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Kamenz

5.000 Bäume bei Kamenz gepflanzt

Wo früher Soldaten ausgebildet wurden, wächst jetzt ein neuer Wald heran. Eine Firma aus Pulsnitz verfolgt damit eine besondere Mission.

Henrik Lindner (Mitte) hat mit seiner Stiftung ein neues Stück Wald bei Kamenz geschaffen. Die Firma Meditech aus Pulsnitz mit den Geschäftsführern Maik Lange (l.) und Karsten Leonhardt stellte dafür Geld bereit.
Henrik Lindner (Mitte) hat mit seiner Stiftung ein neues Stück Wald bei Kamenz geschaffen. Die Firma Meditech aus Pulsnitz mit den Geschäftsführern Maik Lange (l.) und Karsten Leonhardt stellte dafür Geld bereit. © Matthias Schumann

Kamenz/Pulsnitz. Auf dem Lindenberg im Kamenzer Ortsteil Biehla stehen tatsächlich noch ein paar vereinzelte Linden. Aber es sollen noch viel mehr Bäume werden auf der Fläche von über 6.000 Quadratmetern. Aus dem früheren Militärgelände soll ein Wald entstehen. Jetzt ist es eher als Ödland zu bezeichnen.

So nennt es auch Henrik Lindner, Geschäftsführer der Stiftung für Wald in Sachsen. Die hat außer ihm noch einen weiteren Mitarbeiter, mehr nicht. Dafür ließ die Minigesellschaft immerhin 1.300 Hektar Wald in den vergangenen 20 Jahren neu sprießen. Darum geht es: um neuen Wald auf Flächen, wo zuvor keiner stand. Die 6.000 Quadratmeter in Biehla kommen nun dazu.

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Den ganzen Wald konnten und können die zwei Mitarbeiter natürlich nicht allein pflanzen. Da sind Studenten im Einsatz, auch Fachfirmen und andere Helfer, die sich uneigennützig für die Natur engagieren wollen. In Biehla geht es um knapp 5.000 Stecklinge, klein und zerbrechlich. „Sie wachsen aber besser an“, ist sich der studierte Forstwirt Lindner sicher. Er hat den Pflanzspaten dabei. Die letzten Bäumchen sind jetzt in der Erde. Wo früher Soldaten ausgebildet wurden, soll Wald wachsen.  

Müll und Schrott beseitigt

Die Stiftung sei ununterbrochen auf der Suche nach geeigneten Flächen. In dem Fall war der Besitzer des Areals auf die Stiftung aufmerksam geworden und habe sich gemeldet. Der Eigentümer, Unternehmer Markus Keil aus Bayern, sei sehr ökologisch eingestellt, so Lindner. Insgesamt dreht es sich um 60 Hektar. „Hier war ein taktisches Ausbildungszentrum der Offiziershochschule Kamenz“, erklärt Keil. Seine Urgroßeltern lebten in der Region. So sei er auf das Areal gestoßen. Er habe es im Wesentlichen mit dem Ziel gekauft, etwas für die Natur zu tun.

Viel Müll und Schrott habe er weggeschafft und in Eigenregie etwa zwölf  Hektar aufgeforstet. Es seien auch noch Gebäude und Betonflächen abzureißen. Er sehe es als eine Verantwortung gegenüber künftigen Generationen, solche Spuren der jetzigen Generation wieder zu beseitigen. Und in dem Fall ein brachliegendes ehemaliges Militärgelände, der Natur zurückzugeben.

Dafür suche Keil eben auch Partner, wie Firmen, die sich einbringen wollen oder die Stiftung für Wald in Sachsen, die ein Stück Ödland übernommen hat. Wenn Flächen vorhanden und Genehmigungen eingeholt sind, gehe es an die Finanzierung, erklärt Henrik Lindner. Dabei schöpfe die Stiftung aus Fördermitteln des Freistaates, aber vor allem aus Spenden: „Die fließen hundertprozentig in den Wald“, versichert Lindner.

An der Stelle kommt das Pulsnitzer Gesundheits- und Medizintechnikunternehmen Meditech Sachsen ins Spiel: „Wir waren auf die Stiftung durch Publikationen aufmerksam geworden“, sagt Geschäftsführer Maik Lange. Das Unternehmen habe nach einer Möglichkeit gesucht, gemeinsam mit den Mitarbeitern aktiv etwas für die Umwelt zu tun. Etwas, das langfristig wirke und greifbar sei. Genau das ermögliche die Stiftung - eine große Pflanzaktion. „Wenn ich hier mal vorbeikomme, kann ich den Enkeln sagen, den Wald haben wir gepflanzt“, ergänzt Karsten Leonhardt, ebenfalls Geschäftsführer bei Meditech.

Corona lässt Pflanzaktion platzen

Ganz wie geplant, hatte es am Ende nicht geklappt. Maik Lange: „Der Virus hat uns Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Die Pflanzaktion der Mitarbeiter mit Kindern, Enkeln, Kunden der Firma habe leider wegen der Corona-Auflagen abgeblasen werden müssen.  Viele hatten sich schon darauf gefreut. „Und wir wollten etwas fürs Gemeinschaftsgefühl tun“, sagt der Chef. 15.000 Euro stellt Meditech erst einmal zur Verfügung. Damit wäre die Aktion finanziert gesichert. Parallel laufe noch ein Spendenaufruf. Auch dieses Geld werde dann in die Stiftung fließen, damit die Waldfläche in Sachsen wächst. 

„Den Wald zu mehren ist ja unsere Aufgabe“, sagt Henrik Lindner, „unterstützt vom Freistaat.“ Leider sei das Spendenaufkommen seit der Krise eingebrochen. Er hoffe nun, so Henrik Lindner, dass sich der Fokus bald wieder auf andere wichtige Dinge richtet, wie den Klimaschutz. Dafür sei neuer Wald wichtig. Allein der Biehlaer binde sechs Tonnen Kohlendioxid im Jahr, wenn er mal groß ist. Er trage außerdem zum Boden-, Arten und Trinkwasserschutz bei. Den Erholungswert nicht zu vergessen.

In diesen Tagen geht der Blick des Forstwirts allerdings etwas sorgenvoll Richtung Himmel. Bis Mitte Mai müsse ordentlicher Regen kommen, damit die Bäumchen anwachsen. Die stehen jetzt in Reih und Glied auf dem Lindenberg. Unter anderem Stieleichen, Spitzahorn und Hainbuchen. Die Stiftung habe sich bewusst für einheimische Arten entschieden. Wenn es trocken bleibe, könne man freilich nichts tun:.„Da nützt auch ein Regentanz nichts“, so Henrik Lindner. Möglicherweise müsse nachgepflanzt werden.

In sieben Jahren sollten die Bäume zumindest schon mannshoch sein. Er hoffe, dass 90 Prozent durchkommen. Wegen der Trockenheit ganz aufs Pflanzen zu verzichten, sei auch keine Alternative, so Henrik Lindner zuversichtlich: „Wir haben noch jeden Wald groß gekriegt.“

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