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Riesa

Hotelbetreiber hoffen auf den Neustart

Ab sofort dürfen sich auch wieder Touristen im Kreis Meißen einquartieren. Die Hoteliers setzen auf Reiselustige aus der Region.

Kevin Naacke bereitet im Mercure in Riesa ein Zimmer vor. Seit Freitag dürfen die Pensionen und Hotels im Landkreis auch für privat Reisende öffnen.
Kevin Naacke bereitet im Mercure in Riesa ein Zimmer vor. Seit Freitag dürfen die Pensionen und Hotels im Landkreis auch für privat Reisende öffnen. © Lutz Weidler

Riesa. Die Betten sind bereitet, die Rezeption wieder besetzt - und die ersten Gäste haben auch wieder im Mercure in Riesa eingecheckt. Wochenlang war das Hotel am Riesenhügel geschlossen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Zunächst durften wieder Geschäftsreisende übernachten, seit Freitag auch Touristen. Erstere hatten das Angebot schon gut wahrgenommen, sagt Reiner Striegler, Geschäftsführer des Hotelbetreibers Magnet. Mittlerweile gebe es auch die ersten Reservierungen von Elberadweg-Urlaubern für den 18. Mai. 

Von Normalbetrieb kann im Mercure wie in allen Hotels im Landkreis noch keine Rede sein. "Die Gäste müssen mit Einschränkungen beim Frühstück leben", erklärt Reiner Striegler. Das Frühstücksbuffet kann das Mercure aufgrund der geltenden Auflagen zurzeit nicht anbieten. Die Mitarbeiter haben sich allerdings eine Alternative ausgedacht: "Wir servieren auf Wunsch ein Zimmerfrühstück oder die Gäste erhalten von uns ein Lunchpaket zur Mitnahme." Auch die Hotelbar bleibt geschlossen. 

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Dehoga pocht auf Rettungsschirm

Trotz der Einschränkungen überwiegt bei allen Hotelbetreibern die Freude darüber, dass es wieder losgeht. Die Ausgangs- und Reisebeschränkungen hatten die Hotels und Pensionen im Landkreis Meißen heftig getroffen. Der Eigentümer des Spanischen Hofs in Gröditz, Michael Voss, rechnete schon im April vor, Hotel und Restaurant hätten allein im März rund 40.000 Euro Verlust gemacht. "Ab April erhalten unsere Mitarbeiter Kurzarbeitergeld. Dann sind es immer noch 30.000 Euro Verlust jeden Monat, in dem das Hotel geschlossen bleibt. Das summiert sich." 

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga geht davon aus, dass die monatelangen Schließungen die Betreiber noch jahrelang beschäftigen werden.  Deshalb poche der Verband auf einen Rettungsschirm für die Branche, sagt Geschäftsführer Axel Klein. Er vergleicht die jetzige Situation mit Dürrejahren für die Landwirte. Die Ernte sei ausgefallen. "Viele haben jetzt Liquiditätsprobleme." Trotz Kurzarbeit seien Löhne vorgestreckt worden. Und die Finanzdecke bei den meisten Hoteliers sei nicht besonders dick. "Dabei laufen die Kosten ja weiter." Während in den Städten jetzt hohe Pachten zum Problem werden, sei es auf dem Land die Nachfolgerfrage. Ein mit Krediten belastetes Unternehmen zu übernehmen, das überlegen sich potenzielle Nachfolger zweimal. 

Schleppender Neustart

"Es wurden ja Kredite in Anspruch genommen", sagt auch Fedder-Christian Paulsen, der das Fährhaus in Meißen betreibt. Die werde mancher in der Branche jetzt mit sich herumtragen, vermutet er. Seine kleine Pension habe dagegen etwas geringere Probleme. "Das Haus ist in unserem Eigentum, wir haben auch nur zwei Reinigungskräfte, die halbtags kommen." Trotzdem beginne eben ab Ostern auch bei ihm die umsatzstärkste Zeit. Und die war ein Totalausfall, erklärt Paulsen. Derzeit laufe das Geschäft auch noch eher schleppend an. 

