserforum in den Kongresssaal im Dresdner Haus der Presse ein. Reporter Olaf Kittel und Fotograf Matthias Schumann berichten über ihre Erlebnisse, zeigen viele noch unveröffentlichte Fotos und beantworten Leserfragen. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit dem Forum für zeitgenössische Fotografie Dresden veranstaltet. Der Eintritt ist frei.