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Worauf Kletterer jetzt achten müssen

Die Sächsische Bergwacht gibt Corona-Tipps für Ausflüge ins Elbsandsteingebirge.

Kletterer sitzen auf der Schrammsteinnadel und schauen ins Elbland hinab.
Kletterer sitzen auf der Schrammsteinnadel und schauen ins Elbland hinab. © imago

Thomas Eckert klettert seit früher Kindheit und am liebsten im Elbsandsteingebirge. „Natürlich ist mehr los als sonst. Ich wäre ja blind, wenn ich das nicht sehen würde“, sagt der Referent der Bergwacht des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Roten Kreuz. Dort kümmert er sich hauptamtlich um die Rettung abgestürzter Kletterer am heimischen Fels. Ehrenamtlich ist der Dresdner als 2. Vorsitzender des Sächsischen Bergsteigerbundes auch bestens im Bild. 

Nach etwa anderthalb Monaten Ruhe durch Corona herrscht im Nationalpark erneut Hochbetrieb. „Es ist schon extrem, wie zugeparkt das Kirnitzschtal jetzt wieder ist“, nennt er ein Beispiel. Auch auf dem Zeltplatz Ostrauer Mühle sei viel los. „Da merke ich, wie sehr die Leute wieder raus wollen.“

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Noch sind mehr Wanderer als Kletterer wie Eckert unterwegs und da eher die Älteren die klassische Klientel. Er spricht von der Generation 65 plus. Das sei eine eigene Zielgruppe – fit, mobil, sehr viel im Gebirge unterwegs und immer der Gefahr ausgesetzt, Situationen falsch einzuschätzen oder sich zu überschätzen. „Auch in der Sächsischen Schweiz kann ich drei Stunden unterwegs sein, ohne auf ein Lokal zu treffen.“ Da spiele der Kreislauf schon mal verrückt, und wenn einer körperlich geschafft sei, dann verstauche er sich schneller mal was. „Da gibt es ein brutales Aufkommen. Ich sehe das jedes Wochenende.“

Was Eckert vermisst, sind konkrete Hinweise für Kletterer wie Wanderer wegen Corona. Er rät ihnen beispielsweise zu Handschuhen. „Die sind nicht unüblich bei Klettersteigen.“ Schließlich berührt jeder dort die Metallgeländer. Gleiches gilt für die Griffe und Ringe am Fels, vergleichbar mit den Plastikhaltern im öffentlichen Personennahverkehr. Das Virus hält sich laut diversen Studien auf derartigen Oberflächen zwei bis drei Tage oder sogar länger als eine Woche. Also besteht die Gefahr einer Infektion dort enorm lange.

Kinderwagen sorgen für Abstand

Ansonsten appelliert Eckert an den gesunden Menschenverstand. „Wer Symptome hat, geht nicht mehr klettern oder wandern. So verantwortungsvoll sollten alle sein und sich wie andere schützen.“ Ihm ist kein Fall bekannt, dass ein abgestürzter Kletterer oder verunglückter Wanderer positiv getestet worden ist, etwa bei den vergangenen Einsätzen Anfang und Ende Mai. „Wenn wir retten, haben wir intensiven Kontakt. Dann wären wir vom Gesundheitsamt oder Krankenhaus informiert, unter Beobachtung gestellt oder in Quarantäne geschickt worden.“

Was Eckert beobachtet, ist, dass es einige zu locker nehmen. „Kaum waren die Beschränkungen für Familien aufgehoben, da bildeten acht Erwachsene und 27 Kinder eine große“, übertreibt er etwas, ermahnt die Leute, Grundregeln einzuhalten, und plädiert für normale Umgangsformen: große Menschenmengen meiden, keine Riesengruppen bilden, zu Fremden Abstand halten, was im Elbsandsteingebirge kein Problem ist. Kinderwagen helfen da übrigens genauso wie Einkaufswagen im Supermarkt. „Wir müssen immer daran denken, dass die Krise nicht zu Ende ist. Die Pandemie kann wieder aufflackern.“

Eckert befürchtet das mit dem zunehmenden Tourismus in der Ferien- und Urlaubszeit. Da drohen andere Infektionswege. „Das ist schwer einzuschätzen. Ich bin da skeptisch.“ Er weiß aus seinem Bekannten- und Freundeskreis, dass mehr Verwandte und Kumpel in Deutschland bleiben. „Sie fühlen sich sicher, weil sie wissen, dass das Gesundheitssystem funktioniert, was anderswo nicht so optimal geht.“ Viele verbringen die schönste Zeit des Jahres in der Heimat und zu deren schönsten Gegenden gehört nun mal auch die Sächsische Schweiz.

Eigentlich findet Eckert die Rückbesinnung aufs Nest ja durchaus positiv, und er denkt auch, „dass wir das hinbekommen, eventuell mit Schwankungen“. Dennoch ist Eckert im Juli im Donautal. „Ich bin in der Regel mit meiner Frau unterwegs, konsequent zu zweit, und seit es erlaubt ist, auch mal mit zwei befreundeten Familien.“ Er erlebt die großen, klassischen Risse und Wände im sächsischen Fels lieber mit wenigen guten Kumpels. Von 40-Mann-Gruppen am Wochenende hält Eckert eben nichts. „Wir dürfen die Gefahr nicht außer Acht lassen und müssen das begrenzen.“

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