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Corona: Ladenbesitzer loben ihre Kunden

Steigende Corona-Infektionszahlen machen Görlitzern und Nieskyern keine Sorgen. Eher schließende Läden und mögliche Hamsterkäufe.

Marco Zahn und seine Kollegin Anni Ratayczak im S18 auf der Berliner Straße Görlitz. Sie beobachten, dass die Kunden jetzt mehr auf Abstände achten.
Marco Zahn und seine Kollegin Anni Ratayczak im S18 auf der Berliner Straße Görlitz. Sie beobachten, dass die Kunden jetzt mehr auf Abstände achten. © Nikolai Schmidt

Manchmal kam es schon vor, dass Marco Zahn und seine Kolleginnen ihre Kunden fragen mussten: "Entschuldigung? Haben Sie einen Mundschutz dabei?" "Oh natürlich, hab ich nur vergessen aufzusetzen", kommt  es dann meistens zurück. Etwa drei bis vier Mal die Woche passiert es allerdings auch im S18 auf der Berliner Straße, dass Kunden sich weigern, eine Maske aufzusetzen. "Dann bleibt uns keine Wahl", sagt der Filialleiter des Modegeschäfts, "dann müssen wir diejenigen des Ladens verweisen."

Maske auf der Straße – oft aus Versehen

Seit die Coronazahlen wieder leicht steigen – im gesamten Landkreis Görlitz gibt es aktuell 65 Infizierte, die täglichen Neuansteckungen liegen im unteren einstelligen Bereich –, beobachtet Marco Zahn aber insgesamt, dass seine Kunden noch stärker auf die Abstandsregelungen achten als noch vor dem Sommer. Und – mit Blick auf die Kreuzung Berliner/Hospitalstraße – dass jetzt häufiger Menschen auch auf der Straße Maske tragen. "Gerade ältere Leute sind inzwischen vielleicht noch vorsichtiger geworden." Er selbst fühle sich jedoch sehr sicher in der Region Görlitz.

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Genau wie manche versehentlich ohne Maske ins Geschäft gehen, laufen manche ebenso aus Versehen draußen mit Mundschutz herum. "Jetzt habe ich doch tatsächlich noch die Maske auf", sagt Anita Puhl, die auf der Berliner Straße gerade ein wenig einkaufen geht. "Obwohl man so darunter schwitzt und ich sie eigentlich gar nicht mag." 

Sorgen bereiten Görlitzer Händlern weniger die steigenden Coronazahlen als die Schließung mancher Görlitzer Geschäfte wie WMF.
Sorgen bereiten Görlitzer Händlern weniger die steigenden Coronazahlen als die Schließung mancher Görlitzer Geschäfte wie WMF. © André Schulze

Sie sei durchaus vorsichtig und halte sich seit Beginn der Corona-Zeit an alle Regeln. Schließlich habe sie einen 91-jährigen Vater und sei mit ihren 66 Jahren selber auch nicht mehr die Jüngste. An Covid 19 wolle sie auf gar keinen Fall erkranken. "Seit die Zahlen wieder etwas gestiegen sind, bin ich deshalb noch etwas achtsamer beim Abstandhalten geworden", sagt Anita Puhl. "Aber die Maske trage ich trotzdem nur dann, wenn es nötig ist."

"Alarmiert ist man trotzdem"

Marion Seidel, die mit ihrem Sohn bei New Yorker am Görlitzer Bahnhof eingekauft hat, zieht sich gerade die Maske vom Gesicht, als sie das Geschäft verlässt. "Dieser Schutz ist schon wichtig", sagt sie. In ihrem Umfeld habe es einen Corona-Fall gegeben, alle Kontaktpersonen seien zum Glück negativ getestet worden. "Aber alarmiert ist man trotzdem." Die neuen Zahlen oder dass Reiserückkehrer aus Risikoländern das Virus mitbringen könnten, beunruhigt sie aber nicht wesentlich mehr als vor den Ferien. "Das Virus gehört nun dazu, wir müssen damit lernen zu leben."

Robert Navratiel, Inhaber der Juweleria auf der Hospitalstraße, geht davon aus, dass seine Kunden vernünftig sind. Er selbst komme gerade aus dem Urlaub in Frankreich zurück. "Es ist doch eigentlich selbstverständlich, dass man sich auch auf Reisen vorsieht, die Abstände einhält und zum Beispiel keine überfüllten Campingplätze aufsucht." 

Die in Deutschland etwas gestiegenen Zahlen seien mit denen zu Beginn der Pandemie nicht vergleichbar und machten ihm deshalb aktuell keine Sorgen. Mit Blick auf WMF sagt er: "Viel schlimmer finde ich, dass es Geschäfte in Görlitz gibt, die die Krise nicht überstanden haben." Die WMF-Filiale auf der Berliner Straße schließt.

