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Landesbischof Rentzing legt Amt nieder

Im September wurde bekannt, dass Carsten Rentzing früher Mitglied einer schlagenden Burschenschaft war. Nun reagiert er auf die innerkirchliche Kritik.

Der evangelische Landesbischof war Mitglied in einer Studentenverbindung. Das sorgte in der Kirche für Unruhe.
Der evangelische Landesbischof war Mitglied in einer Studentenverbindung. Das sorgte in der Kirche für Unruhe. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Sachsen Landesbischof Carsten Rentzing tritt zurück. Der 52-Jährige zieht damit offenbar die Konsequenzen aus der innerkirchlichen Kritik an seiner Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung.

Er wolle Schaden von der Kirche abwenden und sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung stellen, heißt es in einer Erklärung, die am Freitag auf der Homepage der evangelisch-lutherischen Landeskirche veröffentlicht wurde. Die Einheit der Kirche sei für ihn oberstes Ziel gewesen.

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 „Ich muss mit großem Bedauern feststellen, dass die aktuelle Diskussion um meine Person diesem Ziel schadet. Sie ist nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die gesamte Kirche derzeit eine Belastung“, heißt es dort. Rentzing war 2015 zum Landesbischof gewählt worden.

Rentzing hatte nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung im September eingeräumt, dass er im Alter von 25 Jahren als Student Mitglied einer Burschenschaft namens Alte Prager Landsmannschaft Hercynia geworden war. 

Hercynia ist eine der etwa 300 Studentenverbindungen in Deutschland, die sich als „schlagend“ bezeichnet. Das Fechtduell, die sogenannte Mensur, ist eines ihrer Rituale. Ein Wahlspruch lautet „Deutsch, frei, innig und treu“. Die Hercynia bekennt sich zur „deutschen Kultur und deutschen Werten“.

Am Freitag erklärte er, er habe konservative Positionen nach einem langen Entwicklungsprozess für sich als richtig erkannt. Der Weg in die Kirche habe ihn verändert. „Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr“. 

Ein einmaliger Vorgang

Nach sechs Wahlgängen und mit einem denkbar knappen Ergebnis war Carsten Rentzing vor vier Jahren zum Landesbischof gewählt worden. Damit war klar, dass er innerhalb der evangelischen Landeskirche nicht von allen Seiten Unterstützung erwarten konnte. Tatsächlich musste er sich immer wieder wegen seiner Positionen als konservativer Lutheraner gegen Kritiker verteidigen. Am deutlichsten und für die Öffentlichkeit sichtbar wurde dies in der Kontroverse um gleichgeschlechtliche Paare in Pfarrhäusern. Als Vertreter der „Bekenntnisinitiative“ lehnte er dies ab. Die homosexuelle Lebensweise entspreche nicht dem Willen Gottes, sagte er einmal in einem Interview. Auch Trauungen lesbischer oder schwuler Paare kommen für ihn nicht infrage. Viele Christen hielten diese Haltung ihres Bischofs für eine Zumutung.

Nachdem Rentzing am Freitag überraschend ankündigte, sein Amt so bald wie möglich niederzulegen, sprach Landeskirchensprecher Matthias Oelke von einem „einmaligen Vorgang“. Die Kirchenleitung werde nun das weitere Verfahren festlegen. Bis zur Wahl eines Nachfolgers bleibe Rentzing Bischof.

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