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Bischofswerda: Frischekur für die Riesensilos

Tausende Tonnen Dünger und Getreide lagern in den gewaltigen Behältern. Jetzt investiert die Firma Agrofert erneut in den Standort.

Die großen Betonsilos am Drebnitzer Weg in Bischofswerda werden bis 2025 saniert. Sie gehören zur Firma Agrofert. Peter Kittlaus leitet den Bischofswerdaer Standort.
Die großen Betonsilos am Drebnitzer Weg in Bischofswerda werden bis 2025 saniert. Sie gehören zur Firma Agrofert. Peter Kittlaus leitet den Bischofswerdaer Standort. © Steffen Unger

Bischofswerda. Die rund zehn Meter hohen Betonsilos am Drebnitzer Weg prägen Bischofswerdas Stadtsilhouette genau so wie die Türme von Christuskirche, Rathaus und Goethe-Gymnasium. Vor allem wer aus Richtung Dresden kommt, sieht die markanten Hochbehälter, in denen Getreide gelagert wird, schon von weitem. Jetzt werden sie zur Baustelle. Denn der Eigentümer lässt die in den 1970-er Jahren errichteten Silos schrittweise sanieren. 

Rund eine halbe Million Euro werden in deren Betonsanierung fließen, sagt Reinhard Müller, Unternehmenssprecher von Agrofert Deutschland. Unter anderem werden Ausbruchstellen und Risse beseitigt, der Korrosionsschutz der Armierung erneuert,  Fehlstellen ausgemörtelt und die Silos insgesamt neu beschichtet. 

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Die Arbeiten erfolgen in mehreren Bauabschnitten. Der Erste steht kurz vor dem Abschluss. Die anderen Bauabschnitte werden bis etwa 2025 dauern, damit die erforderlichen Rüstarbeiten den Lagerbetrieb nicht beeinträchtigen, erklärt der Unternehmenssprecher. Denn gebaut wird bei laufendem Betrieb des Getreidelagers. 

Viele Prozesse laufen digital

Bis zu 24.000 Tonnen Getreide, Mais, Ölsaaten und Hülsenfrüchte können in den 24  Betonsilos eingelagert werden.  Hinzu kommen weitere Lagerflächen in Stahlblechsilos, die vor acht Jahren errichtet wurden, und in Hallen, so dass in Bischofswerda insgesamt bis 45.000 Tonnen Getreide eingelagert werden können. Gerade in diesen Wochen, da Landwirte die Ernte einfahren, gibt es bei Agrofert viel zu tun. Acht Mitarbeiter sind an diesem Standort beschäftigt. Die meisten Prozesse laufen hoch technisiert und digital.

Standortleiter Peter Kittlaus und sein Team sehen bereits am Monitor, wenn ein Fahrzeug die Betriebsstraße vom Drebnitzer Weg aus angefahren kommt und kurz darauf vor dem Betriebslabor auf der Waage hält. Hier wird das Getreide nicht nur digital gewogen, sondern auch auf seine Qualität geprüft. Peter Kittlaus weiß dann: In wenigen Minuten wird das Fahrzeug in der Annahmehalle stehen und seine tonnenschwere Fracht in eine der vier Annahmegossen schütten. Ein computergesteuertes Programm weist den Körnern anschließend den Weg in eines der Silos - je nach Sorte, Qualität und voraussichtlicher Lagerdauer. In der Anlage können stündlich bis zu 300 Tonnen Getreide angenommen und bis zu 30 Tonnen getrocknet werden. Auf Kundenwunsch reinigt das Bischofswerdaer Unternehmen auch das Getreide. 

Erste Getreidezüge verlassen Bischofswerda

Rund 40 Landwirtschaftsbetriebe aus einem Umkreis von etwa 20 Kilometern nutzen die Leistungen von Agrofert in Bischofswerda. Die angelieferten Feldfrüchte bleiben dabei im Eigentum des jeweiligen Produzenten. Dass sie ihre Ernte einlagern und diese nicht sofort verkaufen, hängt mit dem weltweiten Getreidemarkt und den dortigen Preisschwankungen zusammen. In der Regel lassen sich im Winterhalbjahr höhere Preise erzielen. Dann holen die Landwirte wieder "ihr" Getreide ab und liefern es an ihre Kunden, in den meisten Fällen Großhändler.  Auch deshalb wird bei der Anlieferung die Qualität dokumentiert. 

"Um unseren Kunden die hohen Qualitätsparameter zu bestätigen, sind wir entsprechend zertifiziert", sagt Dietmar Klose, Geschäftsführer von Agrofert Deutschland. Unabhängige Gutachter bewerten dafür sowohl die Lagerung als auch den Warenumschlag. 

Zweites Standbein des Betriebes ist  der Handel  mit Düngemitteln. Produziert werden diese vor allem im Stickstoffwerk Piesteritz, zu dessen Unternehmensgruppe Agrofert Deutschland seit dem Jahr 2007 gehört. Seitdem wurden fast 13 Millionen Euro am Standort Bischofswerda investiert. Als Erstes wurden die Getreideannahme und die komplette Getreide-Fördertechnik erneuert, sagt Dietmar Klose, der von Anfang an dabei ist. 2014 erfolgte der Neubau der Betriebszufahrt und zwei Jahre später die Modernisierung des Düngelagers. Jetzt können dort 3.200 Tonnen Flüssigdünger und 2.300 Tonnen Feststoffdünger gelagert werden. 

Agrofert ist zurzeit das einzige Unternehmen in Bischofswerda, das über einen Bahnanschluss verfügt und diesen auch nutzt. Vor allem der Dünger wird per Bahn angeliefert. Aber auch für die Einlagerung von Getreide gewinnt der Gleisanschluss an Bedeutung. Schon in mehreren Fällen wurde Getreide per Bahn ausgeliefert, sagt Reinhard Müller. 

Der jetzige tschechischen Premier Andrej Babis gründete im Jahr 1993 die Firma Agrofert, von der es auch in Bischofswerda einen Ableger gibt. Angeblich ist er der zweitreichste Mann Tschechiens.
Der jetzige tschechischen Premier Andrej Babis gründete im Jahr 1993 die Firma Agrofert, von der es auch in Bischofswerda einen Ableger gibt. Angeblich ist er der zweitreichste Mann Tschechiens. © AP Pool

Agrofert Deutschland hat seinen Hauptsitz in Wittenberg. An seinen vier Standorten in Sachsen-Anhalt und Sachsen beschäftigt das Unternehmen insgesamt 38 Mitarbeiter. Es gehört zu einem global agierenden Konzern mit 33.000 Mitarbeitern, den der jetzige tschechische Ministerpräsident Andrej Babis im Jahr 1993 gründete.

Dessen Holding kaufte im Jahr 2007 mehrere Agrarhandelsunternehmen in Deutschland, darunter die Dresdner Handelsgesellschaft für Agrarprodukte (Dreha), die in Bischofswerda eine Niederlassung hatte. 

Gemessen am Gesamtkonzern ist der Deutschand-Ableger ein kleines Rädchen im Getriebe. Doch die Betriebsleitung bekennt sich zum Standort Bischofswerda, den sie in den nächsten Jahren ausbauen möchte. So will Agrofert ab dem Jahr 2021/22 auch hier Lehrlinge zum Lagerlogistiker und Mechatroniker ausbilden. 

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