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Millionenprojekt im Görlitzer Umland geplant

Eine Forschungsgesellschaft hat ihren Sitz aufs Dorf verlegt. Vorstand Norbert Döring hat da Großes vor.

Noch ist das Verwalterhaus vom Rittergut eher Ruine, denn Forschungslabor. Das soll sich ändern. Norbert Döring will hier Arbeitsplätze und Lebensräume schaffen.
Noch ist das Verwalterhaus vom Rittergut eher Ruine, denn Forschungslabor. Das soll sich ändern. Norbert Döring will hier Arbeitsplätze und Lebensräume schaffen. © Constanze Junghanß

Norbert Döring kommt mit dem Elektrodreirad. An der Hofeinfahrt des ehemaligen Verwalterhauses des alten Rittergutes Mengelsdorf hält das mit asiatischen Zeichen beschriebene Gefährt. Den Mini-Transporter hat sich Döring aus China mitgebracht. Da war der 58-Jährige bis Ende 2018. In der Provinz Schandong entwickelten er und sein Team ein Hybridantriebssystem für Radlader mit Diesel-Elektromotor.

Döring ist Vorstand der Gemeinnützigen Forschungsgesellschaft für dezentrale Energiesysteme (Gedes). Ein Verein, der unter anderem das Fraunhofer-Institut, das Forschungszentrum Jülich und die Hochschule Zittau/Görlitz zu seinen Partnern zählt. „Es gibt ein großes Netzwerk, in dem wir mitwirken“, sagt Döring. Durch dieses entstanden die Kontakte nach China.

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Eine mittelständige Firma aus dem ostasiatischen Land habe sich an Gedes mit der Bitte gewandt, das Hybridantriebssystem und eine passende Hydrauliksteuerung vor Ort zu entwickeln. Eineinhalb Jahre dauerte der Chinaaufenthalt mit Unterbrechungen. „Für China bekommt man immer nur vier Wochen ein Visum und muss dann neu beantragen“, sagt der gelernte Maschinenbauer. Bei der Bauma – einer internationalen Messe in Shanghai – wurde das Hybrid-Antriebssystem ebenfalls vorgestellt.

„Mittlerweile haben wir für die Entwicklung auch die europäischen Rechte“, so der Tüftler. Mitgewirkt hat Gedes ebenso am autarken, schwimmenden Haus in Finsterwalde im Süden Brandenburgs. Das Glashaus mit den schrägen Wänden ist ein Bündnisprojekt aus Handwerk, Forschung und Industrie und gleichzeitig eine Demonstration für neue Technologien. „Wir haben dafür den Kamin mit einem Latentwärmespeicher entwickelt“, sagt Döring.

Als Forschungsverein sei Gedes allerdings kein Produzent oder Vertriebler. Deshalb soll das Mengelsdorfer Rittergut ins Spiel kommen. Bisher hatte Gedes in Löbau die Vereinsräume in einem Büro. Entwickelt und geforscht werden soll künftig in Mengelsdorf, dem kleinen Reichenbacher Ortsteil mit etwa 300 Einwohnern. Im Verwalterhaus mit den Türmchen obendrauf ist bedeutend mehr Platz. In dem 1741 errichteten Gebäude sollen unter anderem ein Labor mit offener Werkstatt, Co-Working-Angebote, Arbeitsplätze und Lebensräume entstehen. Aktuell geht es erst einmal darum, das riesige und marode Gebäude zu sanieren.

Döring ist Eigentümer, ein Grundstücksteil soll Gedes übereignet werden. Und damit der Plan aufgeht, braucht es Partner. Einerseits will der Mengelsdorfer Studenten der Hochschule einbinden. Zwischen der Hochschule und Gedes gibt es bereits eine Zusammenarbeit. „Dazu zählt beispielsweise ein Gemeinschaftsprojekt mit weiteren Partnern zum Thema modulare Hochleistungs-Biogasanlage“, so Döring. Gedes sei dabei für die Umsetzung der Steuerung und Optimierung der Gesamtanlage im Betrieb und am Netz verantwortlich: Stichwort Industrie 4.0. Standort ist in Zittau im Haus 11.

Auch gebe es Gespräche mit der Kommunalpolitik, dem Landkreis und auch mit der Bundesregierung. Die will Norbert Döring für sein Lebenswerk mit ins Boot holen. Am 29. August hat er erst einmal einen Termin bei der Kanzlerin der hiesigen Fachhochschule. Denn um seinen Plan umzusetzen, braucht der Mengelsdorfer Unterstützung und rührt überall die „Werbetrommel“.

Noch steht alles ganz am Anfang. Die Sanierung allein wird Millionen kosten und nicht ohne ausreichend finanzielle Förderungen machbar sein. Norbert Döring ist optimistisch, dass es beispielsweise vonseiten des Denkmalschutzes, der Regionalentwicklung und aus anderen Töpfen Zuschüsse gibt. Bereits im Frühjahr 2020, so hofft er, könnte die Sanierung starten.

Die Gedes-Projekte liegen derweil nicht auf Eis. „Wir starten aktuell eines zur autonomen Feldbewirtschaftung. Da geht es um Bodenbewirtschaftung durch Robotertechnik, wo gleichzeitig Solaranergie quasi geerntet wird“, sagt Döring. In Mengelsdorf sollen künftig Technische Systeme und künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum Schwerpunkte der Forschungen sein.

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