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Riesa bekommt zweiten Wochenmarkt

Im Stadtteil Gröba wollen Claudia Pigors und Ronny Krause eine Marktschwärmerei aufbauen - als Ergänzung zum Rathausplatz.

Noch gibt es die Marktschwärmerei in Riesa nur auf einem Flyer. Bald könnte sie aber in Gröba Wirklichkeit werden, hoffen Claudia Pigors und Ronny Krause.
Noch gibt es die Marktschwärmerei in Riesa nur auf einem Flyer. Bald könnte sie aber in Gröba Wirklichkeit werden, hoffen Claudia Pigors und Ronny Krause. © KDB

Riesa. Die orangefarbenen Flyer liegen schon auf dem Tisch, ein Standort ist organisiert und auch Werbung hat Claudia Pigors in den vergangenen Monaten schon jede Menge gemacht. Vorrangig in den sozialen Netzwerken war sie aktiv, um gemeinsam mit Partner Ronny Krause unter dem Label "Marktschwärmer" den etwas anderen Marktplatz in Riesa zu bewerben. 

Die Idee dazu  nahm in Frankreich ihren Anfang, erzählt Pigors. Mittlerweile hat es sich aber auch in Deutschland flächendeckend etabliert. In Dresden beispielsweise gibt es bereits mehrere sogenannte Schwärmereien. Im Grunde seien die eine "Ergänzung des Wochenmarktes", sagt die Riesaerin. Der hat ihrer Ansicht nach nämlich eine Schwachstelle: Er ist nur an zwei Wochentagen vormittags geöffnet. Wer in dieser Zeit arbeiten muss, der muss in der Regel auf regionale Produkte verzichten. 

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Abholung in den Abendstunden

An dieser Stelle setzt die Idee an, die Claudia Pigors und Ronny Krause jetzt auch für Riesa umsetzen wollen: Über die Internetseite der Schwärmerei können die Kunden wie in einem Online-Shop Produkte auswählen und bestellen. Einmal in der Woche - geplant ist donnerstags - ist dann für drei Stunden "Markttag". Der findet in den Abendstunden statt, erklärt Claudia Pigors. Dann kommen die Erzeuger mit der bestellten Ware nach Riesa - und die Kunden können ihre Bestellung abholen. "Bestellt werden kann bis zu zwei Tage vorher." 

Blick aufs Stadtteilhaus in der Riesaer Hafenstraße. Hier sollen die Kunden ihre Bestellungen abholen können.
Blick aufs Stadtteilhaus in der Riesaer Hafenstraße. Hier sollen die Kunden ihre Bestellungen abholen können. © Sebastian Schultz

Die Sache hat für beide Seiten Vorteile, sagt das Paar. Der Kunde bekomme in der Region hergestellte Lebensmittel zu einer Wochenmarkt-untypischen Zeit und lerne gleichzeitig den Händler persönlich kennen. "Das schafft Vertrauen", sagt Claudia Pigors. Der Händler wiederum kann ganz klar kalkulieren, ob sich eine Fahrt lohnt. Das ist beim Wochenmarkt anders, wo letztlich nie klar ist, wie viele Kunden tatsächlich kommen. Das Risiko bleibt damit überschaubar, so die Idee. 

Stadtteilhaus wird Markthalle

Gleichzeitig ist die Plattform eine Möglichkeit, bekannter zu werden. Um das Online-Portal kümmert sich das Marktschwärmer-Team, das dafür am Umsatz beteiligt wird - ebenso wie der Gastgeber. Im Riesaer Fall wäre das Sprungbrett; der Verein stellt als Schwärmerei das Stadtteilhaus in Gröba zur Verfügung. Wie viel die einzelnen Produkte kosten, legen die Händler selbst fest. 

Einer der ersten, die dann in Riesa ihre Ware anbieten wollen, ist Imker Lars Thieme aus Lampertswalde bei Cavertitz. Er beliefert bereits seit einigen Jahren eine Marktschwärmerei in Leipzig. Die Idee sei "eine gute Ergänzung zum reinen Onlineshop und klassischen Wochenmarkt", sagt er. Er freue sich darüber, dass  es die Option nun auch in Riesa gibt. 

Startschuss soll im Juni fallen

Seit Dezember 2019 sind Claudia Pigors und Ronny Krause schon dabei, die Plattform aufzubauen. 150 potenzielle Kunden brauchen sie, um wirklich starten zu können. Verbindlich ist die Registrierung über die Internetseite nicht, betont Claudia Pigors. Es gehe da eher um die Interessensbekundung. Mittlerweile haben sich etwas mehr als 110 Personen registriert, mehr als ein Viertel davon kam erst im Mai dazu. Im Juni könnte man dann starten, sagt Ronny Krause. 

Das ist die eine Herausforderung. Die andere war es, erst einmal die Erzeuger zu finden, die ihre Waren in der Schwärmerei feilbieten konnten. "Man staunt, was es hier alles gibt", lautet das Fazit von Claudia Pigors. Auf der anderen Seite habe es schon Einiges an Recherche erfordert, die Betriebe erstmal zu finden. "Wissen Sie denn, wo Sie heutzutage Milch direkt vom Hof bekommen?" 

Telefonisch oder mit Besuchen vor Ort stellte das Paar anschließend sich und die Idee vor. Mit einer kurzen Vorstellung war es aber nicht immer getan. Manchmal musste auch mehrmals angerufen werden. "Es gab später auch zwei Leute, die sich bedankt haben, dass wir dran geblieben sind", erinnert sich Ronny Krause. Die seien jetzt mit an Bord, hätten aber damals aber eben viel zu tun gehabt. 

Wachteleier und selbstgemachtes Pesto

Mittlerweile sind auf der Internetseite der Riesaer Marktschwärmer insgesamt neun Anbieter gelistet, die Produktpalette reicht von Obst aus Coswig über Milch aus Taubenheim bis hin zu Wachteleiern aus Grimma und Apfel-Nuss-Pesto aus Weinböhla. In Stein gemeißelt ist das Angebot nicht, nach wie vor können noch welche dazukommen, sagt Claudia Pigors. "Wichtig wäre nur, dass die Produkte einmalig sind." Sonst würden sich die Händler gegenseitig Konkurrenz machen. 

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Gleichzeitig müsse man natürlich sehen, wie die Riesaer das Angebot annehmen. Die bisherigen Reaktionen machen den beiden Marktschwärmern jedenfalls Mut. Claudia Pigors erinnert sich an eine der Nachrichten, die sie in den vergangenen Wochen bekommen hat. "Da hieß es, dass so ein Angebot in Riesa schon lange gefehlt hat." 

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