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Feuilleton

Darum trennt sich der MDR von Uwe Steimle

Der Sender zieht Konsequenzen aus der Kritik des Kabarettisten am Öffentlich-Rechtlichen. Steimle kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Uwe Steimle ist künftig nicht mehr für den MDR tätig.
Uwe Steimle ist künftig nicht mehr für den MDR tätig. ©  Wolfgang Wittchen

Der MDR beendet die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle. Als Grund führt der Sender wiederholte Vorwürfe Steimles gegenüber dem Sender an, wie der MDR am Mittwochmittag mitteilte. 

"Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht", wird MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi in der Mitteilung zitiert. Doch Steimle habe wiederholt die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage gestellt.

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So habe Steimle etwa 2018 in einem Interview mit der Zeitung Junge Freiheit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mangelnde Staatsferne vorgeworfen. Nach neuerlichen Vorwürfen gegenüber dem MDR sehe man "keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit". Steimle produzierte zuletzt für den MDR die Reihe „Steimles Welt“, die viermal im Jahr ausgestrahlt wurde. 

In den vergangenen Monaten hatte er mit Äußerungen wiederholt für Kritik gesorgt.  So kolportierte er die angebliche Aussage einer Frau, laut der Flüchtlinge in den Freiberger Dom „gekackt hätten“, bezeichnete die Bundesrepublik als „besetzt“ und verglich die rechtsextreme Terrorzelle „Revolution Chemnitz“ mit der Olsenbande.

Gegenüber Sächsische.de zeigte sich der 56-Jährige „vollkommen überrascht und schockiert“ von der Entscheidung des Senders. Er sorge sich um das „hohe Gut der freien Meinungsäußerung“, so Steimle. „Was ist der Grund meiner Entfernung? Ich kann das nicht nachvollziehen.“ 

Zuletzt hatte Steimle auch mit selbst entworfenen T-Shirts für Diskussionen: So stand auf einem der Slogan „Kraft durch Freunde“, entlehnt der NS-Organisation „Kraft durch Freude“, gedruckt in Fraktur, der im Dritten Reich geläufigsten, obwohl 1941 offiziell abgeschafften Schrift.

Gegenüber der Bild-Zeitung verteidigte sich Steimle: "Ich bin Satiriker! Vermutlich hätte Jan Böhmermann für diesen Spruch einen doppelten Grimme-Preis mit Eichenlaub bekommen." Der MDR stellte in dem Zusammenhang klar: "In den Sendungen, die der MDR mit ihm als freiem Mitarbeiter produziert, achten wir darauf, dass seine Satire auch als solche erkennbar ist."

Ein weiteres Shirt trug den Slogan "Volk ohne Traum", anspielend auf den zur NS-Zeit populären völkischen Roman „Volk ohne Raum“; ein literarisches Plädoyer für mehr Lebensraum für Deutsche. Schon damals wurden vom MDR-Rundfunkrat Konsequenzen gefordert.

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Bereits im Oktober gab es erste Hinweise darauf, dass der MDR die Zusammenarbeit mit Steimle beenden wolle. Der Schauspieler wollte gegenüber der Bild-Zeitung nichts davon wissen: „Mit mir hat keiner geredet, im Gegenteil. Ich habe fürs kommende Jahr vier bestätigte Sendetermine.“

Der MDR widersprach jedoch umgehend. "Verträge werden immer nur für einzelne Sendungen abgeschlossen. Und für 2020 ist noch kein Vertrag mit Herrn Steimle unterschrieben worden.“