Die Hotelbar bleibt zu - nicht nur im Mercure in Riesa. Auch von Buffets sehen die Hotelbetreiber ab - die Meisten bieten aber Alternativen an.
Die Hotelbar bleibt zu - nicht nur im Mercure in Riesa. Auch von Buffets sehen die Hotelbetreiber ab - die Meisten bieten aber Alternativen an. © Lutz Weidler

Die ganz großen Übernachtungszahlen werden die Hotels und Pensionen wohl so schnell nicht wieder verzeichnen. Der internationale Besucherverkehr wird fürs Erste weiter fehlen. Franziska Koitzsch von der Parkschänke Zabeltitz verzeichnet bisher ebenfalls nur eine verhaltene touristische  Nachfrage, wie ihr Kollege aus Meißen. Die Stornierungen überwiegen, immerhin für Himmelfahrt habe sie in den vergangenen Tagen zwei Zimmer vergeben. "Die Geschäftsleute machen aber weiter, die sind in der Hinsicht auch locker drauf." Wie es mit dem Tourismus weitergeht, das müsse sich erst noch zeigen. Sie hoffe darauf, dass die Bundesregierung etwas für den Deutschland-Tourismus macht und sich manch Urlauber auf Sachsen als Reiseziel besinnt. "Es gibt bei uns in der Region schöne Ecken zu entdecken." 

Darauf setzt auch der Wettiner Hof in Riesa. "Es werden weniger Fernreisen möglich sein", sagt Betreiber Jürgen Gollos. Vielleicht bringe das sogar mehr Radtouristen. Fährhaus-Betreiber Fedder-Christian Paulsen hatte schon so einen Fall: Die Gäste seien sonst um diese Zeit in Südtirol. Stattdessen hätten sie sich eine Woche in seiner Pension einquartiert. "Das ist schon ungewöhnlich." 

Buffets bleiben vorerst zu

Auch aus Altkötzschenbroda gibt es da schon jetzt gute Nachrichten. Yvonne Ziegenhagen nimmt bei Gastronomie Radebeul für insgesamt vier Hotels und Restaurants Tisch- und Zimmerreservierungen entgegen. Seit Anfang der Woche gebe es endlich wieder mehr zu tun, sagt sie. Derzeit werden demnach mehr Übernachtungen als Tische angefragt. "Es kommen aber nach wie vor auch Stornierungen, bis in den Herbst." Auf dem alten Niveau jedenfalls sei man noch nicht angekommen. "Normalerweise wären wir um diese Zeit ausgebucht." Ähnlich wie andernorts  fällt auch in den Hotels in Altkötzschenbroda das Buffet aus, über eine Liste können die Gäste aber Alternativen wählen. Zu schaffen mache dem Betrieb vor allem, dass Feiern ausfallen. Die bringen das Geld.

Auch wenn es mittlerweile mehr zu tun gibt, werde im Unternehmen weiter nicht voll gearbeitet, sagt Yvonne Ziegenhagen. Ähnlich sieht es in Riesa aus. "Im Hotel werden wir den Betrieb bedarfsorientiert bis zum 25. Mai wieder voll hochfahren", kündigt Reiner Striegler an. "Dies bedeutet, dass wir je nach Gästezahl pro Nacht unser Personal und auch unsere Leistungen hochfahren. Aktuell haben wir nur von Montagabend bis Freitagvormittag den Hotelbetrieb für unsere Businessgäste voll aktiviert." 

Hoteliers hoffen auf Verständnis bei den Gästen

Während das Mercure weniger abhängig von Touristen ist, dürfte sich dort vor allem das Verbot von Großveranstaltungen bemerkbar machen. "Sicher wird auch der Radtourismus zunächst verhalten anlaufen, sodass wir die nächsten Monate betriebswirtschaftlich gesehen nicht mit den Vorjahren vergleichen können", prognostiziert Reiner Striegler. "Wir werden für diesen Zeitraum unsere Kosten dem geringeren Umsatz anpassen müssen, soweit das machbar ist." 

Letztendlich müsse jeder Unternehmer selbst entscheiden, ob der Aufwand, der jetzt mit den Corona-Auflagen einhergeht, wirtschaftlich vertretbar ist, sagt Dehoga-Chef Klein. Von Normalität jedenfalls könne noch längst keine Rede sein. Am Ende sei aber vor allem der Gast gefragt. "Wir hoffen, dass die Gäste kommen - und sich dann auch an die Regeln halten."