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„Hier kann ich etwas bewegen“

Vor Jahren zog er aus, die Welt zu entdecken. Nun hat Robert Gbureck vorerst in Hoyerswerda wieder seinen Platz gefunden.

Hier zeigt sich, dass Einzelne gemeinsam etwas schaffen können. Denn der Hype-Konzeptladen am Markt in der Altstadt funktioniert, weil sich mehrere Akteure einbringen: Marmeladen, neben Klamotten, neben Schmuck.
Hier zeigt sich, dass Einzelne gemeinsam etwas schaffen können. Denn der Hype-Konzeptladen am Markt in der Altstadt funktioniert, weil sich mehrere Akteure einbringen: Marmeladen, neben Klamotten, neben Schmuck. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Es gab für mich kein Halten mehr.“ Mit diesen Worten beschreibt Robert Gbureck seine persönliche Aufbruchstimmung, mit der er vor über 15 Jahren die Stadt Hoyerswerda verließ. Beruflich und privat gab es Veränderungen, die ihn zum Wagnis und Größerem herausforderten. „Ich war unruhig.“ Es folgte ein Aufenthalt in Australien. Die Monate verbrachte der Hoyerswerdaer dort mit „work and travel“. Ein Konzept, das auch etwas Mut und Spontanität verlangt. Im Rückblick war es so, dass ein Flug schnell gebucht war und „dann ist man eben da.“ Ein Aufenthalt in Neuseeland schloss sich an, wo Robert Gbureck in einem Kinder- und Jugendcamp tätig war.

Danach folgte eine Zeit in Berlin. Die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann stand kurz vor dem Abschluss. Der Weg sollte dann nach Vancouver führen – in die National Hockey League. Kontakte aus dem Marketing der Eisbären Berlin sollten das möglich machen. Doch es kam anders. Gemeinsam mit einem Partner entstand 2009 die Eismanufaktur Vanille-Marille, die bis 2013 in dieser Konstellation bestand. „Ich war damals mehr Organisator und Barbetreiber.“ Andere Dinge kamen zu kurz, aber er entdeckte auch eine neue Leidenschaft: das Reiten. Außerhalb von Berlin, in Storkow bot sich diese Möglichkeit. Hier, so sagt Robert Gbureck, hat er wieder mehr Bezug und eine Nähe zum ländlichen Raum entwickelt.

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Doch bis zur Wiederkehr nach Hoyerswerda dauerte es noch einige Zeit. Auch ein weiterer Aufenthalt in Neuseeland kam dazu. Eine Anfrage aus Zeißig legte den ersten Stein. 2017 nahm Robert Gbureck für eine Saison eine Stelle in der Gastronomie an. Daraus folgte, dass er sich in der Stadt engagierte – ein neues kulturelles Format, die Jam Session, wurde aus der Taufe gehoben. Das ließ sich danach auch von Berlin aus organisieren – mit kurzen Aufenthalten in der Heimatstadt. In Kooperation mit der Kulturfabrik wuchs ein weiteres Format erfolgreich heran. „Neue Impulse, neue Leute, neue Ideen.“

Mit mehr Verantwortung kann Robert Gbureck umgehen, aber es wurde zunehmend wichtiger auch dauerhaft vor Ort zu sein. „Ich bin mehr hier gewesen, denn es ist mehr, als nur etwas machen, sondern auch netzwerken.“ Es war Anfang 2020, als er glücklicherweise in Berlin den Pachtvertrag für eine Eisdiele aufkünden konnte. „Ich wollte etwas bewegen“, sagt er, immer noch voller Tatendrang. Auch das Reiten kann er hier weiter verfolgen, in der Nähe auf einem Hof in Eutrich. Schon sprudelt die nächste Idee: Wie wäre es auf Krabats Spuren zurück nach Kroatien zu reiten? Er nennt es „einen neuen schrägen Gedanken.“

Und so kamen einige Komponenten zusammen, die ausschlaggebend die Entscheidung für das Bleiben in Hoyerswerda beeinflussten – wie auch für den dauerhaften Betrieb des Eiscafés am Marktplatz.

Seine Kindheit in Hoyerswerda hat Robert Gbureck als „sehr ausgefüllt“ empfunden. Schon immer gab es einen Bezug zu Alt- und Neustadt – aufgewachsen im WK IX und die Familie auf der anderen Seite der Schwarzen Elster. Die Wende kam, als er 16 Jahre alt war. Besonders in diesem identitätsstiftenden Alter ein Umbruch, wie er sagt. Er erinnert sich zurück: „Das Abdriften in die rechte Ecke darf nicht wieder passieren. Das hat Hoyerswerda nicht verdient.“ Denn mittlerweile berichtet er wieder offensiver und mit Stolz von seiner Heimat. Das war nicht immer so. Vor einer Zeit war es noch die Kleinstadt zwischen Cottbus und Dresden.

Heute sieht er, dass viel passiert, aber noch mehr Potenzial da ist. Das möchte er entdecken und die Lebensqualität steigern. „Lebensfreude mit Menschen zu teilen, das macht mir Freude.“ Besonders das Reisen hat zu dieser Entfaltung geführt, wie er berichtet. Er ist anfänglich der Frage nachgegangen: Ist das nur hier so oder ist das einfach natürlich? Diese Neugier hat sich Robert Gbureck erhalten. Denn er mischt nach wie vor mit und bringt sich ein. Es würde ihn freuen, wenn noch mehr Menschen die Chancen des Seenlandes erkennen. Denn seine Heimat sieht er hier, wo er geboren und aufgewachsen ist. „Es ist ein Gefühl der Verbundenheit.“

Er möchte gerne dazu beitragen, dass Menschen weiter zusammenfinden und so auch Potenzial und Ideen von Bürgern erkannt und umgesetzt werden. Hoyerswerda – ein Wohlfühlort. Denn er stellt auch fest, dass Weggezogene wieder häufiger hier sind und, dass die Region verstärkt wahrgenommen wird – „das Interesse wird aktuell gelebt“.

Letztendlich bemerkt Robert Gbureck, dass es viele Impulse gibt, die die Zukunft der Stadt beeinflussen können. Vielleicht ist das Eiscafé am Markt ein kleines Puzzleteil. „Ich habe hier das Gefühl etwas bewegen und verändern zu können.“ Die Ideen sind da. Wie lange er hierbleibt, das wird sich zeigen. Er macht sein weiteres Engagement auch vom Ausgang der bevorstehenden Oberbürgermeisterwahl abhängig.

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