merken
PLUS Görlitz

Was kommt da auf die Kliniken zu?

Mitarbeiter wollen mehr Geld, das aber immer weniger reicht. Jetzt werden auch noch zwei Chefs gesucht - die Krankenhäuser im Kreis müssen sich ändern.

Leere Socken und Protest vorm Görlitzer Krankenhaus am Montag.
Leere Socken und Protest vorm Görlitzer Krankenhaus am Montag. © Nikolai Schmidt

Rote-Socken-Kampagnen gab es schon, jetzt kommen die leeren Socken. Einige hingen die Mitarbeiter des Görlitzer Klinikums am Montag auf als Protest gegen das Tarifangebot ihrer Geschäftsführung. Es ist aus ihrer Sicht zu wenig. An diesem Dienstag begegnen sich beide Seiten zum zweiten Mal zu Tarifgesprächen, eine schnelle Einigung aber wird es nicht geben.

Schon beim bislang letzten veröffentlichen Jahresabschluss von 2018 deutete Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch das Problem an. Bereits die geplanten Tarifsteigerungen verschlechterten "wesentlich" die wirtschaftliche Situation. So plante das Krankenhaus für dieses Jahr mit einem Verlust von 320.000 Euro, für nächstes Jahr soll es mit 31.000 Euro Plus nicht viel besser aussehen. Doch die Mitarbeiter wollen deutlich schnellere steigende Löhne, die Lage dürfte noch schwieriger werden. Allerdings: Als diese Zahlen geschrieben und berechnet wurden, rechnete niemand mit Corona. Die finanziellen Auswirkungen der OP-Ausfälle sind jetzt noch nicht bis zum Letzten abzuschätzen.

PPS Medical Fitness GmbH
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

Die Görlitzer Klinikum-Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch geht zum 1. März nächsten Jahres in den Ruhestand.
Die Görlitzer Klinikum-Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch geht zum 1. März nächsten Jahres in den Ruhestand. © Klinikum Görlitz

Branche im rigiden Sparzwang

An höheren Löhnen und Gehältern der Mitarbeiter, die noch immer unter den Tarifzahlungen bundesweit liegen, freilich liegt es nicht allein, dass die Krankenhäuser im Landkreis in Schwierigkeiten stecken. So schätzen die Häuser in Zittau, Ebersbach und Weißwasser ein, dass "die Branche aufgrund der knapper werdenden finanziellen Ressourcen und des demografischen Wandels einem rigiden Sparzwang unterliegen".  Der Geschäftsführer dieser Häuser, Andreas Grahlemann, schreibt in der Bilanz seiner Kliniken, dass die Krankenhausfinanzierung immer schwieriger wird. Auf der einen Seite würden die Leistungen der Kliniken nicht ausreichend honoriert, auf der anderen Seite müssten die Häuser die immer teurer werdenden Investitionen für Medizintechnik und IT-Infrastruktur selbst erwirtschaften, da die Fördermittel vom Freistaat nicht ausreichen. 

Während sich das Görlitzer  Klinikum dabei immer noch gut schlug und 2018 immerhin einen Überschuss von drei Millionen Euro erwirtschaftete, lag er bei Zittau/Ebersbach nur bei 152.000 Euro und in Weißwasser bei 9.000 Euro. Gerade das Krankenhaus in Weißwasser kämpft schwer. Zwar gelang es aus den roten Zahlen von  2017 rauszukommen, aber die Nähe von großen Häusern in Hoyerswerda und Cottbus macht den Kampf um die Patienten immer schwieriger.

Dabei ist es nicht so, dass sich die Kliniken medizinisch verstecken müssten. Das Städtische Klinikum in Görlitz ist erst wieder in einer renommierten Studie zu einem der besten in Deutschland gekürt worden. Das neue Frauen-Mutter-Kind-Zentrum, das offiziell am 11. September mit großem Bahnhof eröffnet wird, gilt als hochmodern. Auch in die Krankenhäuser in Zittau und Ebersbach sowie Weißwasser werden Millionen investiert.

Andreas Grahlemann, Geschäftsführer der Kreis-Krankenhäuser, wird Mitte nächsten Jahres seinem Nachfolger Platz machen.
Andreas Grahlemann, Geschäftsführer der Kreis-Krankenhäuser, wird Mitte nächsten Jahres seinem Nachfolger Platz machen. © Foto: Matthias Weber

Unter den ökonomischen Zwängen loteten die Krankenhäuser in der Vergangenheit manche Zusammenarbeit aus. Bei der Krankenhausakademie klappte es, bei einer gemeinsamen Wäscherei nicht. Weitergehende Überlegungen seitens des Kreises hatten in der Stadt Görlitz keine Chance. Beim letzten Stadtratswahlkampf waren sich fast alle Parteien einig: Das Städtische Klinikum muss städtisch bleiben.

Neue Chefs in Görlitz und im Kreis gesucht

Nun eröffnet sich eigentlich eine neue Möglichkeit, über gemeinsame Strategien nachzudenken. Denn sowohl die Kreis-Krankenhäuser als auch das Städtische Klinikum suchen neue Geschäftsführer. Entsprechende Stellenanzeigen wurden in diesen Wochen lanciert.

Ulrike Holtzsch, die im Oktober 63 Jahre alt wird, geht zum 1. März nächsten Jahres in Ruhestand. Sie hatte das Klinikum nach den Turbulenzen in der Bostelaar-Ära wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht. Auch für Andreas Grahlemann bei den Kreis-Krankenhäusern wird ein Nachfolger gesucht. Das Firmenkonstrukt im Süden ist etwas kompliziert, deswegen wird dort ein Geschäftsführer für die Managementgesellschaft Gesundheitszentrum gesucht - das ist die Mutter für die Krankenhaus-Töchter. Grahlemann ist bereits 67 Jahre alt und kam Mitte 2016. Seine Position wird zum 1. Juni neu besetzt. 

Nachfolger für beide Situationen zu bekommen, ist nicht so einfach. Das bestätigen Aufsichtsräte gegenüber der SZ. So ist die Ausschreibung im Süden besonders langfristig angelegt, aber auch in Görlitz laufen im Hintergrund bereits seit Wochen Gespräche über mögliche Nachfolger und die Anforderungen an sie.

Gibt es Strukturveränderungen ab 2022?

Ehe die Personalien nicht geklärt sind, wird es keine neuen Überlegungen für die Krankenhauslandschaft im Landkreis Görlitz geben. Doch danach könnten die Probleme angegangen werden. Denn sie drängen. Der Bevölkerungsrückgang macht den Krankenhäusern zu schaffen, es wird immer teurer, gute Ärzte zu finden, die Investitionen für Medizintechnik schnellen in die Höhe, die Honorierung der Leistungen bleibt schwierig. 

Andreas Grahlemann hatte deshalb im März vergangenen Jahres im Kreistag bereits eine Brandrede gehalten, die Ulrike Holtzsch als solide Analyse bezeichnet hatte. Grahlemanns Mahnung an die Politiker: Gelingt es nicht, in den nächsten Jahren die kommunalen Krankenhäuser im Kreis zusammenzubringen, dann ist die Existenz  einzelner Häuser gefährdet. Und Frau Holtzsch, die seit Jahren für die CDU im Görlitzer Kreistag sitzt, sagte: "Wir werden uns zusammensetzen müssen, um zu klären, wie wir im Landkreis die Häuser entwickeln." Es müsse Schluss sein mit dem Kirchturmdenken. Dazu sei aber ein stärkerer politischer Wille nötig als bislang.   

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz