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Fernkälte am Neumarkt sehr gefragt

An heißen Wochenenden wird der Spitzenwert von 2019 übertroffen. Allerdings spürte die Drewag auch die Auswirkungen der Coronakrise.

Ein Blick in die Drewag-Fernkältezentrale unter dem Kulturpalast. Von hier aus wird das Gebiet am Neumarkt versorgt.
Ein Blick in die Drewag-Fernkältezentrale unter dem Kulturpalast. Von hier aus wird das Gebiet am Neumarkt versorgt. © (c) Christian Juppe

Dresden. Im Keller des Kulturpalastes steht eine Anlage, die besonders an heißen Tagen für angenehme Kühle in Gebäuden am Neumarkt sorgt. Auf rund 300 Quadratmetern betreibt die Drewag dort ihre Fernkältezentrale für das Gebiet. 1,9 Kilometer lang ist dieses Netz. Angeschlossen sind Wohn- und Geschäftshäuser, Hotels und Restaurants. Jedes Jahr kommen neue hinzu. 

Im vergangenen Jahr wurde das Gebäude Wilsdruffer Straße 20/22 angeschlossen, erklärt Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann. Die dort zuvor im Dach installierte Anlage konnte stillgelegt und verschrottet werden. So wird es auch für die Bewohner der Wohnungen darunter ruhiger, nennt sie einen Vorteil. Ans Fernkältenetz angeschlossen wurden auch die Schloßstraße 1-9, der Jüdenhof und das Moritzhaus. Derzeit werden die Anschlüsse für das Quartier Hoym hinter dem Polizeipräsidium und für das Schloßeck zwischen Kulturpalast und Swissotel hergestellt.

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Auswirkungen von Corona zu spüren

Die Fernkälte wird das ganze Jahr über geliefert, auch im Winter. Dann wird sie für Kühlschränke und Tiefkühltruhen von Hotels und Restaurants benötigt. Aber auch Juweliergeschäfte nutzen sie in der kalten Jahreszeit zur Entfeuchtung der Luft nach dem Prinzip von Klima-Anlagen. Allerdings ist im Winter nur eine Kälteleistung von 500 Kilowatt erforderlich. Im Sommer liegt sie deutlich höher. So wurde 2019 ein Spitzenwert von knapp 4,3 Megawatt (MW) erreicht. Zum Vergleich: 2006 waren es nur rund 1,4 MW. An den vergangenen sehr warmen Wochenenden lag die Spitzenleistung sogar bei knapp fünf MW, also mehr als 2019.

Allerdings bekamen die Drewag-Fernkälteversorger die Auswirkungen der Coronakrise zu spüren. Wegen der Schließung von Hotels und ausgefallenen Veranstaltungen im Kulturpalast war der Verbrauch gesunken. Hinzu kam, dass dieses Jahr bisher nicht so heiß war wie die vergangenen. „ Im Gegenzug ist zu merken, dass unsere Kunden stärker lüften, um die Ansteckungsgefahr zu senken“, erläutert die Sprecherin. „Entsprechend ist der Kältebedarf gestiegen und schwankt deutlich stärker als in den letzten Jahren.“

Das ist eine der drei Turbo-Kompressionskältemaschinen in der Fernkältezentrale.
Das ist eine der drei Turbo-Kompressionskältemaschinen in der Fernkältezentrale. ©  Christian Juppe

Das Herzstück des Fernkältenetzes ist die Zentrale unter dem Kulturpalast, die 2004 in Betrieb genommen wurde. Dort stehen heute drei Turbo-Kompressionskältemaschinen mit einer Leistung von knapp fünf Megawatt. Sie arbeiten nach dem Prinzip eines Kühlschranks. Sechs Grad kaltes Wasser strömt durch die Leitungen in die Häuser um den Neumarkt. Auf zwölf Grad erwärmt kommt es in dem Kreislauf zurück und wird wieder abgekühlt. Derartige Kältemaschinen speisen auch noch vom Taschenbergpalais sowie vom Innside-Hotel auf der Salzgasse aus Fernkälte ins Neumarkt-Netz. Insgesamt liegt die Leistung damit bei über neun Megawatt. Die wird aber noch nicht benötigt. Erst wenn alles angeschlossen ist, wird es soweit sein.

In dem architektonisch sensiblen Gebiet gibt es eine Besonderheit. Die Wärme kann nicht – wie sonst üblich – über sichtbare Einrichtungen auf Dächern abgeleitet werden. Zum Verständnis: Beim nach dem gleichen Prinzip arbeitenden Kühlschrank geschieht dies über die Rückseite. Deshalb wird die Abwärme ans Grundwasser abgegeben.

Seit 2018 wird eine Lösung praktiziert, um natürliche Ressourcen zu schonen. Über diese und andere blaue Hochleitungen wird Grundwasser aus Baugruben zur Kältezentrale gepumpt. Ansonsten müsste es ungenutzt in die Elbe fließen.
Seit 2018 wird eine Lösung praktiziert, um natürliche Ressourcen zu schonen. Über diese und andere blaue Hochleitungen wird Grundwasser aus Baugruben zur Kältezentrale gepumpt. Ansonsten müsste es ungenutzt in die Elbe fließen. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Mit Grundwasser soll aber sehr sparsam umgegangen werden. Zumal der Pegel in den vergangenen trockenen Jahren stark gesunken ist. Deshalb wird seit Sommer 2018 eine besondere Lösung praktiziert. Aus Baugruben im Zentrum wird Grundwasser über die blauen Leitungen nicht in die Elbe, sondern in den Tiefbrunnen der Fernkältezentrale gepumpt. Das geschieht derzeit vor allem aus der Baugrube des Bürokomplexes der Annenhöfe am Postplatz, den die TLG Immobilien AG errichten lässt. Täglich müssen dort rund 1.700 Kubikmeter abgepumpt werden. Werden sie in der Fernkältezentrale nicht benötigt, fließen sie über die blauen Rohre in die Elbe. Seit März wurden dort schon über 165.000 Kubikmeter abgepumpt.

Derzeit wird aus der Baugrube der künftigen Annenhöfe am Postplatz Grundwasser zum Kulturpalast gepumpt.
Derzeit wird aus der Baugrube der künftigen Annenhöfe am Postplatz Grundwasser zum Kulturpalast gepumpt. © Marion Doering

Die Drewag investiert auch weiter, damit ihre Anlagen gut funktionieren. In der kleineren Kältezentrale am Taschenbergpalais, die auch den Neumarkt versorgt, wurden 25 Jahre alte Rückkühlwerke ersetzt. „Damit kann die Anlage auch in den nächsten Jahren sicher und störungsfrei betrieben werden“, erklärt Sprecherin Ostmann.

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