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Dresden

Mit Kanu und Skateboard zur Arbeit

Einen Monat lang wird Peter Steinbach 20 Varianten ausprobieren, um ohne Auto zum Büro zu kommen. Dabei hätte er Besseres zu tun.

Das Longboard ist nur eine von zwanzig Herausforderungen in den kommenden Tagen.
Das Longboard ist nur eine von zwanzig Herausforderungen in den kommenden Tagen. © René Meinig

Das Rad hätte seinen Zweck erfüllt. Wäre mit Peter Steinbach im Sattel treu die Elbe entlang gerollt. Sicher und erprobt. So kommt der 37-Jährige jeden Tag zur Arbeit ins Büro der Scionics Computer Innovation GmbH. Aber wen hätte das interessiert? Viele Menschen radeln zur Arbeit. Zu viele tun es nicht und sitzen im Auto. Um genau die geht es dem studierten Physiker. Dessen Tagwerk ist es, Daten zu analysieren und zu verarbeiten, damit wissenschaftliche Forschungsarbeit hoch qualifizierte IT-Systeme zur Verfügung hat. Präzision und Effizienz sind Themen, die ihn täglich beschäftigen. Die bleiben nach Dienstschluss nicht einfach auf der Tastatur liegen.

„Der Arbeitsweg, den wir Menschen zurücklegen, ist ein wichtiger Teil unseres Lebens“, sagt Peter Steinbach. Er selbst wohnt zehn Kilometer weit von der Firma entfernt. „Mit dem Rad bin ich rund 25 Minuten unterwegs.“ Ist das Wetter wirklich schlecht und das Radfahren gefährlich, nimmt er Bus und Bahn. Das dauert knapp eine Stunde. Nicht einmal eine halbe verbringt Peter Steinbach gern mit etwas, das ihn nervt. Wer will Dinge tun, die ihm unangenehm sind, fragt er sich – im Stau stehen zum Beispiel oder Parkplätze suchen. Andere stört es vielleicht, mit den Öffentlichen zu fahren. Für diese und jene könnte es möglicherweise Alternativen geben.

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Zur Vorbereitung seiner Challenge hat Peter Steinbach Longboard fahren geübt. Damit ist es aber noch nicht getan.
Zur Vorbereitung seiner Challenge hat Peter Steinbach Longboard fahren geübt. Damit ist es aber noch nicht getan. © René Meinig

Inspiriert von der Challenge eines Google-Mitarbeiters in den USA hat Peter Steinbach nun seine eigene entwickelt: 20 Tage zur Arbeit und wieder zurückzukommen, ohne dabei allein im Auto im Stau zu stehen, das ist das Vorhaben. „Die großen Themen Verkehrspolitik, Umwelt und Gesundheit werden mir zu sehr mit erhobenem Finger behandelt“, sagt er. Steinbach hält die Idee, in fünf Jahren Autos aus den Städten verbannt oder durch Elektroautos ersetzt zu haben, für utopisch. Dennoch gibt es zahlreiche gute Gründe, den Pkw stehenzulassen und die Zeit des Arbeitsweges aktiv zu verbringen. Von Umwelt- und Gesundheitsaspekten ganz abgesehen, könne man sogar berechnen, welchen Geldwert es für den Einzelnen hat, den Arbeitsweg mit mehr Körpereinsatz zu absolvieren, sagt Peter Steinbach. 

Das sei zwar halbwissenschaftlich, aber möglich. „Im Gegenzug gibt es etliche Begründungen, weshalb beispielsweise das Fahrrad nicht geeignet ist“, weiß Steinbach. Bürokleidung, fehlende Umkleide- und Erfrischungsmöglichkeiten, Transport von Einkäufen, Sicherheitsfragen, Wetter. „Ich muss auf Arbeit keinen Anzug tragen, und am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik und Zentrum für Systembiologie Dresden, wo ich arbeite, haben die Mitarbeiter Umkleideräume und Duschen für Radfahrer zur Verfügung“, sagt er. „Aber ich habe vier Kinder, die in zwei verschiedene Kitas gebracht werden müssen.“ Auch seine Familie kommt nicht ohne Auto aus. Peter Steinbach weiß, welchen Alltagsaufgaben und auch welchem alltäglichen Wettbewerb Menschen ausgesetzt sind. „Davor habe ich Respekt.“

Vor den großen Aufgaben unserer Zeit jedoch auch. Deshalb: Warum nicht einmal eine andere Variante versuchen, ein, zweimal die Woche das Rad nehmen, joggen, einen Elektroroller ausprobieren? Das sind schon drei von insgesamt 20 Möglichkeiten, die sich Peter Steinbach für den kommenden Arbeitsmonat vorgenommen hat, Start am heutigen Tag. „Ich verrate nicht alle Ideen, aber ein Skateboard, eine Kombination aus Roller und Bahn, ein Kanu und vielleicht sogar ein Motorboot gehören dazu. Per Tandem wird Steinbach eine Zweiradfahrgemeinschaft bilden und sich den Spaß machen, Kollegen aufs Conference-Bike zu bitten. „Nicht alles ist für die Dauer praktikabel, aber darum geht es mir nicht. Ich möchte die Leute anregen, überhaupt über ihre Mobilität nachzudenken.“

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Mag sein, dass am Ende das Auto für manchen nicht zu toppen ist. Doch vielleicht entdeckt er ein neues Hobby, eine Sportart, die zumindest in der Freizeit für mehr Bewegung sorgt. Und wie gut wäre es, sagt Steinbach, wenn in dieser Stadt nicht nur über den Ausbau des Radwegnetzes diskutiert würde, sondern Institutionen und Unternehmen Fahrradkeller, Duschen und Spinde einrichteten. Eine weitere Intension: „Ich verstehe meine Challenge auch als Stresstest für unsere Verkehrsinfrastruktur.“ Wie gut fährt es sich auf abschüssigen Wegen? Wo liegen die Stolpersteine? Das alles wird Peter Steinbach auf einer Website und unter „Dresden Commute“ auf Twitter beschreiben. Sächsische.de begleitet ihn.