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Was macht Glashütte mit den 150.000 Euro?

Die Uhrenstadt liebäugelt mit dem Bau einer Neustadt. Wie es dazu kommen könnte, skizzierte der Bürgermeister bei einem Treffen mit Staatsminister Schmidt.

Glashüttes Bürgermeister Markus Deßler (li.) und Sachsens Minister für Regionalentwicklung Thomas Schmidt (beide CDU) unterzeichnen in der Uhrenmanufaktur Nomos den Vertrag, der Glashütte 150.000 Euro zusichert.
Glashüttes Bürgermeister Markus Deßler (li.) und Sachsens Minister für Regionalentwicklung Thomas Schmidt (beide CDU) unterzeichnen in der Uhrenmanufaktur Nomos den Vertrag, der Glashütte 150.000 Euro zusichert. © Egbert Kamprath

Wie können junge Familien, Fachkräfte und kreative Köpfe für ein Leben in Glashütte begeistert werden? Was muss man bieten, damit die Uhrenstadt ihr Wohnort wird? Welche Dienstleistungen, Bus- und Bahnanbindungen müssen ihnen geboten werden? Diese und andere Fragen möchte die Stadt Glashütte in den nächsten Monaten beantwortet haben - von Experten für Stadt- und Regionalentwicklung.

Die Antworten sollen der Stadt bei der Entscheidung helfen, ob sie das Zukunftsprojekt "Glashütte Neustadt" in Angriff nehmen sollte. Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) sieht dafür Chancen. "Ein solcher Ortsteil kann mutige, moderne Möglichkeiten eröffnen, die im Bestand an räumliche Grenzen und auch dem nachvollziehbaren Wunsch, Gewohntes zu bewahren, stößt."

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Weil diese Untersuchungen nicht billig sein werden, hat sich Glashütte um einen Zuschuss bemüht. Die Uhrenstadt bewarb sich beim Simul-Wettbewerb des Freistaates Sachsen - und war erfolgreich. Die Jury honorierte die Glashütter Idee mit einem Preisgeld in Höhe von 150.000 Euro. Sachsens Minister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt (CDU), klärte am Freitag in der Uhrenmanufaktur Nomos Glashütte die Modalitäten und unterzeichnete zusammen mit Dreßler den Vertrag.

Geld vom Steuerzahler

Schmidt ermutigte die Glashütter, das Projekt zu starten. "Politiker neigen dazu, Wege vorzugeben." Er hoffe, dass die Uhrenstädter es anders machen. "Sie müssen Freiräume lassen, eigene Ideen zu lassen." Die Verwaltung sollte eng mit der Wirtschaft, Gewerbetreibenden und anderen Akteuren zusammenarbeiten. Bei der Untersuchung sollte sie Schritt für Schritt vorangehen und dabei immer wieder kritisch nachfragen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. Es hofft, dass es der Stadt gelingt, Innovation mit Tradition zu verknüpfen. Dafür stelle man gern einen Zuschuss zur Verfügung. "Das Geld kommt nicht vom Freistaat, sondern von den Steuerzahlern", sagte Schmidt.

Nach der Vertragsunterzeichnung skizzierten Dreßler und sein Stellvertreter Uwe Ahrendt (Grüne), wie die Stadt nun vorgehen möchte. Zunächst soll ein Gremium gebildet werden, dass zusammen mit einem Projektsteuerer den Prozess begleitet. Danach möchte sich Glashütte einen Partner suchen, der mit geeigneten Methoden das Potenzial für eine Neustadt-Gründung ermittelt. Diesen Partner möchte die Stadt in einem Wettbewerb finden. An dem sollen sich Stadtentwicklungsbüros beteiligen. Sie sollen darlegen, mit welchen Mitteln sie ermitteln wollen, was potenzielle Neu-Glashütter von der Stadt oder einem neuen Stadtteil erwarten und was sie bewegen würde, sich dort niederzulassen. "Hier werden wir mit einem kleinen Preisgeld arbeiten, um in dieser entscheidenden Phase den besten Weg zu finden", so Dreßler. Je aussagekräftiger die Daten sind, desto größer sind die Chancen, Behörden, Fördermittelgeber und Investoren für das Vorhaben zu gewinnen und sie davon überzeugen, dass das keine fixe Idee ist, sondern dass es einen realen Bedarf gibt. "Die städtebauliche Vision zu entwerfen, ist dann die einfachere Übung", sagt Dreßler.

Für eine neue Willkommenskultur

Mit dem Projekt "Glashütte Neustadt", dass Stadträte der CDU und der Grünen angeschoben haben, möchte die Verwaltung auch einen Perspektivwechsel ermöglichen. "Ziel ist es, die Einwohner in Glashütte für Veränderungen, neue Wege und neue Einwohner zu begeistern und eine positive, optimistische Willkommenskultur für neue Einwohner entwickeln", so Dreßler. Deshalb wolle man die Einwohner in den Prozess aktiv einbinden. Gleichzeitig möchte Dreßler ein neues positives Bild vom Leben in der Kleinstadt zeichnen. Dabei sollen die Vorteile herausgestellt und neue Angebote entwickelt werden. Der von Glashütte und Altenberg gemeinsam beschäftigte Wirtschaftsförderer soll den Prozess unterstützen.

Auch Altenberg und Dippoldiswalde können profitieren

Vizelandrat Heiko Weigel (CDU), der zur Vertragsunterzeichnung nach Glashütte gekommen war, hofft auf einen Erfolg des Projektes. Dieser würde nicht nur in Glashütte wirken, sondern von dem würden auch die Region Altenberg/Dippoldiswalde profitieren. Viele der Ziele, für die die Menschen 1989 auf die Straße gegangen sind und die sie mit der Deutschen Einheit erträumt haben, haben sich erfüllt. "Neben den Grundrechten haben wir Vollbeschäftigung, sanierte Innenstädte, eine gesunde Umwelt." Nun muss es gelingen, Menschen für die Region zu begeistern. Und das wird nicht einfach.

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In den kommenden Monaten soll untersucht werden, ob die Uhrenstadt einen neuen Stadtteil bekommen soll. Es sind viele Fragen zu klären.

Denn selbst Glashütte mit seiner erfolgreichen und international geschätzten Uhrenindustrie, hat seit dem Mauerfall 20 Prozent seiner Einwohner verloren, ergänzte Dreßler. Diesen Trend möchte er gern umkehren, damit es auch in Zukunft ausreichend viele Fachkräfte gibt und die Vereine und Feuerwehren viele potenzielle Mitglieder haben. Das immer noch vorherrschende Verlustgefühl sollte bald Vergangenheit sein.

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