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Großenhain

"Das Grübeln ist vorbei - jetzt wird geplant"

Das Ostergeschäft muss Heike Claus in ihrem Laden "Dein Ambiente" abhaken. Der Enttäuschung darüber folgt nun der Blick auf die Zeit nach dem Virus.

Erst im Januar eröffnete Heike Claus an der Seite von Ehemann Rene ihr Geschäft "Dein Ambiente" auf der Naundorfer Straße in Großenhain, nachdem sie vorher vier Jahre auf dem Hauptmarkt residierte. Jetzt ist leider Zwangspause.
Erst im Januar eröffnete Heike Claus an der Seite von Ehemann Rene ihr Geschäft "Dein Ambiente" auf der Naundorfer Straße in Großenhain, nachdem sie vorher vier Jahre auf dem Hauptmarkt residierte. Jetzt ist leider Zwangspause. © Anne Hübschmann

Großenhain. Fünf Wochen am Stück frei - Heike Claus kann sich nicht erinnern, in den letzten Jahren jemals vor diesem "Luxus" gestanden zu haben. Mehr als zwei Wochen Urlaub hat sich die junge Unternehmerin gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in den letzten Jahren nicht gegönnt. 

Doch derzeit sitzt die 41-jährige Inhaberin des Dekorationswarengeschäftes "Dein Ambiente" morgens länger als sonst am Frühstückstisch. Wie beinahe alle Geschäftsleute im Großenhainer Stadtzentrum musste sie vor zwei Wochen wegen der Corona-Krise schließen. Eine Zwangspause, die weh tut. "Der erste Tag war ganz schlimm", sagt Heike Claus. 

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Denn in der Zeit vor Ostern wollte sie mit ihren Dekorationsartikeln durchstarten. Bestellte Ware war bereits da oder auf dem Weg. Noch am Wochenende vor dem vorläufigen Aus hat sie die Artikel liebe- und geschmackvoll aufgebaut. Das Meiste davon kann nun ins Lager oder zurück zum Lieferanten, sofern das möglich ist. "Das Ostergeschäft ist nicht aufzufangen", resümiert Heike Claus mit traurigem Blick. 

Jeden Tag im Geschäft

Natürlich musste sie angesichts der Entwicklung um Corona mit der Schließung rechnen. Aber das war zu einem Zeitpunkt, "als das Virus hier noch nicht angekommen war. Alles war so unrealistisch", sagt sie. Zumal zu jenem Zeitpunkt auch gerade richtig schönes Wetter herrschte. "Das war für uns alle unbegreiflich."

Jetzt bleibt Heike Claus nichts anderes übrig, als sich mit der misslichen Situation zu arrangieren. "Es ist nicht so, dass ich gar nichts tue", erzählt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Jeden Tag geht sie in ihr Geschäft, das im Erdgeschoss des Wohnhauses auf der Naundorfer Straße liegt. Auf die Schnelle hat sie einen kleinen Online-Shop aufgebaut. Die Resonanz ist fürs Erste sehr zufriedenstellend. Auch telefonische Anfragen gibt es. So hat beispielsweise der Großenhainer Geflügelhof Osterpräsente für seine Mitarbeiter bei "Dein Ambiente" geordert. 

Händlerin beantragt Soforthilfe

Aufträge, die zwar das Geschäft nicht ansatzweise kompensieren können, der Großenhainerin aber Mut machen. "Ich habe mich über diese Geste unheimlich gefreut. Jeder noch so kleine Einkauf hilft." Ohnehin denkt Heike Claus jetzt bereits an die Zeit nach Corona. Neue Ware muss bestellt werden, der Saison entsprechend. Natürlich macht sie sich auch Gedanken, wie das alles wirtschaftlich zu bewältigen ist. Vorhandene Artikel müssen bezahlt werden, neue auch. Die Ungewissheit, wann "Dein Ambiente" und die anderen Geschäfte wieder öffnen dürfen, kommt hinzu. Heike Claus hat daher Soforthilfe beantragt. Aber sie hat ihren naturgemäßen Optimismus nicht verloren. "Das Grübeln ist vorbei, jetzt ist Zeit zum Planen", sagt sie.

Langsam kommen verloren gegangene Strukturen im Leben zurück. Heike Claus gewinnt der Situation auch durchaus positive Dinge ab. Mehr Zeit für die Familie und für Sachen, die man sonst kaum schafft. Auch Zeit zum Nachdenken über unsere Werte und Schätze. Natürlich habe sie Debatten in den Nachrichten verfolgt. Auch die um die Hamsterkäufe in den Einkaufsmärkten. Ihr Verständnis dafür hält sich in Grenzen. "Bei allem dürfen wir doch unseren Anstand nicht verlieren", sagt sie. 

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Die Schließung der Läden sei für die Betroffenen eine Katastrophe, und möglicherweise werden auch nicht alle die Krise überstehen. Doch Solidarität und gegenseitige Hilfe seien gerade in einer Kleinstadt wie Großenhain von unschätzbarem Wert. "Man muss nur miteinander reden", sagt Heike Claus. Und es sei unheimlich wichtig, dass die Kunden auch nach Corona die kleinen Geschäfte unterstützen.

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