Die meisten Kunden sind diszipliniert

Petra Kriegel von der Görlitzer Thalia-Buchhandlung erlebt ihre Kunden von Beginn an sehr diszipliniert. "Die ganze Zeit über schon halten sie sich wirklich sehr genau an die Regeln", sagt die Filialleiterin. Auch an der Kasse brauche man niemanden darauf hinzuweisen, genügend Abstand zu halten. Das habe sich in den vergangenen Wochen nicht verändert. 

Sevket Demir, Centermanager des Neiße-Parks.
Sevket Demir, Centermanager des Neiße-Parks. © Archiv/Nikolai Schmidt

So beobachten es die meisten Händler in Görlitz und Niesky. Sevket Demir, Centermanager im Neiße-Park, sagt, die Kunden des Marktkaufs und der vielen anderen Geschäfte hielten sich zu 99,9 Prozent an die Maskenpflicht und die Abstandsregelungen. Hinter den 0,1 Prozent stünden Menschen, die sich weigern, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. 

Renitente Maskenverweigerer sind selten

"Dieser Teil der Kunden hält sich unabhängig von steigenden Zahlen genauso wenig an die Regeln wie vorher." Das Sicherheitspersonal lasse renitente Verweigerer des Schutzes, die zum Teil auch beleidigend werden, nicht in die Mall eintreten. In seltenen Fällen habe sogar die Polizei gerufen werden müssen. "Aber das waren die absoluten Ausnahmen." Weiter Aufpassen sei schon wichtig, sagt Demir. "Das hilft uns allen."

Aus der Zoohandlung Zwahr heißt es, die Kunden nähmen die Maskenpflicht sehr ernst, obwohl so viel Platz in dem großen Geschäft auf der Görlitzer Jakobstraße ist. 

Auch Beate Radisch, Inhaberin der Nieskyer Weinhandlung Flicke, sagt: "Unsere Kunden achten von ganz allein darauf, sich nicht zu nahe zu kommen, sie betreten den Laden einzeln." 

Beate Radisch, Inhaberin der Wein- und Getränkehandlung Flicke in Niesky.
Beate Radisch, Inhaberin der Wein- und Getränkehandlung Flicke in Niesky. © Archiv/Steffen Gerhardt

Sie habe das Gefühl, auf dem Land hielten sich die Menschen sehr gewissenhaft an die Hygieneschutzmaßnahmen. "In Großstädten ist das vielleicht nicht immer so einfach."

Wird Toilettenpapier wieder knapp?

Benjamin Rößler, Assistent der Geschäftsleitung bei Rewe in Niesky sagt auch, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sei für die Kunden selbstverständlich, die Desinfektion von Einkaufswagen und Händen werde nach Bedarf genutzt. Das Abstandhalten von 1,50 Meter beim Lebensmittelkauf gerate eventuell manchmal in Vergessenheit, darauf müsse man manchmal hinweisen, aber die Abstandsmarkierungen an den Kassen würden eingehalten. Was er allerdings seit dem erneuten Anstieg der Corona-Zahlen beobachte: Die Leute kaufen wieder mehr Toilettenpapier.

Bußgelder für Maskenverweigerung: Wo wie hoch?

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Fast 14.000 Tests von Reiserückkehrern wurden seit Anfang August untersucht. Kann es in Sachsen zu ähnlichen Pannen wie in Bayern kommen?

  • Sachsen führt zum 1. September ein Bußgeld von 60 Euro ein. Damit werden Verstöße gegen die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften geahndet.
  • Auch andere Bundesländer greifen zu diesem Mittel, um das Maskentragen vor allem im öffentlichen Nahverkehr durchzusetzen. Hier die derzeit geltenden Bußgelder: 10 bis 50 Euro Rheinland-Pfalz; 40 Euro Hamburg, 50 Euro Hessen, 50 bis 100 Euro Berlin, 60 Euro Sachsen/Thüringen, 100 bis 250 Euro Baden-Württemberg, 150 Euro Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, keine Bußgelder bislang in Sachsen-Anhalt, Saarland, Brandenburg und Bremen.
  • Auch in anderen europäischen Städten werden teils hohe Strafzahlungen bei Maskenverweigerung fällig. Die höchsten in Rom, wo es mindestens 400 Euro kostet, aber der Höchstsatz bei 3.000 Euro liegt. In Brüssel sind es mindestens 250 Euro, in Athen und Sofia je 150 Euro.

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