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Meißen

Manufaktur schließt fast alle Geschäfte

Das Unternehmen will in den kommenden Jahren 200 Stellen abbauen. Dafür wird nun im Verkauf gespart.

Die Porzellanmanufaktur Meissen will in den kommenden Jahren mehr als 200 Stellen abbauen. Dafür sollen Geschäfte in ganz Deutschland schließen. Auch ein Lokal in London ist betroffen.
Die Porzellanmanufaktur Meissen will in den kommenden Jahren mehr als 200 Stellen abbauen. Dafür sollen Geschäfte in ganz Deutschland schließen. Auch ein Lokal in London ist betroffen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der geplante Stellenabbau bei der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen hat weitere Konsequenzen: Nachdem das Unternehmen vergangenes Jahr bereits deutschlandweit mehrere Geschäfte geschlossen hat, sollen nun noch weitere Standorte von der Landkarte verschwinden. Das zumindest geht aus einer Auskunft des sächsischen Finanzministeriums auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten André Barth hervor. Der AfD-Politiker hatte von der Regierung wissen wollen, wo genau die wirtschaftlich angeschlagene Porzellanmanufaktur künftig Stellen einsparen will.

Bis Anfang 2019 war das Unternehmen noch mit insgesamt zwölf Geschäften in Deutschland präsent, hinzu kommt ein Laden im berühmten Londoner Warenhaus Harrods. Doch die Zahl der Geschäfte ist innerhalb Deutschlands bereits auf acht gesunken, da im Laufe des vergangenen Jahres die Standorte in Hamburg und Erfurt sowie die in Dresden im Karstadt und im Hilton aufgegeben wurden. Das Finanzministerium begründet dies mit betriebswirtschaftlichen Erwägungen. Durch den Wegfall der Geschäfte in Hamburg und Erfurt konnte das Unternehmen insgesamt acht Stellen einsparen, in den beiden Dresdner Läden sind es zusammengenommen 14 Stellen.

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Nur drei Standorte sollen bleiben

Schon bald soll es weitere Schließungen geben. Nach Auskunft des sächsischen Finanzministeriums will die Porzellanmanufaktur Meissen auch ihre Geschäfte in München, Stuttgart, Köln, Frankfurt und London schließen. Dadurch fallen weitere 17 Stellen weg. Im Endeffekt will das Unternehmen lediglich an den Geschäften in Berlin, Dresden und am Produktionsstandort in Meißen festhalten. Auch für diese Entscheidung werden betriebswirtschaftliche Erwägungen angeführt.

In Berlin, wo man derzeit mit zwei Ladenlokalen und insgesamt acht Mitarbeitern vertreten ist, soll es nach einer Konsolidierung nur noch ein Geschäft geben. Auch in Dresden soll sich das Angebot künftig auf ein Ladenlokal in der historischen Altstadt beschränken. Ob das Unternehmen auch in Meißen den Verkauf umstrukturieren und dadurch womöglich Stellen einsparen will, ist derzeit noch nicht bekannt. Laut Auskunft des Finanzministeriums arbeitet die Porzellanmanufaktur derzeit an den Einzelheiten des Personalabbaus.

Insgesamt 619 Menschen sind aktuell bei der Porzellanmanufaktur beschäftigt. In den kommenden Jahren soll die Zahl auf 418 Mitarbeiter sinken. Wie genau dieser Prozess vonstattengehen wird, ist derzeit „Gegenstand von laufenden Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber, sodass derzeit noch keine weitergehenden Aussagen getroffen werden können“, heißt es aus dem Finanzministerium.

Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der ehemalige sächsische Finanzminister Matthias Haß (CDU) in einer Auskunft an seine Parteifreundin Daniela Kuge versichert, dass die Belegschaft der Manufaktur „von der Unternehmensleitung in den Reorganisationsprozess umfassend und angemessen einbezogen“ wird. Durch Erklärungen und Begründung der erforderlichen Maßnahmen solle ein hohes Maß an Transparenz entstehen, so Haß. „Wichtig ist die Einbindung der Mitarbeiter vor allem als Wissens- und Kompetenzträger in den anstehenden Veränderungen“, erklärte der ehemalige Finanzminister weiter.

Abfindungen könnten teuer werden

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Wann und wie die Reorganisation innerhalb des Unternehmens durchgeführt wird, soll durch einen sogenannten Interessensausgleich verhandelt werden. „Daneben hat eine Verständigung darüber zu erfolgen, wie die hieraus resultierenden Nachteile für die Mitarbeiter im Rahmen eines Sozialplans ausgeglichen oder gemildert werden können“, so Matthias Haß in einer Mail gegenüber der Landtagsabgeordneten Daniela Kuge. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Manufaktur aufgrund von Entlassungen das Portemonnaie öffnet. In den vergangenen Jahren gab sie dafür mehr als 1,5 Millionen Euro aus.