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Der neue Intendant: Wer er ist und was er vorhat

Daniel Morgenroth wird ab Sommer 2021 das Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz und Zittau leiten. Jetzt macht er seine Pläne öffentlich.

Von Ines Eifler
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Daniel Morgenroth wird der neue Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters in Görlitz und Zittau.
Daniel Morgenroth wird der neue Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters in Görlitz und Zittau. © Nikolai Schmidt

Ein Theater, das alle erreicht, sich nach außen öffnet und die Menschen verbindet: So soll es sein. Und so möchte es Daniel Morgenroth, der ab August 2021 das Gerhart-Hauptmann-Theater leiten wird, sowohl künstlerisch als auch kaufmännisch. Hatte Mitte Juni bereits der Görlitzer Kreistag dafür gestimmt, den 36-Jährigen in die Position des Alleingeschäftsführers zu berufen, so taten das vergangenen Donnerstag auch die Stadträte Zittau und Görlitz mit großen Mehrheiten. Vorgeschlagen hatte ihn der Aufsichtsrat nach einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren. Zu den fachlichen Beratern zählten mit Octavian Ursu und Michael Wieder für die Stadt Görlitz zwei gestandene Theaterleute.

Vom Bodensee in die Lausitz

Nun ist es an Daniel Morgenroth, Visionen für die Zukunft des Gerhart-Hauptmann-Theaters zu entwickeln. Diese Zukunft müsse vor allem von Gemeinsamkeit getragen werden, sagt der künftige Generalintendant, der in den vergangenen drei Jahren der persönliche Referent des Intendanten in Konstanz war, noch in diesem Jahr nach Görlitz oder Zittau ziehen und sich hier auf seine neue Aufgabe einstimmen will. Ein Theater mit zwei Standorten in zwei Städten, mit vier Sparten, zwei Fördervereinen und drei Gesellschaftern – das zusammenzubringen war seit der Fusion 2011 schon die große Aufgabe.

Zwei Theater weiter zu "einem Haus" verbinden

Daniel Morgenroth möchte noch intensiver daran arbeiten: mit sparten- und städteübergreifenden Inszenierungen, mit gemeinsamen Versammlungen an beiden Orten und mehr Berührungspunkten für die Mitarbeiter aus allen Bereichen. Mit einer guten inneren Verbindung könne das Theater auch nach außen strahlen, sagt er. Und nur wenn sich das Theater wirklich als "ein Haus" verstehe, sei es zukunftsfähig. "Ich habe viele Ideen dafür", sagt Daniel Morgenroth, "die ich nach und nach ausprobieren möchte." 

"Gemeinsam" bedeutet auch etwas, das der Bezeichnung "Alleingeschäftsführer" zu widersprechen scheint. Als in Konstanz die Intendanz 2020 neu besetzt werden sollte, hatte sich Morgenroth gemeinsam mit drei Dramaturgen als Team auf die Stelle beworben. Das ging nicht durch, aber die Verteilung von Entscheidungen auf mehrere Köpfe ist für ihn nach wie vor etwas Wesentliches, das er sich auch für Görlitz vorstellen kann. "Natürlich muss einer den Hut aufhaben und die Verantwortung tragen", sagt er, "aber Theater muss demokratisch und auch in der Leitungsebene Teamarbeit sein." 

Theaterpädagogik soll wieder fest angesiedelt sein

Nach außen hin wünscht sich Daniel Morgenroth eine stärkere Öffnung und Vernetzung in alle Bereiche der Gesellschaft hinein, mit Kitas, Schulen, der Hochschule, mit Clubs und Vereinen, mit Orten, die zum Identifikationsgefühl der Menschen gehören. Das meint er zum Teil wörtlich auf die städtischen Räume bezogen. "Ich bin ein großer Fan von Inszenierungen, durch die das Publikum hindurchgehen können." In vielen Städten könne man das schon erleben, und in Görlitz und Zittau, wo es noch große leerstehende Gebäude gibt, biete sich eine solche Inszenierung an. Sie könnte Sparten verbinden und Menschen anziehen, die sich sonst vom Theater eher fernhalten.

Auch eine fest am Haus angesiedelte theaterpädagogische Arbeit ist ihm sehr wichtig, die Kinder und Jugendliche ans Theaterspielen heranführt. Dass Theater junge Menschen begeistern kann, auch wenn sie vorher noch nie damit zu tun hatten, hat er selbst erlebt. Als Kind eines Vermessungsingenieurs und einer Hausfrau wuchs er auf dem Land bei Coburg auf. Mit elf kam er zum Schultheater, mit 14 zum Improvisationstheater. Als Student der Wirtschafts- und Kulturwissenschaften und mehrerer Sprachen in Passau schrieb, inszenierte und spielte er eigene Stücke. 

Mit Theaterlegende in New York unterwegs

Noch im Studium ging er nach London, unter anderem an die Royal Academy of Dramatic Art, wo auch Stars wie Kenneth Branagh, Ralph Fiennes, Anthony Hopkins, Charles Laughton oder Vivian Leigh ihre Kunst erlernten. Nach seinem Londoner Masterstudium war er ein Jahr lang mit der Theaterlegende Robert Wilson als dessen Assistent in New York und der ganzen Welt unterwegs. Danach lehrte er an der Uni Würzburg im Schwerpunkt Drama und promovierte 2015. Doch er wollte kein Wissenschaftler werden, sondern zurück ans Theater. So kam er nach Konstanz und nun als Nachfolger Klaus Arauners nach Görlitz und Zittau.

Auch hier will Morgenroth neben seiner Aufgabe als Manager hin und wieder selbst inszenieren. Als es in Kreistag und Stadträten um die Abstimmung für oder gegen ihn ging, kam aus den Reihen der AfD immer wieder die kritische Frage, ob er in Görlitz und Zittau etwa politisches Theater machen wolle. Für den künftigen Intendanten führt daran kein Weg vorbei. "Theater muss sich immer mit Fragen und Themen auseinandersetzen, die das Land bewegen." Insofern sei Theater immer politisch.

Theater muss Raum für Kontroversen sein

"Wenn wir reines Gefälligkeitstheater möchten, können wir auch einen Musicalpalast bauen und 'König der Löwen' aufführen, aber das hätte für uns als Gesellschaft keine Relevanz." Eine schöne Operette und klassische Opern gehörten auf den Spielplan, aber Theater müsse auch ein Raum sein, in dem gesellschaftliche Kontroversen diskutiert werden.

Das Zittauer Theater lernte Daniel Morgenroth bereits vergangenen Donnerstag kennen, das Görlitzer am Freitag. "Bisher habe ich einen sehr positiven Eindruck von beiden Häusern", sagt er. "Ich spüre einen großen Rückhalt und Lust auf neue Impulse. Das freut mich und macht Mut."

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